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Sonntag, 30. Oktober 2011

Claudia wird 70

Eine wunderschöne, violette Orchideen­blüte liegt oben auf meinem Salat. "Die ist essbar.", versichert mir der Ober, während er die gebratenen Jacobs­muscheln serviert. Meine Güte, ist das nobel hier.

Heute ist Claudias 70. Geburtstag und sie hat Pieps und mich ins Kieler Schloss eingeladen. 

70? Wenn ich Claudie so ansehe, wie sie mir gegenübersitzt und mit fröhlichem Gesicht und großen, neugierigen Augen die Jacobsmuschel in sich reinmampft, dann kann ich es kaum fassen, dass meine beste Freundin heute 70 wird. Heute werden wir einmal wieder richtig auf den Kaktus hauen, schließlich soll man seine jungen Jahre nutzen.


Als Claudia dem freundlichen Ober vorschlägt, ein paar Fotos von uns zu machen, ist er von der Idee mindestens ebenso begeistert wie wir. Während Claudia ihm die Bedienung der Kamera erklärt, ziehe ich unauffällig mein Kleid ein paar Zentimeter höher. Schließlich sind wir im Schloss und da sollte eine Frau sich von ihrer besten Seite zu zeigen.


Elegant schreiten wir über den dicken roten Teppich, der aber leider nur in die Tiefgarage unter dem Schloss führt, wo Claudias Auto steht. Minuten später zirkelt sie den Twingo geschickt in eine kleine Parklücke direkt vor dem Birdcage.

Aber was ist das? Nur eine Handvoll Schwuler sitzt mit muffigem Blick am Tresen, während auf den Fensterplätzen gelbe Zettel liegen, auf die jemand mit Kugelschreiber "reserviert" geschrieben hat. Ich frage Micha, den Wirt vom Birdy, was denn los sei. Er berichtet uns, dass die Tische für einen Junggesellinnenabschied reserviert sind.

"Yeah!", sagen Claudie und ich fast unisono, denn wir erinnern uns noch sehr gerne an unsere letzte Bachelorette Party. Und jetzt begreifen wir auch, weshalb die Typen am Tresen so muffig aus der Wäsche schauen.

Ich sitze noch an meinem ersten Glas Wein, als plötzlich die Tür aufgerissen wird und ein halbes Dutzend wirklich heißer Girls hereinkommen. Es sind junge Russinen, die als slutty Pirates verkleidet sind und mit der zukünftigen Braut den Abschied aus dem Junggesellinnenleben feiern wollen.

Die Mädchen haben ganz offensichtlich keine Ahnung, wo sie gelandet sind und machen sich mit Begeisterung über drei Jungschwuppen her, die bis dahin still in einer Ecke saßen.

Sie haben zwar mit Girls absolut nichts am Hut, aber für lustige Menschen, Spaß und Tanzen sind sie immer zu haben und machen engagiert mit.

Die älteren Schwulen verziehen dagegen keine Mine und starren weiterhin unbeteiligt und etwas entnervt in ihre Biergläser.

Die Russinen wissen, wie man feiert und wie man trinkt. In kürzester Zeit verwandelt sich das Birdy in einen Hexenkessel aus Discomusik, tanzenden Girls, Heten und Schwuppen, während fortwährend große Tabletts mit Xuxu herumgereicht werden, einem Teufelszeug aus Erdbeer und Vodka, von dem bekannt ist, dass es rauf ebensogut schmeckt wie runter. Ich schaffe es erfolgreich, mir das Zeug vom Leib zu halten und komme mit einem einzigen Shooter davon, während Claudia ohnehin nur Kaffee trinkt, weil sie noch fahren muss.

Auf dem Höhepunkt der Stimmung, als die zukünftige Braut sich in ihrem slutty Pirate Outfit auf die Bar setzt, während der Typ neben ihr nur gequält in die andere Richtung sieht, öffnet sich die Tür und eine zweite, überwiegend blonde, Bachelorette Party schneit herein.

Der Erste, den die Mädchen wahrnehme ist eine von den Jungschwuppen, die mit nacktem Oberkörper tanzt und alles tut, um ihren Waschbrettbauch zur Geltung zu bringen. Die Mädchen sind begeistert und die Braut, die eine pinkfarbene Perücke trägt, winkt den Rest ihrer Braut Zwerge hinein.

Inzwischen ist es brechend voll im Birdy und tanzen kann man nur noch, indem man im Stehen mit den Hüften wackelt, oder wie die russischen Mädchen auf Stühlen und Tischen tanzt.

In dem Moment, als Ruslana mich fragt: "Titten lecken?", weiß ich, dass es Zeit ist, zu gehen. Mit einem lässigen "Später vielleicht, Baby.", vertröste ich sie und bin für einen Moment ganz hingerissen von meiner eigenen Charakterstärke.

Während ich die Mäntel hole, kümmert Claudie sich um die Barrechnung und kurz darauf fahren wir schon weiter durch das nächtliche Kiel. Wir sind uns einig, dass es bis jetzt ein ziemlich gelungener Geburtstag ist.

Wir fahren zu Krauses Gastspiel in die Holtenauer, einer wunderbaren, kleinen Bar direkt neben dem Schauspielhaus, die außerdem für ihre gute Küche bekannt ist. Die ruhige Atmosphäre bei Krause mit leiser Barmusik und sanftem Kerzenschein ist genau das Richige nach dem Hexenkessel im Birdy. Ich trinke noch ein letztes Glas Wein, bevor es Zeit wird, nachhause zu fahren. Als Claudia mich vor meiner Haustür absetzt, bin ich ziemlich erledigt und freue mich auf mein Bett. Welch ein Abend...


Fazit: Ich habe schon an einigen Geburtstagsfeiern zum 70. teilgenommen, aber irgendwie habe ich diese Gerontenpartys ganz anders in Erinnerung, wenn Schwiegereltern, Omis und Patentanten zum Kuchenbuffet geladen hatten. So eine wilde Party, wie zu Claudies Siebzigstem, erlebt man auf vielen Dreißiger Parties nicht. Danke, Claudie, das war eine tolle Party. Mal sehen, was geschieht, wenn wir in ein paar Wochen meinen Fünfzigsten feiern...



Montag, 13. Dezember 2010

Die Adventsparty

Svenja in Strumpfhosen und Minikleid
„Stil und Blamage trennt oft nur eine hauchdünne Linie.“, sinniert Claudia halblaut vor sich hin und rührt weiter gedanken­verloren in ihrem Kaffee.

„Wie meinst du das?“, frage ich misstrauisch. Wir sitzen zusammen mit Volker und Pieps im Birdcage und feiern in den 3. Advent hinein.

„Nichts. Nur so.“, erwidert Claudia abwesend und rührt weiter in ihrem blöden Kaffee, während ich mir ein weiteres Glas Sekt­sangria aus dem total praktischen Liter­krug nachschenke. 


„Ich dachte schon, du hast wieder irgendwas zu meckern, aber dann ist ja gut.“ 

„Nein, nein, alles in Ordnung.“ Kurze Pause. Und dann: „Hübsches Kleid, aber ziemlich kurz, oder?“

Darum gehts also wieder. Dann kann ich mich ja schon mal auf die komplette Leier gefasst machen:  Blah, blah, Kleid zu kurz, blah, machst dich zum Löffel, Blamage, peinlich, blah. Aber Claudia schweigt.

Ich fühle mich trotzdem angegriffen: „Na hörmal.“, erwidere ich eine Spur zu laut. „Das Kleid besteht mühelos den Bauchnabeltest und eventuell sogar fast den Pobackentest. Wie könnte das also zu kurz sein?“ „Welches Kleid?“, erwidert Claudia trocken. „Ich seh überhaupt kein Kleid. Nur einen schwarzen Pulli.“

So eine Frechheit. Sind eure vermeintlichen Freunde auch so überkritisch und haben ewig was an euch rumzumeckern? Mecker ich vielleicht an Claudia rum, weil sie dieses rote Maxikleid angezogen hat, das fast bis zum Knie geht? Sage ich vielleicht, dass ich dauernd Angst hätte, beim Tanzen da draufzutreten? Nein, sage ich nicht, denn ich bin höflich. Auch wenn der Fummel von der Länge her an ein Hochzeitskleid erinnert. Aber das sage ich ihr natürlich nicht, weil ich eine gute Freundin bin und weil ich eine total gute Erziehung genossen habe.

Zum Glück legt Michael, der Wirt vom Birdcage, in diesem Moment Amy Whinehouse auf und wie auf ein geheimes Zeichen stürzen Claudia und ich zu den ersten Takten von „Valerie“ auf die Tanzfläche. „Pass bloß auf, dass du nicht auf dein Kleid trittst.“, gebe ich Claudia noch fürsorglich einen guten Rat. Ich meine es nämlich gut mit meinen Freunden.

In der Zwischenzeit versucht Volker, den Europarekord im Trinken von alkoholfreiem Weizenbier zu brechen und Pieps frisst sich hemmungslos durch das komplette Bar Food auf dem Tresen.

Nach dem Tanzen bestelle ich einen weiteren Krug Sektsangria. Das ist nicht nur mein Geheimtipp im Birdy, sondern auch die einzige Form, in der ich Obst esse. Da ist Sekt drin, Fanta, weißer Rum, Vodka, Cognac und Früchte. Außerdem löscht die Sangria super den Durst nach dem Tanzen. Man sollte nur darauf achten, genügend Aspirin im Haus zu haben.

Svenja und Claudia im BirdcageAls Claudia und ich später die Eiswürfel in unseren Gläsern klingen lassen, denke ich daran, dass dies die erste lange Partynacht seit meinem unerhörten Auftritt im Krankenhaus ist. Der hat doch viel mehr Energie gekostet, als ich gedacht habe. Und ich muss daran denken, dass nur Claudia im Krankenhaus für mich dagewesen ist und wie sie mich rund um die Uhr versorgt hat und sich irgendwann endgültig geweigert hat, mein Krankenzimmer zu verlassen und einfach nicht mehr nachhause gegangen ist. „Puh, das war eine schwere Zeit. Claudie, das werde ich dir niemals vergessen. Du warst mein Schutzengel im Krankenhaus und die Einzige, die zwischen mir und der weißen Wolke stand. Danke, mein Engel.“

Fazit: Als Pieps und ich gegen halb vier Uhr morgens endlich nach Hause stöckeln, bin ich ziemlich erledigt, aber sehr, sehr glücklich. Ich hatte doch solche Angst vor der Adventszeit und jetzt ist es das wunderbarste Advents­wochenende seit ewigen Zeiten geworden. Ich bin glücklich.

PS:
Wenn ihr wissen möchtet, wie der Abend aus der Sicht von Pieps, der kleinen Maus, ausgesehen hat, dann könnt ihr das im Blog des kleinen süßen Fellkneuls nachlesen. Ich freu mich drauf.

PPS: Wer ist Pieps? Das ist die kleine Stoffmaus, die mich schon auf meiner Motorradreise nach Frankreich begleitet hat, und die ich so sehr in mein Herz geschlossen habe, dass sie als Einzige auch in meinem Bett schlafen darf.

Dienstag, 9. Februar 2010

Die erste Abmahnung

Svenja und ein Glas Blanchet
„...wenden sich mit ihrer Veröffentlichung an einen Personenkreis, der durch eine besondere sexuelle Orientierung gekennzeichnet ist.“ Wie bitte?

Ich versteh nur Bahnhof, aber es wird sogar noch besser: „Eine derartige Rubrizierung stößt die Mehrheit der Besucher ab und veranlasst potenzielle Gäste, den Betrieb meines Mandanten gar nicht erst aufzusuchen.“


Moment mal, das muss ich von Anfang an lesen. Es geht ja gar nicht um meinen Blog Svenja-and-the-City, sondern um meinen Kieler Fremdenführer für Transgender.

In meinem Kieler Stadtführer beantworte ich die Frage, wo kann T-girl hingehen, auch wenn das Passing noch lückenhaft ist? Unter anderem empfehle ich Bars und Kneipen, die ich selbst getestet habe und die ich für besonders tolerant und weltoffen halte. Natürlich nenne ich auch die einschlägigen Szenelokale, wie das Birdcage, erwähne aber ausdrücklich, dass die Kneipe, um die es hier geht, eben kein solches Szenelokal ist, man dort als T-Girl aber dennoch gut aufgehoben ist.

Die Empfehlung dieser speziellen Kneipe steht allerdings schon seit Monaten auf meiner Streichliste, weil das Publikum im vergangenen Jahr ständig prolliger wurde, solange bis ich einmal in eine ziemlich heikle Situation geraten bin. Passing hin, oder her, wenn betrunkene Ausländer merken, dass in ihrer Kneipe Schwuchteln* tanzen, dann wird es gefährlich und so war es auch.

Inzwischen habe ich meinen Kieler Fremdenführer komplett vom Netz genommen, solange bis ich irgendwann Zeit finde, ihn ganz neu zu gestalten. Einige Tipps waren ohnehin veraltet und ich habe auch ein wenig das Sendungsbewußtsein verloren.

Fazit: Niemals habe ich daran gedacht, dass eine Bar, ein Restaurant, oder ein Theater vielleicht gar nicht von mir als besonders tolerant, nett und weltoffen empfohlen werden möchten. Machen wir uns nichts vor, was sollen denn die zahlenden Gäste denken, wenn dort Typen wie ich abhängen...?!

Svenja ist sauer“ border=

*Schwuchteln: Eine Bezeichnung bildungsferner Schichten für jede Erscheinungsform von Transgendern, Homosexuellen und sonstwie verdächtigen Personen. Sehr beliebt ist auch der quer über die Straße gegröhlte Ruf: "Ey, Schwuchtel!"

Sonntag, 6. Dezember 2009

Frauen-Lesben-Transgender Party

"Seid ihr nun verkleidet, oder nicht?", fragt die Frau an der Kasse, als Claudia und ich fröhlich gackernd in die Hansa48 kommen. Wir sind beide sprachlos und sehen uns verblüfft an. Was sollen wir jetzt nur antworten? Bevor wir uns noch von unserer Verblüffung erholt haben, lacht das Girl uns strahlend an und sagt: "Ey, das war Spaß, ich hab euch nur ein bisschen verarscht. Na klar kommt ihr in euren Kostümen billiger rein."

Ich mache mir innerlich einen Merker: "Frag niemals ein transsexuelle Frau, ob sie verkleidet ist. Das führt nur zu ganz fiesen Missverständnissen.“ Wir sind erleichtert und stöckeln direkt an die Bar: „Zwei Pinot Grigio, bitte!“, sage ich meinen üblichen Spruch auf. Mit dem ersten Schluck weiß ich wieder, weshalb ich hier noch nie betrunken war. Der Wein ist nicht so der Hit, aber er ist kalt und wirklich großzügig eingeschenkt. „Eben kein Blanchet.“, denke ich.

Claudia macht sich in der Zwischenzeit über einen der beiden großen Käseigel her, während eine sympathische junge Frau mir eine Schale Knabberkram hinhält. „Greif ruhig zu.“, lacht sie mich frech an, aber ich bin vorsichtig und nehme bloß zwei Salzstangen.

Es ist noch früh und die Kneipe erst halb voll. Hinten vor der Bühne wird schon fleißig getanzt zur Musik von Uriah Heep und anderen Stars der 70er Jahre. Die Musik ist klasse ausgesucht und ich komme lange nicht von der Tanzfläche herunter. Nicht einmal die Hälfte der Frauen ist verkleidet, aber dafür haben sich einige wenige richtig Mühe gegeben und zeigen ein paar tolle 70er Jahre Outfits, sogar komplett mit ultrahohen Plateaustiefeln.

Bei der Preisverleihung für das beste Kostüm kommt noch einmal richtig Stimmung auf. Alle sind gespannt und wollen endlich wissen, welches Kostüm heute abend das beste ist. Das Salzstangengirl und ihre Freundinnen haben tatsächlich für mich gestimmt, aber ich lande trotzdem nur auf den hinteren Plätzen. Kein Wunder, wenn man sich um ein volles Jahrzehnt vertut und in einem astreinen 80er Jahre Outfit zu einer 70er Jahre Party erscheint…

Svenja geht zur Frauen Lesben Transgender Disco

Donnerstag, 24. September 2009

Das Birdcage - Heimatplanet Kieler Transgender

Svenja im BirdcageHeute nacht ist Birdynacht. Nach zwei langen Monaten "Wegen Renovierung geschlossen" findet heute endlich die große Eröffnungsparty Birdcage 2.0 statt und natürlich sind Claudia und ich dabei.

Das Birdcage ist nicht nur DIE Szene-Bar in Kiel für Lesben, Transgender und Schwule, sondern auch Heimatplanet vieler T-Girls in Kiel und Schleswig-Holstein. Von hier aus starten wir unsere Ausflüge in die Nacht. Wir feiern gemeinsam mit Lesben und Schwulen, mit Pärchen, Heten und BioFrauen, oder einfach mit netten Leuten, die die Nacht hereingespült hat.

Ihr dürft euch das Birdcage auf keinen Fall so vorstellen, wie die berüchtigte Blue Oyster Bar aus dem Film Police Academy. Seht euch unbedingt den Filmclip an (ab 1:00 min lach ich mich schlapp). So wie im Blue Oyster ist es dort eben nicht:


- man wird nicht begrabscht (außer man legt wirklich richtig Wert darauf)
- man wird auch nicht verkloppt, bloß weil man nicht ebenfalls schwul, lesbisch, trans, oder sonstwie queer ist
- und einen Darkroom gibt es dort schon gar nicht und auch keine Ledertypen, obwohl auch das sicher ok wäre.

Habe ich irgendein Vorurteil gegen Schwule vergessen?
Das Birdy ist einfach eine nette queere Bar, in der jeder willkommen ist, der sich halbwegs normal benehmen kann. (nur ich darf trotzdem rein :-)



Michael, der BirdyWirt, ist total nett und außerdem einer der besten Barmixer, die ich kenne. Das Birdy ist nämlich eine richtig gute, kleine Cocktailbar und die Drinks dort sind ihr Geld Wert und enthalten tatsächlich richtig Alkohol. Außerdem gibt es Kölsch vom Fass, hausgemachte Frikadellen und ein erstklassiges House Chilly, günstig, scharf und riesengroß. Meine einzige Kritik: Zum Tanzen ist das Birdy zu klein und schon deshalb kriegen wir die Blue Oyster Bar dort nicht nachgespielt.

Eröffnung im Birdcage KielClaudia, beste Freundin und T-Girl wie ich, holt mich um kurz vor neun zuhause ab. Wir haben uns beide ziemlich aufgerüscht, obwohl wir uns das im Birdcage wirklich sparen könnten. Jede neue Frisur, jeder Lidstrich und jedes neue Minikleid, heißt im Birdy Pumps vor die Säue zu werfen. Wir sind einfach nicht die Zielgruppe. Trotzdem führe ich meine neuen lila Pumps im slutty MaryJane Style aus. Zu dem schwarzen Minikleid sehen sie toll aus. Schwarz und lila passen super zusammen.

Wir ergattern einen Parkplatz direkt vor der Tür und unter großem Hallo und mit vielen Über-Die-Schulter-Spuck Küsschen ergattern wir uns einen winzigen Stehplatz in zweiter Reihe an der Bar.
Birdcage Kiel RathausstraßeIch bin begeistert vom neuen Birdcage 2.0. Die Bar hat mindestens ein Jahrzehnt Muff abgeworfen und sieht jetzt moderner und viel edler aus. Die Bauausführung wurde übrigens von einer Transsexuellen geleitet, die ehemals ein Bauarbeiter war. "Toller Job, Tina!"

Michael spendiert uns einen Prosecco und wir finden sogar unseren Blanchet wieder auf der Karte. Puh, muß ich gebettelt haben hartnäckig gewesen sein, damit Micha als Weinkenner den Blanchet auf die Karte genommen hat, aber er ist nunmal das Getränk vieler T-Girls und vor allem meins :-)

Irgendwann gegen Morgen ist der Blanchet alle und es ist Zeit nach Hause zu stöckeln. Meine neuen Pumps bieten plötzlich nicht mehr genügend Halt. Schwimmender Estrich im Birdy? Zum Glück schaffe ich das kleine Stück zu meiner Wohnung auch jetzt noch zu Fuß und hoffe nur, dass mir jetzt nichts von dem Diskothekenvolk aus der Bergstraße entgegenwankt.

Warum schwule lesbische queere BarFazit: Das Birdcage ist DER Ausgehtipp für alle Transgender in Kiel und in Schleswig-Holstein. Nach seiner Renovierung ist es sogar noch besser geworden.

Selbst wenn euer Bartschatten noch fett durchs MakeUp scheint und ihr bei der Klamottenwahl gerne mal so richtig daneben greift, im Birdy ist das ok. Hier könnt ihr ohne jede Bedenken hingehen und an den meisten Abenden werdet ihr dort auch andere T-Girls in verschiedenen Phasen ihrer Verwandlung treffen.
Häufig gehen wir nach dem Treffen unserer Transgender Selbsthilfegruppe noch alle gemeinsam auf ein Glas Wein ins Birdy.

PS: Bitte entschuldigt meine Euphorie. Ich krieg im Birdy nichts billiger und bin auch nicht am Umsatz beteiligt, aber ich liebe den Laden. Es war die erste Bar, in die ich mich in weiblicher Kleidung getraut habe und ich hab mich dort sofort wohlgefühlt. Aber das ist Stoff für eine andere Geschichte ...


Svenja

Freitag, 24. April 2009

After Work Kiel - Non Solo Pane

After Work Non Solo Pane KielEs ist Donnertag abend und ich sitze allein zuhause. "Mensch, ist mir langweilig", denke ich, als mir plötzlich das graue Minikleid ins Auge fällt, mit dem ich gestern im Theater war. Im Non Solo Pane ist heute After Work. Da könnte ich doch ...

Zwanzig Minuten später bin ich schon unterwegs ins Non Solo Pane in der Holtenauer Straße. "Glück muß man haben", denke ich, als ich meinen kleinen schwarzen Seat in die letzte freie Parklücke direkt vor der Bar zirkele. Vor mir ein BMW Cabrio, hinter mir ein SLK. Beide Wagen schwarz, beide Wagen typisch Non Solo Pane.

Es ist kurz nach 21 Uhr und der Laden ist jetzt noch ziemlich leer. Eine Traube von Leuten steht um eine provisorischen Bar direkt auf dem Bürgersteig, wo ein charmanter junger Barmann Prosecco, Wein und Bier ausschenkt. Die Idee finde ich prima. Ich hole mir drinnen einen Becher Kaffee und stelle mich nach draußen zu den übrigen After Workern. Ich kriege sogar einen netten Typen dazu, noch schnell ein Foto von mir zu machen.

Doch irgendwie schaffe ich es heute nicht, mit irgend jemandem ins Gespräch zu kommen. Obwohl ich wirklich viel in Kiel unterwegs bin, sehe ich nicht ein einziges bekanntes Gesicht.

Das Publikum im Non Solo Pane ist eine Mischung aus Yuppies und Wannabes. Letztere besitzen nicht mal den allerkleinsten SLK, während erstere verzweifelt auf der Suche nach einem Parkplatz in Sichtweite ihres Publikums sind. Ich entdecke mindestens zwei Patrick Batemans und sogar einen täuschend echten Paul Allen.

Gegen 22 Uhr wird es langsam voller im Non Solo Pane. Die Tanzfläche ist geradezu einladend leer, aber ich bin nicht mehr in Stimmung zu tanzen und mache mich wieder auf den Heimweg. Ich muß morgen nämlich tatsächlich arbeiten.

Als Transgender könnt ihr dort übrigens bedenkenlos hingehen. Die Gäste verhalten sich politisch korrekt und werden euch ganz sicher nicht dumm ansprechen. Vermutlich werden sie euch nicht einmal bemerken, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.

Fazit: Das Non Solo Pane ist ein nobler, wirklich gut geführter Laden und dabei sogar überraschend preiswert. Es gibt eine Vielzahl einladender Steh- und Sitzplätze drinnen wie draußen. Die After Work fängt rechtzeitig an, ist perfekt durchgestylt und bietet als kleines Highlight sogar eine Außenbar. Doch für meinen Geschmack sind hier zu viele Schlipsträger und Versicherungsbanker à la Patrick Bateman. Da fühle ich mich nicht wohl.

In der nächsten Woche stelle ich euch das Hanging Garden vor, dann erlebt ihr einmal den krassen Gegenpol zum Non Solo Pane :-)

Dienstag, 21. April 2009

Dancing the Shice away

Diana und Svenja im Chaplins"Ok, meinetwegen. Ihr könnt bei mir schlafen. Aber wenn ich morgen früh nach Hause komme, dann fang ich an zu kochen und wir gucken noch einen Gruselfilm!" Diana und Claudia sind sofort einverstanden. Noch ahnen die beiden nicht, dass ich Fischstäbchen und Splatterfilme im Sinn habe.

Als wir losgehen, bewundert Diana mein Outfit mit lobenden Worten: "Wow, Svenja! Du siehst aus wie eine totale Schlampe." Ich überlege spontan, Diana zu adoptieren, denn unter T-Girls auf dem Weg zu einer Party ist Schlampenoutfit das größte Lob.

Wir stöckeln zuerst ins Chaplin's, einer kleinen, gemütlichen Cocktailbar in der Kieler Waisenhofstraße. Heute abend spielt hier Jake Adams, ein guter Freund und toller Entertainer. Als wir zu dritt voller Party-Power ins Chaplins vibrieren, treffe ich dort eine Bekannte mit ihrer Freundin, die beide auch total gut drauf sind.

Diana und ich im Chaplin's


Jake Adams und Svenja-and-the-CitySpätestens als Jake für mich Brown Eyed Girl spielt, habe ich den ganzen Shice des Alltags vergessen und tanze so fröhlich und ausgelassen wie immer. Nur meine Füße meckern ein bisschen über die 10cm Absätze meiner neuen ESPRIT Stiefel (eBay: 13,85€).

"Ok, ihr beiden, Deal: Ihr lasst mich jetzt nicht im Stich und dafür gibts später die goldenen Ballerinas von Buffalo. Die mögt ihr doch, oder?" "Deal!"


Kurze Zeit später sind wir schon wieder unterwegs und stöckeln das kleine Stück rüber ins After Dark zum Tiffy Club. Das Tiffy ist ein super Party Event für Transgender, Lesben und Schwule in Kiel.

Die üblichen Discos, wie die in der Bergstraße, oder die Mausefalle im CAP sind für Transgender Girls eher ungeeignet. Der übliche Mix aus Alkohol, Dummheit und Multikulti kann einem sehr schnell den Abend verderben.
Und außerdem hab ich auf queerportal.de zwei Freikarten fürs Tiffy gewonnen, yeah!


Diana Svenja Claudia Tiffy Club Svenja-and-the-CityIm After Dark ist um diese Zeit schon mega Stimmung und die Nebelmaschine läuft auf 110%. Für jeden Gast gibt es Free Shooters und am Eingang eine weibliche Security. Ich entdecke spontan mein Herz für Türsteher. Jedenfalls für solche, die Melanie heißen und dabei auch noch sexy aussehen.
links: Diana, Svenja, Claudia

Für die Musik sorgt DJ-Digger. Er ist zwar mein Lieblings-DJ, aber heute meint er es etwas zu gut mit uns. Die Bässe lassen mir die Strumpfhosen auf der Haut vibrieren. Ich habe vorgesorgt und aus der Aphothke drei Portionen Ohropax für uns geholt. Als Marco das sieht, ist er völlig verständnislos und lässt sofort die Lautstärke nachmessen: "126db, alles in Ordnung. Das ist nicht zu laut." Vermutlich sind wir es, die durch die Hormone so zickig gewordens sind. Als ich aber später in einem Anfall von Wahnsinn das Ohropax rausziehe, hat mein Trommelfell seine erste NahTod-Erfahrung.

Fünf Minuten später sind wir schon unterwegs ins Birdcage in der Rathausstraße. Das Birdy ist die Szenebar für Transgender in Kiel. Hier trifft man Lesben, Transgender und Schwule, aber auch ganz normale Heten, die entweder die Nacht nichtsahnend hereingespült hat, oder die einfach mal gucken wollen, wie "so eine" Bar von innen aussieht.

Svenja-and-the-City als Undercover School GirlTatsächlich kommen wenig später zwei Neugierige ins Birdy, Olga und Björn. Björn ist 25 Jahre alt und schon heftig angesoffen. Während Björn noch beteuert, auf keinen Fall schwul zu sein und nur mal gucken zu wollen, brennt er Claudia ein dickes Loch in ihre 40€ Wolford Strumpfhose. Ich ahne schon, was jetzt kommt und entschließe mich spontan, solange Olga die Zeit zu vertreiben, denn Björn ist erstmal beschäftigt.

Olga ist ungefähr genauso alt wie die weißen Buffalo Clogs aus Lackleder, die noch irgendwo ganz hinten in meinem Kleiderschrank stehen müssen und auch ungefähr genauso süß. Für ein so junges Mädchen hat sie bereits einige ganz erstaunliche Ansichten über das Leben und ich höre ihr geduldig zu.

Als Michael, bester Barkeeper von allen, uns gegen halb fünf mit seinem berühmten Chili versorgt, habe ich den Verdacht, er will nur den Getränkeumsatz ankurbeln. Michas Chili ist wirklich lecker, dabei aber so scharf, dass es ganz sicher auch Löcher in Strumpfhosen brennen kann. Wir löschen unseren Durst ausgerechnet mit ein paar Gläsern kaltem Chardonay. Tolle Idee. Ich ahne schon, wie der Abend enden wird.
Tiffy Club - Rechts: ich, Links: keine Ahnung

Um kurz nach sechs brechen wir endlich auf und stöckeln leicht angeschickert das kleine Stück vom Birdy in meine Wohung. Nur das Chili bewahrt Diana und Claudia in dieser Nacht vor dem Duft von gebratenen Fischstäbchen. Als Ersatz gibt es eine kleine Platte mit Oliven, Salami und Käse. Dazu mache ich uns einen Vampirfilm an, dem ich aber nicht mehr ganz folgen kann. Als wir endlich einschlafen, ist es schon 8 Uhr morgens und das Gebrüll der Vögel ist unerträglich.

Fazit:
Eine ganz normale T-Girl Partynacht mit dem einen Zweck: "Dancing the Shice away."
Getanzt an verschiedenen Orten: zwei
Freundschaft mit jungen Kasachinnen geknüpft: eine
Strumpfhosen: minus eins
Freie Drinks bekommen: neun
Aspirin genommen: vier
Als alter Mann beschimpft worden: zweimal :-(

Donnerstag, 9. April 2009

Die Bachelorette Party

"Ok, aber wirklich nur noch einen letzten Absacker", sage ich zu Claudia auf dem Rückweg vom Nightfever. "Und der Laden muß schön dunkel sein, weil mein MakeUp langsam den Geist aufgibt." Was nebenbei bemerkt auch kein Wunder ist um halb vier Uhr morgens.

Alle meine Stammläden in Kiel haben um diese Zeit längst zu. Alle meine Läden? Nein. Claudia kennt da noch eine kleine Bar am Fähranleger, wo es auch jetzt noch gute Musik und einen letzten Drink gibt.

Der Blaue Engel liegt am Kieler Hauptbahnhof direkt neben der Klappbrücke nach Gaarden und in Sichtweite des CAP. Keine besonders gute Gegend, um dort nachts im Minikleid mit High Heels umherzustöckeln. (siehe meinen Beitrag: NoGo Areas in Kiel)

Claudia stellt den kleinen Twingo gegenüber am Bahnhof ab und wir stöckeln das kleine Stück über die Bahngleise zum Blauen Engel. Ausgerechnet jetzt kommen ein paar junge Ausländer vom Ostufer über die Klappbrücke. "Oh, Mann. Warum ziehen sie das Ding nachts nicht einfach hoch?!" Die Jungs beachten uns jedoch gar nicht und steuern zielstrebig auf das CAP zu.

Als ich die Tür zum Blauen Engel aufmache, bin ich total überrascht. Es ist kurz vor 4 Uhr morgens und hier ist noch die Hölle los. Auf der kleinen Tanzfläche neben der Bar drängelt sich ein Dutzend junger Frauen, die lachen, tanzen und feiern was das Zeug hält. Ich komme gar nicht bis zum Tresen, sondern muß sofort mittanzen.

Außer zwei jungen Typen sind wir nur Frauen. Ich bin begeistert und bleibe gleich auf der Tanzfläche. Erst als mir eines der Girls einen breiten goldenen Gürtel verkaufen will, Modell Hauptschule, Hüfthose, Arschgeweih (der Gürtel, nicht die Frau!), merke ich, dass ich mitten in einer Junggesellinnen Abschiedsparty stecke.

Yeah! Eine echte Bachelorette Party. Die wollte ich doch schon immer mal miterleben! Ich erfahre, dass die Verkäuferin Britta heißt und der Gürtel nur 3 € kosten soll. Natürlich kaufe ich ihn sofort. Vielleicht ziehe ich eines Tages ja tatsächlich mal eine Hose an. Dann kann ich so einen Gürtel bestimmt gut gebrauchen. Und die Idee mit dem Tribal am Dubs geht mir auch schon seit längerem nicht aus dem Kopf. Aber das ist Stoff für eine völlig andere Geschichte ...

Leider ist der Vorsprung der Girls im Trinken und Feiern uneinholbar. Unterhalten kann man sich mit ihnen längst nicht mehr. Stattdessen tanze ich ein wenig mit der Braut und überlege, ob ich ihr die Hochzeit noch ausreden kann. Aber sie ist so glücklich, dass ich ihr kein Wasser in den Wein schütten möchte und verzichte auf jeden Versuch.

Ich würde euch gerne noch das abschließende Gruppenfoto zeigen, aber ich glaube, das gehört sich nicht. Trotzdem: tolles Foto. Stattdessen präsentiere ich euch eine leicht übermüdete Svenja an der Bar. Übrigens: So blau wie auf dem Foto war ich in Wirklichkeit nicht :-)
 
Fazit: Jungesellinnen Abschiedsparty? Jederzeit wieder. Der Blaue Engel ist für Transgender Girls sonst nicht unbedingt die erste Adresse. Die Gegend ist nachts einfach nicht so toll und parken kann man da auch nicht. Am besten lässt man sich dort mit dem Taxi absetzen und auch wieder abholen. Dann ist der Platz ok. Das Publikum ist überwiegend studentisch tolerant und die Problemfälle hängen wohl eher im CAP herum.

Montag, 6. April 2009

Täuschungsmanöver - Die Show

"Nein, nein, und nochmals Nein! Ich geh' never zu so einer Travestieshow. Da rennen dann fette Kerle in Tutu und Strumpfhosen über die Bühne und alle lachen. Danach wissen nicht nur BILD-Zeitungsleser über Transsexuelle ganz genau Bescheid. Na toll."

So, oder so ähnlich hatte ich bisher jede Einladung zu einer Travestieshow ausgeschlagen. Doch irgendwie bin ich weich geworden und jetzt sitze ich auf dem Beifahrersitz von Claudias Twingo und bin unterwegs nach Schönberg. "Oh, Mann. Ausgerechnet Schönberg, ausgerechnet Bahnhofshotel. Wahrscheinlich werde ich im Publikum die Einzige sein, die nicht im Landfrauenverein ist. Ich hab ja nicht mal Gummistiefel an."

Svenja and the CityVoll aufgestrapst steige ich bei strahlendem Sonnenschein in Schönberg aus dem Auto. Ich hab mich für den Abend in ein schlichtes Standardoutfit gezwängt: kleines Schwarzes, Fishnets, Pumps, fertig! Ach ja, die pinkfarbene Federboa nicht zu vergessen. Komisch, bei Tageslicht komm ich mir damit ein kleines bisschen blöd vor, wie ich so ins Restaurant stöckele.

Vor dem Beginn der Show verdrücken Claudia und ich noch jede einen großen Käptns-Teller. Meine Federboa fusselt wie verrückt und überall um mich rum schweben kleine pinke Federn durch den Saal. Ein älterer Herr am Nebentisch schaut fasziniert zu uns herüber und Claudia will ihm eine pinke Feder ans Revers stecken. Leider ist seine Gattin weniger amüsiert und deshalb bleibt es beim Versuch.

Eine Stunde vor Beginn der Vorstellung wird der große Rittersaal geöffnet und durch rücksichtsloses Stöckeln sichern wir uns die vier besten Plätze direkt an der Bühne. Wir sind verabredet mit Annika und Martina, die sich gemeinsam mit uns die Show ansehen wollen.

Der Saal ist komplett mit Tischen eingedeckt und wir werden am Platz bedient. Von Schnitzel Pommes bis Cola ist hier alles zu haben. Als ich den Wein bestelle, merke ich, daß wir auf dem Land sind: die kleinste Einheit auf der Karte ist die Literflasche Weißwein mit Schraubverschluß. Ich bin begeistert!

Die Show beginnt pünktlich und zieht mich von der ersten Sekunde an in ihren Bann. So eine Wahnsinns Show, so ein Niveau und soviel Spaß hätte ich im Leben nicht erwartet. Zweimal kann ich mich nur mit Mühe beherrschen, aufzuspringen und mitzutanzen. Von wegen fette Kerle im Tutu, hah! Wer redet nur so einen Quatsch?

Wir sehen die bekannten Gesichter aus dem Hamburger Pulverfaß und werden von Daphne DeLuxe persönlich durchs Programm geführt. Übrigens ist Daphne die einzige Transsexuelle der Showtruppe. Die übrigen Künstler leben ihren Alltag ganz gewöhnlich als Männer.

Svenja and the CityIn der Pause mischen sich die Künstler unters Publikum. Sie lassen sich fotografieren und beantworten geduldig alle Fragen. Zweimal werde auch ich interviewt und fotografiert. Meinen Einwand, dass ich gar nicht dazugehöre, kann ich mir sparen. Ich trage Frauenkleider und Federboa, deshalb gehöre ich dazu. Die Leute in Schönberg sind ausgesprochen offen und freundlich. Von wegen Landfrauen in Gummistiefeln. Die machen noch meine ganzen Vorurteile kaputt :-(

In der Pause wird mir klar, dass das Frau-Sein auch Nachteile mit sich bringt. Die Schlange vorm Waschraum reicht fast bis in die Gaststube. Puh, das kann dauern. Wie gut, dass ich meine männliche Ausdauer behalten habe und leicht eine Pause aussetzen kann. Einen Wimpernschlag lang überlege ich, mich wie früher bei den Jungs ans Becken zu stellen, verzichte dann aber darauf. Obwohl das sicher ein originelles Fotomotiv geworden wäre.

Nach der Pause geht die Show mit atemberaubender Geschwindigkeit weiter. Keine Sekunde lang kommt Langeweile auf. Da gibt es eine unglaublich gute Pret a Porter Nummer, in der aus simplen Tüchern die unglaublichsten Abendkleider kreiert werden. Dann gibt es einen mitreißenden Tempeltanz der kleinen Sutai aus Indonesien, die so unglaublich schön und anmutig ist, daß ich mich vom bloßen Zuschauen alt und fett fühle. Zweimal tritt Christina als Zarah Leander auf und singt live die bekannten Zarah Songs. Wow, welch eine Stimmähnlichkeit. Echt klasse. Dazu gibt es noch eine unglaublich druckvolle "Cher als Domina" Nummer, einen Prince fast echter als das Original und endlose StandUp Comedy von Daphne DeLuxe, die auch das Publikum nicht schont. Ein älteres Ehepaar am rechten Bühnenrand muß ganz schön einstecken, trägt es aber mit Begeisterung.

Paula Jackson Svenja and the CityDas Highlight der Show ist Paula Jacksons Lasershow. Sie ist eine gute Bekannte von Claudia und hat das Kostüm für die Nummer selbst gemacht. Der Saal wird komplett dunkel und aus dem Bühnennebel tritt Paula als futuristischer Kampfroboter hervor. Dazu spielt eine bedrohliche, sphärische Hintergrundmelodie untermalt von Roboter Kampfgeräuschen. Robot schaltet nach und nach immer mehr Laser ein, bis schließlich ein gigantischer Kampfroboter vor uns steht. Die Szene ist gespenstisch und bildet den unumstrittenen Höhepunkt der Show. Das Publikum im restlos ausverkauften Rittersaal tobt vor Begeisterung.

Nach dem Ende der Show fahren wir zurück nach Kiel und ich döse auf dem Beifahrersitz ein wenig vor mich hin. Als der Twingo hält und ich die Augen öffne, stehen wir genau vorm Nightfever in Wellingdorf. "Ich dachte, du willst selbst bestimmt auch noch ein bisschen tanzen?", flötet Claudia mit unschuldigem Augenaufschlag. "Ok, gute Idee. Aber die Federboas müssen mit rein." Und so drehen wir noch ein paar letzte Runden auf dem Dancefloor, bevor Claudia mich gegen zwei zuhause absetzt.

Fazit: Das Bahnhofshotel in Schönberg hat bereits eine kleine Historie erfolgreicher Travestieabende aufzuweisen. Die Shows sind oft lange im Voraus ausverkauft. Am 17. Oktober gibt es einen Wiederholungstermin von Täuschungsmanöver. Dann tritt die Gruppe um Paula Jackson erneut in Schönberg auf. Ein Teil der Karten ist schon jetzt verkauft. Mein Tipp: Unbedingt anschauen, es lohnt sich wirklich. Eintritt: 20 EUR.
Für T-Girls ist es eine tolle Gelegenheit, sich einmal unauffällig unters Volk zu mischen. Gerade dann, wenn euer Passing noch schlecht ist und ihr in der neuen Rolle noch nicht sicher seid, ist der Besuch einer Travestieshow die perfekte Gelegenheit, euch als Frau in der Öffenlichkeit auszuprobieren.
Auf jeden Fall werdet ihr viel Spaß haben. Das garantiere ich euch!

Freitag, 3. April 2009

Die Latina Minirock Party

El Submarino Kiel Latinabar MinirockpartyBallerinas: Aus. Minikleid und Strumpfhose anziehen, waschen, fönen, stylen, zupfen, cremen, tuschen, pudern, tupfen, sprühen, spiegeln, High Heels an und los...!

Dabei hatte der Abend so ruhig angefangen. "Heute bleib ich zuhause. Nein, ich geh nicht weg. Ich muß mich echt mal erholen." Claudia, eine Freundin von mir bringt Pizza mit und wir machen einen gemütlichen DVD Abend vorm PC.

Um kurz nach zehn plötzlich der Flash: Heute ist doch Latina Minirock Party im El Submarino in der Eichhofstraße und Girls im Mini haben die ganze Nacht freien Eintritt. Ich fahre jeden Morgen auf dem Weg zur Dienststelle an der kleinen Latina Bar vorbei, bin aber nie drin gewesen (in der Bar, nicht in der Dienststelle). Genug erholt, ich muß los.

Claudia ist sofort Feuer und Flamme und kommt mit, wenn ich ihr den kleinen schwarzen Mikromini ausleihe. Sie stöckelt zu sich nach Hause um sich zu stylen und holt mich eine knappe Stunde später mit ihrem Twingo zuhause ab.

Das Submarino ist eine kleine, schmale Bar direkt neben dem Kieler Max. Dabei ist sie viel größer, als es von außen den Anschein hat. Ich hatte gehört, dass im Submarino auch T-Girls aus Argentinien und Ecuador sein sollen und hoffe, eine der T-Latinas heute abend dort zu treffen.

Unser Outfit spart uns je 5 EUR Eintritt und voller Erwartung stöckeln wir zur Bar. Um diese Zeit um kurz vor Mitternacht ist es noch ziemlich leer. Nur ein paar Südamerikaner sehen uns finster an. "Schätzchen, wer macht dir denn die Augenbrauen?!"

Innerhalb der nächsten halben Stunde wird es immer unwahrscheinlicher, dass es jemals einen zweiten Abend für mich im Submarino geben wird. Der Weißwein ist absolut Grotte, obwohl die Flasche einen Schraubverschluß hat. Aber es ist die Musik, die mich völlig fertig macht: südamerikanische Popmusik auf Vinyl gescratcht von einem irrsinnigen Latino DJ. Das Highlight des Abends ist schließlich eine 20 köpfige Gruppe von Teenies, die auf der Tanzfläche darauf wartet, dass die Zwischentür zum Max geöffnet wird. Auf diese Art kommen sie elegant an der Max Einlaßkontrolle vorbei und sparen vermutlich noch den Eintritt.

Nightfever Kiel TanzlokalFünf Minuten später sitzen Claudia und ich schon wieder im Twingo und sind unterwegs zum Ostufer. Obwohl mitten in Kiels bester NoGo Area gelegen, haben wir das Nightfever zu unserer neuen Stammdisco gemacht. Der Laden ist einfach klasse.

Man kennt uns dort und wir werden von Sandra, dem Girl an der Garderobe freundlich begrüßt. Selbst der russische Türsteher knurrt ein bisschen weniger als sonst und hält uns sogar die Tür auf.

Im Nightfever ist heute Single Abend und die Gäste können sich kleine Zettelchen mit Flirtbotschaften schicken. Ich verzichte darauf, mir eines der rosa Herzchen anzustecken und bleibe heute abend lieber Single.

Es ist erst kurz nach Mitternacht und der Abend nimmt schon mächtig Fahrt auf. Der DJ ist so gut drauf, dass er uns immer wieder dazu animiert, die Hände ganz nach oben zu strecken und zu klatschen. Merkwürdig. Sogar die Frauen, die an der Tanzfläche sitzen, wollen, dass wir immer höher klatschen. Ist das irgend ein neuer Tanz?

Bis Claudia mich darauf aufmerksam macht, dass ich die Hände besser nicht über Schulterhöhe heben sollte. Mein Kleid ist eher mittellang und immer wenn ich die Arme hebe, steh ich im Freien.

Ok, Mr. DJ, den kleinen Ausrutscher mit Andreas Martin zwischendurch, den hätte ich dir noch verziehen, aber das hier gibt noch eine kleine Aussprache :-)

Harrys Bar KielGegen 4 Uhr wird es langsam leerer und wir fahren zurück in die City. Wo gibt es um diese Zeit noch einen letzten Wein?

Wir versuchen es in Harry's Bar in der Holtenauer Straße, doch schon beim Eintreten winkt der Barmann lässig ab:

"Wir schließen gleich."


"Nein, Baby. Nicht ohne dass ich noch ein Glas Wein getrunken habe. Außerdem ist es erst halb fünf."

Es ist schon halb sechs, Zeitumstellung. Aber ok, einen Drink."


Wie ich so an meinem letzten Glas Weißwein nippe, geht die Tür auf und eine Blondine kommt rein: Typ Geschäftsfrau, Ende 40, tolles Kleid, aber schon grenzwertig angesoffen. "Leberkleister!" bölkt sie den netten jungen Barmann an. Er versteht sie nicht gleich und fragt nach, was die Dame trinken möchte. "LEBERKLEISTER!" brüllt sie über den Tresen. "Und glauben Sie ja nicht, dass ich Ihnen auch noch Trinkgeld gebe!" Aber nein, wer könnte das annehmen?! Sie trinkt in schneller Folge drei Jägermeister, zahlt und verschwindet grußlos in die Nacht. Wow, gegen Morgen trifft man in den Bars wirklich die interessantesten Leute.

Irgendwann werden wir bei Harry's rausgeschmissen, weil Feierabend ist. Doch auf der anderen Straßenseite ist noch Licht. Dort ist das Café Non Solo Pane. Die haben heute ihren letzten Tag, denn der Laden macht dicht. Und so stöckeln wir noch kurz rüber ins Non Solo Pane. Leider kommen wir ein bisschen zu spät: die Leute sind alle schon reichlich derangiert, teilweise bis zum Verlust der Muttersprache. (Hier mein Bericht über das Non Solo Pane nach der Wiedereröffnung)

Als ich nach Hause komme, ist es längst hell und mir kommt eine meiner liebsten StudiVZ Gruppen in den Sinn: "Wenn ich morgens angetrunken nach Hause komme, fange ich an zu kochen."

Samstag, 28. März 2009

T-Girls und russische Türsteher

Svenja and the City NightfeverHeute abend will ich tanzen! In Kiel Wellingdorf soll es einen neuen Laden geben, das Nightfever. Und obwohl das Kieler Ostufer für mich als T-Girl sonst NoGo Area ist, will ich dort heute abend probetanzen.

Doch vor das Tanzvergnügen haben die Götter zwei russische Türsteher in schwarzen Ledermänteln gesetzt. Sie sehen uns ebenso mißtrauisch an, wie wir sie. Ich bin froh, dass ich Claudia überreden konnte mitzukommen, denn wir sind beide mindestens einen Kopf größer als die Jungs. Das kann aber auch ein bisschen an meinen neuen hohen Stiefeln von Deichmann liegen :-)

Doch mit einem freundlichen "Guten Abend" werden wir zur Garderobe durchgelassen. Hier lerne ich Sandra kennen, die süße Blonde, die Samstags die Garderobe macht. Sie erzählt mir, dass das Nightfever gerade erst neu eröffnet wurde und heute abend ein neues Musikkonzept ausprobiert wird. "Ein Stern der deinen Namen trägt" wird sich abwechseln mit Songs aus den aktuellen Charts. "Hah," denke ich: "endlich Amy Whinehouse statt Andreas Martin, yipppieh! Der Abend kann gut werden."

Als wir endlich drin sind, bin ich erstaunt über die neue Einrichtung. Viele Nischen mit roten Velourssesseln und kleinen runden Tischen. Dazu eine extra lange Bar und am Ende die Tanzfläche mit dem DJ. Das sieht schon mal sehr gut aus, aber hoffentlich kriegen die das mit der Musik auch richtig hin, denn einen weiteren Abend "Hölle, Hölle, Hölle" ertrag ich nicht.

Wir setzen uns an die Bar direkt neben der Tanzfläche. Falls sie Valerie spielen, will ich nicht einen einzigen Takt sitzend verpassen.
Das neue Musikkonzept im Nightfever erweist sich als die perfekte Mischung zum tanzen für jung und alt. Der DJ spielt abwechselnd vier bis fünf Songs von Roland Kaiser und seinen Mittätern und danach wieder Songs aus den aktuellen Charts. Die Idee ist ebenso einfach wie genial, denn alle kommen heute abend auf ihre Kosten. Während die Discofoxer selig über den Dancefloor schweben, sitze ich an der Bar und trinke mein alkoholfreies Bier. Weißwein wäre mir zwar lieber, aber Tanzen, Alkohol und HighHeels sind keine glückliche Mischung, wenn man sich nicht total zum Löffel machen will.

Svenja and the City TransgenderInzwischen hat natürlich der ganze Laden mitbekommen, dass zwei T-Girls anwesend sind. Ich mache mir ein bisschen Sorgen, denn ein großer Teil des Publikums sind junge Russen und ihre Girls, die den Wodka schneller trinken als ich mein Clausthaler. Es gibt aber absolut keinen Ärger an diesem Abend. Wir werden zwar voller Neugier, aber durchaus freundlich beäugt.

Als der DJ mit "I am what I am" die Hymne aller Andersartigen auflegt, sind Claudia und ich nicht mehr zu halten. Wir haben den Dancefloor fast für uns alleine und das Publikum im Nightfever rockt von den Plätzen aus richtig mit. Irgendwie scheint jeder zu begreifen, dass das "unser Song" ist.

Lange nach Mitternacht, als ich meine Füße schon kaum noch spüren kann, brechen Claudia und ich auf und machen uns auf den Weg zurück in die City. Dort geraten wir später noch in eine Junggesellinnen Abschiedsparty, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.


Fazit: Das Nightfever ist ein tolles Tanzlokal. Mit dem neuen Musikkonzept füllt es die Lücke zwischen Disco und Tanzpalast. Wenn die Türsteher es weiter so gut schaffen, den Laden von unangenehmen Typen freizuhalten, wird das Nightfever meine neue Stammdisco. Ein Geheimtipp für Transgender in Kiel ist es auf jeden Fall.

Nightfever Kiel
Schönbergerstrasse 22
24148 Kiel Wellingdorf
Tel.: 0431/6694520
geöffnet Freitag und Samstag ab 20 Uhr


Dienstag, 24. März 2009

Gary's Tanzpalast

"Wotka?", fragt mich Alexander, der junge Russe in den weißen Schuhen. "Njet", antworte ich zum dritten Mal. Alexander ist ein hartnäckiger Typ und gibt so schnell nicht auf, aber schließlich begreift er doch, dass ich keinen Wodka trinken will und verzieht sich mit freundlichem Grinsen an seinen Tisch.

Ich sitze voll aufgestrapst in Gary's Tanzpalast in der Rendsburger Landstraße und hoffe, dass endlich ein Song läuft, zu dem auch ich mich bewegen kann. Bis jetzt sind wir über "Hölle, Hölle, Hölle" und "Ein Stern der deinen Namen trägt" nicht hinausgekommen. Doch der deutsche Schlager und mein Tanzstil passen leider so gar nicht zusammen. Schließlich kommt doch noch Amy Whinehouse mit Valerie und während die ältere Generation fluchtartig den Dancefloor räumt, habe ich die Tanzfläche für mich allein.

Das Gary's ist wirklich ein sehr nettes Tanzlokal, aber es ist keine Disco. Der Tanzpalast ist gemütlich eingerichtet, hat ausnehmend freundliches Personal und betreibt außerdem die schlechteste Website, die ich jemals gesehen habe. Diese ist ein Highlight für sich und unbedingt einen Besuch wert.

An diesem Abend wird es mir im Tanzpalast schnell langweilig, denn schon bald werden nur noch deutsche Schlager gespielt. Während begeisterte Hausfrauen zur Musik von Andreas Martin über die Tanzfläche schweben, lasse ich mir meinen Mantel geben und fahre noch auf einen Wein ins Trafo.

Das es auch anders geht, erfahre ich später im Nightfever am Kieler Ostufer, wo Charts und Schlager abwechselnd gespielt werden. Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Tag.

Freitag, 20. März 2009

Svenja-and-the-City goes After Work

"Wann war eigentlich diese Konferenz, auf der alle Bars beschlossen haben, dass After Work Parties erst um kurz vor Mitternacht beginnen dürfen? Und warum immer Donnerstags?"

Dieser Frage will Svenja-and-the-City heute auf den Grund gehen. Als Studienobjekt habe ich mir das Kieler Trafo ausgesucht. Erstens weil ich da zu Fuß hinstöckeln kann und zweitens mag ich im Trafo total gerne tanzen. Ich überlege, was ich anziehen soll und entscheide mich schließlich für ein langes schwarzes Kleid und meine schlichten schwarzen Pumps. Schließlich kann man niemals overdressed sein.

Die After Work heißt im Trafo After Business Party und beginnt jeden Donnerstags um 21:02 Uhr. Zu dieser Zeit, renne ich sonst zuhause schon im Nachthemd durch die Gegend und zähle die Stunden, bis ich um 5:25 Uhr wieder aufstehen muß. Aber heute will ich es wissen und frage Andreas, den Inhaber des Trafo, warum die After Work immer erst so spät startet. Die Party sollte besser schon um 18 Uhr beginnen und dafür um Mitternacht zu Ende sein. Das wäre cool und ich wäre sicher viel häufiger dabei.

"Nein," sagt Andreas, "das funktioniert in Kiel nicht. Die Kieler gehen vor 22 Uhr überhaupt nicht los. Die sitzen eher noch auf dem Sofa und gucken einen Film bevor sie endlich auf die Piste gehen. Hier ist meistens erst ab zehn so richtig was los. In Hamburg gibt es solche echten After Work Parties, die wirklich gleich nach der Arbeit starten. Aber nicht hier in Kiel. Vor zehn ist überall tote Hose."
Ich schaue mich um und gebe Andreas Recht. Sind After Work Parties in Wirklichkeit After No Work Parties für Menschen, die Freitags gar nicht arbeiten? Ich weiß die Antwort nicht, aber fast kommt es mir so vor, denn richtig voll wird die Bar erst gegen elf. Sechseinhalb Stunden noch, dann klingelt schon mein Wecker und ich habe erst ein Glas Wein getrunken und nur zwei Lieder getanzt.

Das Tanzen macht im Trafo übrigens richtig Spaß. Die kleine Tanzfläche mit dem DJ-Pult in der Ecke hat genau die richtige Größe und die Musik ist hier niemals zu laut. Als Transgender Girl falle ich den Leuten natürlich auf. Ich bin einen guten Kopf größer als die BioFrauen um mich herum und blicke selbst auf die meisten Männer herab.

Trotzdem kann man als Transgender beruhigt ins Trafo gehen. Das Publikum ist aufgeschlossen, tolerant und überwiegend älter als 30. Man kommt zwar nicht so leicht ins Gespräch, aber dafür wird man auch nicht belästigt.

Ich gehe gegen 1 nach Hause und stöhne beim Gedanken an das frühe Aufstehen morgen früh. Aber heute muß das reichen. Am nächsten Donnerstag aber, da werde ich alle verblüffen wenn ich erst gegen halb elf auftauche und locker bis morgens durchtanze. Ich nehme einfach den Freitag frei. Früh zu Bett zu gehen ist schließlich nur was für Spießer!

Meine Klamotten an diesem Abend waren fast billiger als die Barrechnung.
Kleid: C&A 19,90 €
Pumps: Charly's 16,90 €
Strumpfhose: eBay 2,90 €
Erst auf dem Foto zu merken, dass die Strümpfe oben zu sehen sind: unbezahlbar!

Dienstag, 3. März 2009

Live Musik im Kieler Trafo

Heute abend gehe ich ins Trafo, dem derzeit angesagtesten Club der Stadt. Die edle Bar mit der coolen Clubatmosphäre hätte gut in eine Folge von Sex-and-the-City gepasst, doch heute reicht es lediglich für eine Episode von Svenja-and-the-City.

Ich habe Glück und ergattere den besten Platz an der Bar direkt vor der Bühne. Andreas Werner, Inhaber und Chefbarmixer der Trafo Bar begrüßt mich freundlich. Seine Idee war es auch, den Dienstag mit einer dreimonatigen Konzertreihe "Trafo unplugged" aufzuwerten.

Den Anfang machen heute Joy Smith and Friends. Friends, das ist an diesem Abend Kaya, die ich bis jetzt nur als Moderatorin der Morning Show auf Delta Radio kenne. Sie hat eine hammer rauchige und total erotische Stimme und ist der einzige Grund, weshalb ich jemals Delta Radio gehört habe.

Als die Band ihren ersten Soundcheck macht und die 18 jährige Joy Smith ein paar Zeilen ins Mikrofon singt, gibt es einen echten Wow-Effekt. Welch eine tolle, kraftvolle Stimme. Die ersten beiden Songs bringen Joy und Marc Smith alleine und das Publikum ist schnell begeistert von dem leidenschaftlichen Musiker und der kleinen Joy aus Neumünster. Als Kaya eintrifft, wird sie sofort auf die Bühne geholt und gemeinsam singen die Beiden mit "Warwick Avenue" einen meiner absoluten Lieblingssongs. Die Beiden sind wirklich klasse.

Wegen meiner Transsexualität gibt es an diesem Abend keine Probleme. Das Publikum im Trafo ist eher ein wenig upper class ohne den sonst üblichen Anteil von Bildungsfernen. Hier kann man auch als Transgender in Ruhe hingehen, ohne belästigt zu werden. Ich muß das Trafo unbedingt in meinen Kiel Führer mit aufnehmen.

Inzwischen geht das Konzert weiter und Kaya gibt eine sagenhafte Interpretation eines Alicia Keys Songs. Die Stimmung ist wirklich gut im Trafo an diesem ersten Konzertabend live and unplugged. Es könnte ruhig noch ein wenig voller sein, auch wenn die Bar ganz gut besucht ist. Schließlich singen Joy und Kaya mit "Let it Rain" von Amanda Marshall für mich den Song des Abends. Nach einer Zugabe geht das Konzert mit reichlich Applaus zu Ende. Als Joy dem Publikum beichtet, dass sie keine weitere Zugabe geben kann, weil ihr Zug gleich fährt, müssen alle zusammen lachen mit der kleinen sympatischen Sängerin aus Neumünster. In den nächsten Wochen ist Joy noch ein paarmal im Trafo zu hören. Der Eintritt für den gelungenen Abend kostet nur 8 € und lohnt sich auf jeden Fall.

Auf dem Weg nach Hause gehe ich noch auf einen letzten Wein in die Chaplin's Bar, bevor ich endgültig nach Hause stöckele. Ein netter Abend und ein neuer Ausgeh Tipp für T-Girls in Kiel.

Freitag, 4. Juli 2008

Barhopping - Hotel Birke Kiel

An diesem Abend starten Claudia und ich später als sonst zu unserer "Night of Barhopping". Als Highlight des Abends haben wir das Hotel Birke am Kieler Stadtrand ausgesucht. Bei der "Nacht der Kieler Hotelbars 2007" hatte es einige renomierte Kieler Hotels, wie das Steigenberger und das Maritim mit besserem Service um einige Absatzlängen übertroffen.

Als wir wenige Minuten vor Mitternacht in die Bar kommen, sitzt dort noch eine Reisegruppe ehemaliger EON Mitarbeiter, die sich schon langsam bettfertig macht. Mit ihren Gehhilfen und Rollatoren belegen sie selbstbewusst die besten Plätze der Bar. Ebenso selbstbewusst stöckeln wir freundlich lächelnd durch die Menge und setzen uns dekorativ an die Bar. Wir sind die einzigen EON Betriebsfremden und ernten einige erstaunte Blicke. Hätte ich mir die weißen Stiefel verkneifen sollen, um etwas weniger nach der Hauptschulklasse von 1985 auszusehen? Oder bedrohten Claudies endlos lange Beine die bevorstehende Bettruhe der Präsenilen? Wir werden es nie erfahren, aber ich bringe einen der netten Ruhrpott Jungs dazu, ein Foto von Claudie und mir an der Bar zu machen.

Der Barbetrieb ist an diesem Abend eine Entäuschung für uns. Vom flippigen Charme aus der "Nacht der Kieler Hotelbars" ist nichts übrig geblieben. Der Barmann ist gar keiner, sondern einfach ein Hotelangestellter, der nicht weiß, wie man einen Cosmopolitan mixt. "Wir sind keine Bar", entschuldigt er sich lahm. Ich weiß nicht, wer erstaunter guckt, er oder wir. Mit Weißwein und Apfelschorle helfen wir uns über diesen Aussetzer hinweg und sind doch beide ein bisschen pikiert. Nach einer guten halben Stunde geht uns die Stimmung auf den Geist und wir fahren zurück in die City.

Fazit: Das Hotel Birke ist sicher ein tolles Hotel, gemütlich eingerichtet, mit gutem Service und einem reichhaltigen Angebot. Nur als Station zum Barhopping auf ein paar Cocktails in netter Gesellschaft, dafür ist es nicht geeignet und vermutlich auch nicht gedacht. Schade.

Freitag, 6. Juni 2008

Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz

In dieser Nacht waren wir aufgebrochen, um das Geheimins zu lüften um Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz. Der Name sagte mir anfangs überhaupt nichts, aber Claudia versicherte mir, wir müssten die Ordensschwestern unbedingt kennenlernen. Es würde sich lohnen. Sie seien allerdings nur diesen einen Abend in der Stadt als Vorbereitung auf den Kieler CSD am nächsten Morgen.

Wir hatten keine Ahnung, wo wir die Schwestern an diesem Abend treffen würden, aber wir kannten einige Plätze in Kiel, wo sie im Laufe der Nacht ganz sicher auftauchen würden. Während wir mit Claudias kleinem Renault Twingo durch die Nacht fahren, lerne ich endlich, was es mit den Schwestern auf sich hat. Der Orden The Sisters of Perpetual Indulgence wurde 1979 in San Francisco gegründet und sammelt seit jeher Spenden für sozial schwache Angehörige der Queer Community. In erster Linie werden Spenden für AIDS-Kranke gesammelt und Gratis Kondome verteilt. Aber vor allem machen die Schwestern eine Super Show in ihren tollen Ordenskostümen und werben nicht nur für Toleranz, sondern auch für andauernde Lebensfreude und ewige Ausschweifungen.

Svenja and The Sisters of Perpetual Indulgence

Wir haben das große Glück, den Stadtführer der Nonnen an diesem Abend zu kennen. Es ist Heiko, der direkt dem Film Harold and Maude entsprungen zu sein scheint. Und so haben wir ein gutes Gespür dafür, wo wir in dieser Nacht suchen müssen.

Irgendwann lange nach Mitternacht haben wir Glück und treffen die Schwestern im Harlekin in der Kirchhofallee, wo sie eine außerordentliche Ordensversammlung direkt am Tresen abhalten. Die Ordenstrachten sind ein Knaller und ich überlege ernsthaft, einen Kieler Unterorden zu gründen, nur um solche tollen Klamotten und MakeUp als Dienstkleidung tragen zu können :-)

Claudia und die Schwestern vom Orden der Perpetuellen Indulgenz

Als wir uns gegen Morgen von den Nonnen verabschieden, habe ich eine ganze Menge dazugelernt und bin schwer beeindruckt von den Schwestern. Bei aller Fröhlichkeit darf man das große persönliche Engagement der Schwestern im Kampf gegen AIDS nicht verkennen. Für mich sind die Girls eine queere und fröhliche Ausführung der Heilsarmee. Nur viel hübscher :-)

Sonntag, 31. Dezember 2006

Silvester 2006

Zusammen mit Conny, Petra und Claudie lassen wir die Nacht im Birdy beginnen. Wir bringen uns mit ein paar Shooters langsam in Partylaune. Gegen halb zwölf stöckeln wir zu viert rüber ins Chaplins. Niko, genannt der Letterman hat seine Disco aufgebaut und die Stimmung ist schon ziemlich gut. Wir kriegen den letzten freien Stehtisch. Paolo - der Wirt - ist mächtig in Partylaune und begrüsst jeden weiblichen Gast auf typisch italienische Art: 20sec. Zungenkuss mit Umarmung. Petra wird gleich dreimal begrüßt: "...Senorina, wir hatten noch nicht, oder...?"
"Conny und ich sind die ersten auf der winzigen Tanzfläche. Hätt ich mir nie träumen lassen, dass ich mal freiwillig tanzen würde. Macht aber wirklich Spaß und wir können kaum genug kriegen.
Als weit nach Mitternacht ein besoffener Russe unangenehm auffällt, können wir den freundlichen Rausschmeißer des Chaplins in Aktion erleben:"Richtung die ich meine...." sagt er und fünf Sekunden später fliegt der Russe am Kragen gepackt Richtung Rathausstrasse.Irgendwann gegen Morgen kommt Paolo mit einer Riesenschüssel Tiramisu um die Ecke. Er ist hackenkackendicht und füttert jeden Gast persönlich mit einem Riesenlöffel des klebrigen Zeugs. Einige stören sich daran, dass er nur einen Löffel mithat. Mir doch egal...
Das Foto hat Conny von mir vorm Losgehen gemacht, aber die Buddel haben wir doch nicht mehr getrunken. (sie steht noch heute auf dem Küchenschrank neben der Stereoanlage)

Freitag, 20. Oktober 2006

Ein toller Tag and a girls' night out...

Heute ist ein richtig toller Herbsttag mit strahlendem Sonnenschein und bester Laune. Es ist mein erster Urlaubstag. Ich schlafe erst aus und brezel mich dann auf um ein bisschen shopping zu gehen. Ich zieh' eine dicke braune Strickstrumpfhose an, dazu meinen schokobraunen ESPRIT Cordmini, den bronzenen Gürtel und die passenden Ballerinas. So geh' ich total entspannt und allerbester Laune in die Stadt. Erst in die Fußgängerzone, wo ich ein bisschen mit meiner Lieblings Bratwurstverkäuferin rede und dann in den Sophienhof. Die neue Querpassage ist eröffnet und ich kaufe mir in dem neuen C&A ein paar Stulpen für meine Stiefel.
Bei New Yorker entdecke ich eine total scharfe Bermudajeans. Kann man leider nicht sehen, weil sie noch in der Tüte steckt. Sieht echt geil aus, die geht so knapp bis zum Knie.
Es ist dieses unglaublich erfüllende, glückliche Feeling: ich bin total girly aufgestylt und geh' ganz normal shopping im Sophienhof. Es fühlt sich total warm und wohl an, einfach zufrieden. Kaum jemand schaut mich blöd an. Es ist diese eigene Ruhe und sichere Art aufzutreten und ganz selbstverständlich zu sein. Leider kann ich es nicht besser ausdrücken, aber T-Girls wissen sicher was ich meine?!
Später fahre ich zu Conny und muss bei der Gelegenheit natürlich mein neues Outfit ausführen. Wir haben jetzt gemeinsam Urlaub und gehen abends zusammen ins Birdcage, wo wir noch schnell die Happy Hour mitnehmen und auch gleich Claudia H. aufgablen, bevor wir spätere alle gemeinsam rüber ins Chaplin's stöckeln.

Markus sitzt am Klavier und die Stimmung ist gut wie immer. Wir drei Girls unterhalten uns supergut und haben eine Menge Spaß. Zu vorgerückter Stunde fährt Claudie noch mit uns in die Heinrich Bar. Draussen entdecke ich ein Schild "Drink zum 1/2 Preis: Rusty Nail". Klar, der soll es sein. Die nette Tresenmaus versucht vergeblich, uns den Drink auszureden. Er sei zu stark. Das lockt uns natürlich gerade, aber tatsächlich, das Girl hatte Recht: es ist ein mittleres Wasserglas mit reinem Wisky und drei Eiswürfeln. Puh... das wars. Ich peppe meinen Drink noch mit drei Löffeln Zucker auf aber er bleibt ungenießbar.

So stöckeln wir gegen Ladenschluß zu Claudias Twingo der uns sicher nachhause bringt. Beim Ausziehen mach ich mir noch eine riesen Laufmasche in meine schöne neue Strumpfhose aber irgendwas ist ja immer :-)

Welch ein toller Tag, aber schade, dass nur eine Claudia mit war! Der Freitag morgen war dafür auch nicht so proper, aber mit zwei Aspirin haben wir den Tag dann doch noch gerettet.