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Samstag, 19. November 2011

Aufgelegt

Das Telefon klingelt: "Guten Tag, hier spricht Gaby Röster. Ich rufe an im Auftrag der Energie­bera­tung Nord. Ich möchte..." 

Norma­ler­weise lege ich an dieser Stelle wortlos auf, aber nicht heute: "Oh, wie schön, dass sie wieder anrufen. Beim letzten Mal sind wir ja leider unter­brochen worden (weil ich wütend auf­gelegt habe). Ich brauche nämlich noch ein paar Informationen."

"Welche Informationen brauchen Sie?" Gaby wittert Morgenluft. Ein Abschluss rückt in greifbare Nähe.
"Nur ein paar allgemeine Angaben. Also für welches Unternehmen Sie genau anrufen und ob sie eine Natürliche Person sind."
"Eine natürliche Person?"
 "Ja, keine Ahnung, was das soll. Alles verstehe ich auch nicht, was man hier ausfüllen soll."
 "Was ausfüllen?"
 "Na, dieses Formular von der Bundesnetzagentur. Das, womit man diese blöden Werbeanrufe anzeigen kann. Ach ja, und ich soll noch fragen, ob..."
 
klick
 
"Hallo, Frau Röster? Gaby...?!", aber Frau Röster hat aufgelegt, Ich halte das Telefon auf Armeslänge von mir und zeige ihm den Mittelfinger. Jahrelang haben diese ätzenden Werbeanrufer mich genervt, aber ab heute schlägt Svenja-and-the-City, der Blog für den rebellischen Leser, zurück, und das geht so:

Man klickt auf die Seite der Bundesnetzagentur und lädt sich dieses Anzeigeformular herunter. Am Bildschirm ausfüllen, drucken und unterschrieben an die Bundesnetzagentur schicken. Das Formular ist voradressiert und passt perfekt in einen Fensterumschlag. Fünf Minuten Arbeit, aber eine große Genugtuung für meine kleine Seele.

Fazit: Werbeanrufe nerven, aber man kann etwas dagegen tun. Sogenannte ColdCalls, das sind Werbeanrufe ohne vorherige Einwilligung, sind nämlich verboten und werden mit Geldbußen bis zu 50.000 EUR geahndet. Und wenn ich mithelfen kann, auch nur einem einzigen dieser widerwärtigen CallCenter Parasiten das Handwerk zu legen, dann bin ich dabei.


Donnerstag, 5. November 2009

Strumpfhosen

Svenja zieht sich die Strumpfhose hochWie machen BioFrauen das? Rutschen denen nie die Strumpfhosen? Können sich die Biester an Cellulose vielleicht doch besser festkrallen, als an behaarten Beinen? Oder ziehen sie ihre Nur-Die niemals hoch, solange jemand dabei zusehen kann?

Wenn ich durch die Fußgängerzone stöckele, dann merke ich jedenfalls, wie mir langsam aber sicher der Zwickel in Richtung Kniescheibe rutscht. Ich suche mir schnell einen Hauseingang und bringe das unauffällig wieder in Ordnung. Ich bin ja lernfähig. Noch vor zwei Jahren hab ich den Zwickel genau dort wieder hochgezogen, wo immer er gerade ins Rutschen kam.

Es ist das erste, das meine neue Freundin mir damals beibringt. Sie: "Wir ziehen uns niemals die Strumpfhosen hoch, wenn andere dabei zugucken können. Never. Außer sie bezahlen was dafür."

Ich, schon mit leicht bockigem Gesicht: "Aber wieso denn nicht? Die sind mir doch auch hier gerutscht und das hat schließlich auch keinen gestört?" Sie, mit leichter Resignation in der Stimme: "seufz..."

Fazit: Als neue Frau muss man vieles erst lernen. Deshalb darf ich heute die Ermahnung meiner ExFreundin weitergeben: "Wir ziehen uns niemals die Strumpfhosen hoch, wenn andere dabei zugucken können."
Und wie halten erfahrene BioFrauen das heute...?

Mittwoch, 9. September 2009

Tipps für das Outing am Arbeitsplatz

Transsexualität am ArbeitsplatzDas Coming Out am Arbeitsplatz ist ein besonders kritischer Schritt während unserer Verwandlung. Einfach als Frau zur Arbeit zu erscheinen und den verblüfften Kollegen voller Stolz zu verkünden: "Ich bin ab jetzt die Schantalle", ist dabei nicht der cleverste Weg ans Licht.

Ein wenig pfiffiger wollen wir unser Coming Out schon gestalten und zum Glück sind wir dabei nicht alleine. Es gibt nämlich ein paar Institutionen, die uns auf unserem Weg absichernd zur Seite stehen werden. Diese betrieblichen Einrichtungen sind in vielen Firmen der Privatwirtschaft vorhanden und stehen außerdem in jeder Behörde und ihren nachgeordneten Dienststellen den Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes zur Verfügung.

Ich möchte ein paar Denkanstöße geben, wie wir unser Outing als Transsexuelle möglichst clever vorbereiten und damit zugleich die Gefahr, unseren Job zu verlieren, möglichst gering halten.


Die Gleichstellungsbeauftragte. Sie ist zuständig für die Durchsetzung der Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern im Betrieb. Sofern es eine Frauenbeauftragte in der Firma gibt, ist sie unsere erste Ansprechpartnerin. Sie informieren wir als erste über das beabsichtigte Coming Out. Die Gleichstellungsbeauftragte genießt eine ganz besondere Vertrauensstellung. Sie unterliegt der Schweigepflicht und behandelt alle Gesprächsinhalte streng vertraulich.

Die Gleichstellungsbeauftragte ist eine starke Verbündete, wenn es zu Konflikten kommt, die auf die Ungleichbehandlung von Mann und Frau zurückzuführen ist und unter diesem Schutz stehen ab jetzt auch wir. Sollte es in der Zeit nach dem Outing zu Mobbing kommen, dann ist sie unsere erste Ansprechpartnerin. Mit ihr besprechen wir unser weiteres Vorgehen und überlegen gemeinsam, ob sie uns zu weiteren Gesprächen sogar persönlich begleiten soll.

Wie habe ich persönlich damals gehandelt? Ich habe die Gleichstellungsbeauftragte unserer Dienststelle eingeweiht und sie auf das Kommende vorbereitet. Wir sind überein gekommen, dass sie mich nicht zu begleiteten braucht, aber für den Fall einer Eskalation jederzeit erreichbar ist und dann zum Gespräch hinzukommen würde. Das war natürlich nicht nötig und ich sage noch einmal: "Danke, Gaby!"


Der Personalrat oder der Betriebsrat. Das sind mächtige Institutionen, die wir unbedingt ins Boot holen müssen. Letztlich geht es um eine besonders wichtige Personalentscheidung, nämlich um unseren eigenen Job und da hat der Personalrat ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Die Mitglieder des Personalrats unterliegen der Verschwiegenheitspflicht und sind zu besonderem Stillschweigen verpflichtet. Wir können gemeinsam darüber beraten, ob es sinnvoll ist, wenn ein Vertreter des Personalrats uns zu weiteren Gesprächen in die Chefetage begleitet.

Wie habe ich persönlich damals gehandelt? Ich habe den Personalrat nicht mit eingebunden.


Unser unmittelbarer Vorgesetzter. Falls wir zu unserem direkten Chef ein schlechtes Verhältnis haben, gehen wir gleich eine Etage höher. Aber Vorsicht: das Verhältnis zu unserem Chef wird sich dadurch nicht verbessern, weil er sich vermutlich übergangen fühlen wird.

Mit unserem Chef sprechen wir möglichst offen, ohne ihn mit Einzelheiten zu überfordern. Im Idealfall gelingt es uns sogar, ihn zu unserem Verbündeten zu machen, indem wir ihm besonderes Vertrauen entgegenbringen und ihm unsere Befürchtungen anvertrauen: "Die anderen sind vielleicht noch nicht weltoffen und informiert genug, um das zu verstehen." Das wäre die Chance für unseren Chef, sich als weltoffen, tolerant und gut informiert zu zeigen. Je nach Struktur der Firma gehen wir anschließend mit dem kleinen Chef zum großen Chef, bzw. zur Firmenleitung und kündigen dort den bevorstehenden Rollenwechsel an. Um unsere Ernsthaftigkeit zu unterstreichen, sprechen wir auch von der bevorstehenden Vornamensänderung und dass wir demnächst auch amtlich und offiziell Frau Mustermann sein werden.

Wenn wir die Firmenleitung umfassend informiert haben, besprechen wir gemeinsam das weitere Vorgehen. Eventuell wird man unsere Versetzung innerhalb der Firma in eine andere Abteilung vorschlagen. Wir sollten versuchen, das zu vermeiden. In einem fremden Umfeld mit neuen Kollegen werden die ersten Schritte in der neuen Rolle noch schwieriger werden. Außerdem werden die neuen Kollegen sich nicht gerade bedanken, wenn sie "eine strafversetzte Transe" kriegen.

Gemeinsam mit eurem Chef und der Geschäftsleitung besprecht ihr, wir ihr das Coming Out gegenüber euren unmittelbaren Arbeitskollegen und Mitarbeitern gestalten wollt. Das wird das eigentliche Coming Out sein.

Wie habe ich persönlich damals gehandelt? Ich hatte das große Glück, dass mein direkter Vorgesetzter zugleich mein persönlicher Freund gewesen ist. Leider nur bis zu diesem Tag, denn unsere Freundschaft hat meine Verwandlung leider nicht überlebt. Zur Ehrenrettung meines Chefs muß ich aber sagen, dass er sich absolut korrekt verhalten hat und mir sachlich in jeder Hinsicht geholfen hat. Ich wurde nicht versetzt und auch sonst in keiner Weise benachteiligt. Nur mit mir zu tun haben, wollte er danach leider nicht mehr.


Unsere Arbeitskollegen. Das ist das eigentliche Coming Out und ganz bestimmt der schwierigste Part. Inzwischen haben wir unseren Text schon so oft aufgesagt, dass wir schon ein wenig Übung darin haben. Wenn wir diesen letzten Schritt geschafft haben, dann winkt uns als Belohnung endlich auch ein Berufsleben als Frau.

Wir müssen auf jeden Fall für den passenden Gesprächsrahmen sorgen. Es soll dabei kein Telefon klingeln und auch kein Praktikant mit einer doofen Frage plötzlich hereinplatzen. Wir hängen einfach ein Schild an die Tür "Besprechung - bitte nicht stören" und lassen dem Telefon für die Dauer der Besprechung die Luft raus.

Unseren Kollegen sagen wir, dass ihr ihnen etwas wichtiges Persönliches mitzuteilen haben und bitten sie in den Besprechungsraum.

Sowie Ruhe eingekehrt ist, ergreifen wir das Wort und erzählen sachlich und ohne Umschweife von unserer Transsexualität. Wir dürfen dabei ruhig das Bild vom Leben im falschen Körper benutzen. Für Außenstehende ist es recht verständlich und den meisten ist dieser Vergleich schon aus dem Medien bekannt.

Dieses Gespräch wird nicht nur uns etwas peinlich sein, sondern es ist auch für unsere Kollegen ein wenig unangenehm, etwas so Persönliches anhören zu müssen. Deshalb vermeiden wir jedes Pathos und jede Trauer in der Stimme und sprechen möglichst klar und sachlich über unsere bevorstehende Verwandlung. Wir machen aus unserem Coming Out keine Oper, sondern sprechen ganz sachlich davon. Das Ganze ist keine große Angelegenheit. Wir sind eben transsexuell, mehr nicht.

Wir sollten unsere Kollegen ruhig darauf vorbereiten, dass die ersten Monate optisch ein wenig gruselig werden können. Die äußere Umstellung vom Mann zur Frau ist anfangs immer gruselig anzusehen und erfordert von unseren Kollegen eine gewisse Leidensfähigkeit. Wenn ihr es schafft, einen kleinen Joke darüber zu machen, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Ein kleiner Lacher wird das Gespräch an dieser Stelle für alle entkrampfen.

Danach sind wir offen für weitere Fragen unserer Kollegen, aber wir begeben uns auf keinen Fall aufs Glatteis, indem wir Fragen zu unserer Sexualität beantworten. Die geht nur uns selbst etwas an.

Wie habe ich persönlich damals gehandelt? Auf fast jeder Polizeidienststelle findet morgens eine Frühbesprechung statt. Gegen Ende dieser Besprechung habe ich meine Kollegen gebeten, noch einen Moment sitzen zu bleiben, weil ich etwas Persönliches zu verkünden habe. Dann habe ich in recht knappen Worten von meiner bevorstehenden Verwandlung erzählt. Zuerst herrschte ein unangenehmes Schweigen, aber dann haben meine Kollegen so reagiert, wie ich es erhofft hatte. Tenor: "Das ist deine eigene Sache, aber für uns geht das schon in Ordnung und du hast hier im Sachgebiet keine Probleme zu erwarten." Der Bericht darüber war damals übrigens einer meiner ersten Blogbeiträge, klick.


Kunden, Lieferanten, Mitbewerber, benachbarte Dienststellen und Filialen. Da machen wir gar nichts. Auf keinen Fall ziehen wir als reisende Coming Out Show durch die Firma. Wir haben unsere unmittelbare Umgebung informiert und das reicht. Alles andere ergibt sich jetzt von selbst. Nur wenn wir direkt auf unsere Verwandlung angesprochen werden, antworten wir frei und unverkrampft.


Ein ganz besonders wichtiger Punkt ist unsere Arbeitsleistung. Die muß einfach stimmen. Trans darf keine Ausrede für schlechte Leistungen und schon gar nicht für das Fernbleiben vom Arbeitsplatz sein. Never! Ich kenne leider einige Transgender, die auf der Arbeit erhebliche Probleme hatten, ohne dass dafür der Rollentausch die Ursache gewesen ist. Also: Wir erscheinen jeden Tag pünktlich zur Arbeit und versuchen leistungsmäßig sogar noch einen Brikett draufzulegen, besser sogar zwei. Unsere Umwelt soll merken, dass wir jetzt noch leistungsbereiter sind als vorher, weil wir endlich in unserem wahren Geschlecht leben und arbeiten können.

Bitte keine Fehlzeiten aufgrund unserer Andersartigkeit, denn das fällt letztlich auf alle Transsexuellen zurück, die diesen Weg noch vor sich haben. Wir wollen auf keinen Fall als kränklich und nicht belastbar gelten, sondern wollen viel lieber die echten Powerfrauen mit der Kraft der zwei Herzen sein.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Shopping im CITTI Park

Schuhe anprobieren"Habt ihr die auch in 41?" Die nette Verkäuferin bei Tally Weijl sieht mich ungläubig an, als ich ihr die süßen rosa Ballerinas fragend entgegenhalte. "Die gibts nur noch in 36 und 37", erwidert sie in mitleidigem Tonfall.

Ein Besuch bei Tally Weijl, oder bei Forever 18 ist nicht nur bestens dazu geeignet, sich einmal so richtig zu demütigen, sondern ist außerdem der perfekte Einstieg in jede Diät. XL wird in solchen Läden sinngemäß übersetzt mit fett und entspricht in etwa einer deutschen Konfektionsgröße 38.

Es ist Dienstag morgen im Kieler Citti-Park. Ich bin extra früh aufgestanden, um heute ein paar neue Oberteile zu kaufen. Am besten so lang, dass ich sie zusammen mit Leggings auch als Kleider tragen kann. Das bedeutet mindestens Bauchnabel Länge.

Doch die Größenangaben auf den Klamotten bei H&M scheinen mich zu verhöhnen: XS, S, 34, 36, allenfalls eine übrig gebliebene 38. Ich bin ein bisschen verzweifelt, denn ich bin eher ein XL-Girl.

Dazu kommt, dass die Kleiderständer bei H&M so vollstopft sind mit Ware, dass ich es mit einer Hand nicht schaffe, etwas vom Ständer zu nehmen. Und zurückhängen kann ich die Sachen schon gar nicht. Außerdem sind die Highlights zwischen Unmengen von Ladenhütern verborgen und dann oft nur noch in Minigrößen vorhanden.

Endlich finde ich ein paar passende Shirts, als auch schon das nächste, äußerst hässliche Problem auftaucht: Winkfleisch! Das sind diese hässlichen Fledermausflügel an den Oberarmen, wo als Mann einmal mein Trizeps gesessen hat. Kurzärmelig geht gar nicht, mindestens ein halber Ärmel muß es schon sein.

Außer mir scheint die Winkfleischproblematik jedoch niemanden zu stören. Ich sehe nicht nur zentnerweise BingoWings aller Altersklassen, sondern finde auch kein einziges geeignetes T-Shirt.

Citti Park Kiel


Inzwischen ist es fast Mittag und die vier Würstchen vom Hansen Stand heute morgen sind längst Vergangenheit. Ich setze mich in den Asia Grill und esse eine kleine Knusper Ente, denn für den nächsten Laden muß ich stark sein. Ich will zu Vero Moda, meinem absoluten Lieblings Fashion-Store. Hier finde ich fast jedes Mal etwas Passendes und deshalb hebe ich mir Vero Moda oftmals bis zuletzt auf, denn beim Verlassen des Ladens bin ich üblicherweise völlig pleite und hab kaum noch das Geld für einen letzten Kaffee.

Auch diesmal werde ich nicht entäuscht und finde vier wunderbare Longshirts mit halben Ärmeln. Genau so etwas hatte ich gesucht. Meine Kreditkarte ist jetzt schon handwarm und bei Deichmann und New Yorker werde ich mich ein wenig zurückhalten müssen, sonst reicht es am Ende nicht mehr für Bijou Brigitte. Das Leben als Frau hat wirklich seine Tücken. Als Mann wäre ich bestenfalls in den Media Markt gestiefelt und hinterher zu Mc Donalds. Wisst ihr Typen überhaupt, wie aufwendig dagegen der Shopping Trip einer Frau ist? Da reicht es nicht, alles über die neuen Grafikkarten von Nvidia zu wissen, da muß man schon ein bisschen mehr drauf haben. Oder wüsstet ihr spontan, welcher Style zu den neuen Peeptoes von Deichmann passt, häh...?!

Irgendwann am Nachmittag fahre ich auf der Rolltreppe mit den letzten Einkaufstüten hinunter ins Parkhaus. Ich hätte zwar so gerne noch die fliederfarbenen Ankle Boots von New Yorker, aber ein kleiner Rest Verstand hält mich zurück. Dabei waren die Stiefel nur noch einmal in Größe 41 da. Ob ich vielleicht morgen noch mal hinfahren soll?

Citti Park Kiel

Fazit: Der Citti-Park macht einfach Spaß und ist für T-Girls die perfekte Shopping-Mall. Hier könnt ihr sehr gut parken und seid bei unangenehmen Sichtungen von Schwagern und Arbeitskollegen schnell wieder im Parkhaus verschwunden. Außerdem hängen dort keine unangenehmen Typen rum, die euch eventuell mit dummen Sprüchen das Einkaufserlebnis vermiesen könnten. Der Citti-Park ist dazu weit genug vom Hauptbahnhof und der Kieler Innenstadt entfernt.

Freitag, 8. Mai 2009

Laserepilation mit Rubinlaser

Epilation mit RubinlaserTiefrot leuchtet das Laserschwert des Schurken in den Star Wars Filmen. Nur die Guten lasern in grün oder blau. In der Praxis von Frau Dr. Rohde am Exerzierplatz ist es umgekehrt. Hier kämpfen die Guten mit dem rotem Lichtstrahl ihres Ruby Star gegen meine bösen Barthaare. Und inzwischen sieht es endlich nach einem Sieg aus. (Dem der Guten, nicht der Haare)

Mein Bartschatten ist fast vollständig verschwunden und ich brauche nur noch alle paar Monate eine kleine Auffrischung. Die Abstände zwischen den Behandlungen werden immer länger. Drei Monate ist der letzte Lasertermin jetzt schon her.

Das Melanin der Haarwurzeln absorbiert das rote Laserlicht des Rubinlasers besonders gut, während die Haut und das Blut von dem roten Licht des Rubins weitgehend in Ruhe gelassen werden. Dadurch wird eine schonende und halbwegs effektive Epilation überhaupt erst möglich. Trotzdem braucht man viel Geduld, bis einem südländisch behaarten Mann endlich ein glattes Frauengesicht gelasert wurde. Bei mir hat es länger als ein Jahr gedauert, bis die Camouflage Schminke endlich arbeitslos war.

Laserkopf RubinlaserDas Lasern selbst geht wirklich schnell. Da lohnt sich kaum das Hinlegen. Die Situation erinnert stark an die Behandlung beim Zahnarzt und hat wirklich etwas von Wurzelbehandlung. Denn so ganz schmerzlos ist auch die Wurzelbehandlung beim Hautarzt nicht. Die Wangen, der Hals und auch die Brust sind überhaupt kein Problem. Es zwiebelt nur ganz leicht, wird heiß und riecht nach verbranntem Haar. Nur die paar Laserschüsse auf der Oberlippe. Die sind nicht witzig. Ich tröste mich jedes Mal mit dem Gedanken daran, dass nach einer Minute schon alles vorbei ist und ich nach Hause gehen kann. Dennoch: der Laserkopf links im Bild ist ein echtes Arschloch!

Die Behandlung mit dem Alexandritlaser hat mir dagegen wesentlich döller mehr wehgetan. Doch inzwischen gibt es vielleicht schon andere Techniken, die noch besser und schmerzloser sind, als der Ruby Laser.


Fazit: Die Laserepilation war für mich der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Passing. Ihr solltet euch frühzeitig um die Kostenübernahme durch eure Krankenversicherung bemühen. In Einzelfällen kann es sich lohnen, die Behandlungskosten anfangs selbst zu tragen und sich später von der Krankenkasse erstatten zu lassen. So habe ich es gemacht. Die einzelne Behandlung kostet ungefähr 80 EUR (nur Oberlippe) bis 200 EUR (komplettes Gesicht) und muß anfangs alle zwei bis drei Wochen wiederholt werden.

PS: Ich muß langsam aufhören, mir jeden Morgen Estreva Gel auf die Brust zu schmieren. Ich sehe aus wie ein Footballspieler mit Brustpanzer. Dabei ist der Busen echt. Oder ob es der billige BH von Tchibo Prozente ist?

Sonntag, 15. März 2009

Transgender Führer Kiel

Hallo Leute, heute war ich richtig fleißig. Zuerst bin ich zur Wahl gegangen und danach hab ich tatsächlich noch zwei neue Seiten für meinen Transgender Führer Kiel gemacht.

Die eine Seite stellt die Transgender Selbsthilfegruppe in Kiel vor und die andere neue Seite befasst sich mit dem Alltagstest der Transsexuellen.
Was ist das überhaupt, so ein Alltagstest? Worauf muß ich achten und vor allem: muß ich Angst davor haben?

Aber lest selbst ...

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Svenja nimmt die Pille

Weibliche Hormone bekomme ich nun schon seit mehr als einem Jahr. Ich nehme Estreva Gel, das in einem praktischen Pumpspender geliefert wird. Jeden Morgen nach dem Duschen gönne ich mir eine winzige Portion des klaren Gels und verteile es auf Brust und Arme.
Die Wirkung ist einfach umwerfend: Gesicht und Körper werden femininer, Begegnungen mit ExFrauen und Liebesfilme werden heuliger und mein Busen wächst und wächst.

Und trotzdem: Der volle Pamela Anderson Effekt will sich oberweitenmäßig einfach noch nicht einstellen.

Nach der letzten Blutuntersuchung erklärt mir der Endokrinologe, warum das so ist: Mein Östrogenspiegel gleicht inzwischen tatsächlich dem einer ganz normalen Frau. Mein Testosteronwert aber, das männliche Hormon, ist noch immer viel zu hoch und das ist schlecht.

Ich brauche also ein Medikament, dass den Testosteronspiegel senkt, oder zumindest wirkungslos macht. Das wirksamste und bekannteste Medikament dafür ist Androcur. Es ist sehr wirkunsvoll, aber leider auch ein echter Hammer. Depressionen, Müdigkeit und fett zu werden, sind drei Dinge, die ich nicht gebrauchen kann.

Der Doc empfiehlt mir als Alternative die gute alte Diane-35, eine bekannte Antibabypille. Sie enthält neben weiblichen Hormonen auch ein Gestagen, das den männlichen Hormonen entgegenwirken soll. Ich bin sofort einverstanden und bekomme gleich ein 3-Monatsrezept mit auf den Weg.

Auf dem Rückweg vom Arzt halte ich an einer Apotheke, um gleich das Rezept einzulösen. Aus Verlegenheit und weil ich gut drauf bin, frage ich die junge Apothekerin, ob ich jetzt auch wirklich nicht mehr schwanger werden könne. Sie merkt wohl nicht, dass ich sie nur ein wenig auf den Arm nehmen will und erklärt mit freundlicher Besorgnis:

"Aber nein, wenn sie die genau nach Vorschrift nehmen, ist sie völlig sicher.
Nehmen Sie denn zum ersten Mal die Pille?"


Ich gebe auf. Sie ist total nett und merkt einfach nicht, dass ich mal ein Mann war und auch ohne diese blöde Pille vermutlich nicht schwanger werden würde. Als mir klar wird, welches perfekte Passing das eben war, bin ich total glücklich. Welch ein schöner Tag!

Sonntag, 7. September 2008

Kiels erster Stadtführer für Transsexuelle

Es gibt bereits alle möglichen Sorten von Stadtführern und natürlich gibt es auch einschlägige City Guides für Schwule und Lesben. Ich habe mich aber immer darüber geärgert, dass für Transgender kaum etwas dabei ist. Außerdem sind die meisten Szeneführer nur ein besseres Telefonbuch, ohne dass der Leser näheres über die aufgelisteten Orte erfährt.
Irgendwo habe ich wohl einmal zu doll gemeckert, bis eine Freundin zu mir sagte:"Dann machs doch besser, du Zicke!"

Und voller Stolz präsentiere ich den ersten Kieler Fremdenführer speziell für Transgender.
www.transgender-kiel.de

Originaltext:
Kiel ist auch für Transsexuelle eine wunderbare Stadt. Die Menschen sind tolerant und offen, wir haben flippige Bars, Restaurants für jeden Geschmack, ein breites Kulturangebot und natürlich jede Menge toller Schuhgeschäfte.
Als T-Girl zeige ich euch meine Heimatstadt, wie ihr sie vielleicht noch nie zuvor gesehen habt. Lasst mich heute eure Reiseleiterin sei
n und Stöckelt einfach hinter mir her ..."
Für das Layout habe ich zum ersten Mal mit Elementen amerikanischer Comics experimentiert. Ich finde die Mischung aus Texten, Fotos und ergänzenden Kommentargrafiken total spannend. Dabei opfere ich bewusst einen Teil der Lesbarkeit zugunsten des Unterhaltungswertes. Schwierig ist der Spagat zwischen lockerer Schreibe und Seriosität, bzw. Glaubwürdigkeit der Information. Ich hoffe, ich kriege das hin.
Bitte schaut mal auf die Seite www.transgender-kiel.de
Auf eure Kommentare bin ich gespannt.

Sonntag, 29. Oktober 2006

Änderung des Passgesetzes

Heute morgen erfahre ich von einer wichtigen Änderung des Passgesetzes und bin total aus dem Häusschen vor Freude.

In Kurzfassung:
Transgender, die nicht operiert sind, aber bereits die Vornamensänderung erreicht haben, können jetzt den Geschlechtseintrag im Reisepass ändern lassen. Damit sollen Schwierigkeiten bei Auslandsreisen vermieden werden. Dieses war bislang nur mit der "großen Lösung", also der geschlechtsangleichenden OP möglich.
Aber: der Personenstand ändert sich damit noch nicht. Auch bei weiblichem Eintrag im Pass bleibt frau im Personenstand männlich.
Dennoch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Jetzt muss nur noch das TSG (Transsexuellengesetz) geändert werden.
Den vollständigen Text zur Änderung des Passgesetzes findet ihr hier: http://dip.bundestag.de/btd/16/020/1602016.pdf

PS: ach ja: 87,7 kg :-)

Samstag, 12. November 2005

Meine ersten Ohrlöcher

Ohrlöcher stechenHeute habe ich mir Ohrlöcher stechen lassen. Als Sven fand ich Ohrringe bei Männern immer total doof und prollig, aber als Girl möchte ich natürlich schöne Ohrringe tragen.

Ich habe absolut keine Ahnung, wo man das machen lässt, Ohrlöcher stechen. Und ich hab keinen blassen Schimmer, wie das vor sich geht.

Meine Freundin Christine Pretty Woman gibt mir den richtigen Tipp und schickt mich zum Juwelier in der Holtenauer Straße.

Als ich in den kleinen Laden neben dem N.I.L stöckele, bin ich so aufgeregt, dass ich schon einen hochroten Kopf habe. Zum Glück ist die nette junge Verkäuferin ganz allein im Laden und nimmt sich viel Zeit, um mir alles zu erklären. Man sieht mir vermutlich schon auf hundert Meter an, welchen Schiß ich habe. Da bin ich wohl doch noch typisch Mann.

Es braucht eine ganze Weile, bis wir zusammen den richtigen Punkt auf den Ohrläppchen gefunden haben. Die nette junge Frau zeichnet mit schwarzem Edding zwei Punkte auf meine Ohrläppchen und los gehts.

Ich suche mir zwei rosa Ohrstecker aus, die anschließend einzeln in eine kleine Zange eingespannt werden. Sie hält die Zange an mein Ohrläppchen, drückt ab und zack und fertig. Der Ohrstecker sitzt bombenfest im Ohr. Weh getan? Nein, das tut nicht weh. Vielleicht so, als wenn einem jemand von hinten ganz doll aufs Ohr schnippt. Beim zweiten Ohr bin ich schon ganz cool. Das tut ja echt nicht weh.

Das Ganze hat nur wenige Minuten gedauert und nur 15 EUR gekostet inklusive der hübsschen rosa Glitzerstecker.

Jetzt laufe ich ein paar Wochen lang mit diesen medizinischen Ohrsteckern (Foto) herum, solange bis alles verheilt ist und ich meine ersten "richtigen" Ohrringe bekommen kann, freu!
Ich soll die Stecker immer mal ein bisschen drehen, damit sie nicht festwachsen. können Zu Weihnachten schenke ich mir selbst dann ein paar richtig schöne große Kreolen aus Sterling Silber, wie ich sie an den Frauen schon immer so bewundert habe. Ich kann es kaum erwarten....