Montag, 16. März 2009

Frauenwahlrecht für Svenja

"Entschuldigen Sie, aber ich wähle zum ersten Mal als Frau. Können Sie bitte ein Foto von mir machen, wie ich den Stimmzettel in die Urne werfe?"

Heute ist Oberbürgermeisterwahl in Kiel und die drei Wahlhelfer im Klassenraum der 3a sehen mich verblüfft an, bevor wir gemeinsam über die ungewöhnliche Situation lachen müssen.

Ich verschwinde in der kleinen Wahlkabine aus Sperrholz und mache in Ruhe mein Kreuz. "Das hat ja prima geklappt," denke ich. "Wieder so ein Stück Alltag und Normalität, dass du dir als Frau ganz neu erobert hast." Für Außenstehende wirkt das völlig belanglos, aber ich bin richtig stolz auf mein neu erworbenes Frauenwahlrecht.

Ich verabschiede mich von den drei netten Wahlhelfern und gehe in Gedanken versunken die paar Schritte zurück nach Hause. Welch ein Glück ich habe, in einem freien Land zu leben und wie problemlos der Wechsel von Sven zu Svenja bis jetzt verlaufen ist. Eine TransFreundin aus dem Iran hat mir berichtet, dass ihr zuhause die Todesstrafe gedroht hätte. Puh, dagegen sind meine eigenen Probleme geradezu ein Witz und kommen mir plötzlich ganz winzig vor.

"So," denke ich. "Das Wahlrecht ist geschafft." Damit wird meine weibliche ToDo Liste immer kleiner. Mir fällt spontan nur noch eine Flugreise ins Ausland ein. Am liebsten in die USA zu meiner Freundin Dian in die Südstaaten. Aber so verrückt bin vielleicht nicht mal ich ...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Svenja, flieg ruhig mal in die Staaten, dort ist alles so oberflächlich, da merkt eh keiner was von deiner Transsexualität. War schon oft beruflich dort, mir hat´s nicht gefallen. Aber mach dir keine Sorgen und probier es aus!

Ofelas hat gesagt…

Wieso verrückt?...
Andere Länder - andere Sitten ;-)
Meinem einem hat's in den (Süd-)Staaten ausgesprochen gut gefallen. Die, meiner linksorientierten Vergangenheit und der hiesigen Berichterstattung geschuldeten, Vorurteile wurden ertstaunlicherweise keinesfalls bestätigt; im Gegenteil: ich habe dort eine "Lebensart" und "social commons" entdeckt, die zwar so gar nicht "deutsch" sind, mir aber umso besser gefielen.
Einzig die Art - und daß fiel mir schon vor längerer Zeit auf - wie Du (Hand)Taschentragen interpretierst, ist mutmaßlich hüben wie drüben leicht verbesserungswürdiges "passing". ;-) jm2c

Svenja hat gesagt…

@Anonym: Dian sagte: "ich geb dir 30 Sekunden bei uns im Dorf."
@Ofelas: Was ist mit der Taschenhaltung falsch?

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