Samstag, 3. Oktober 2009

Transsexuell ist nicht sexuell

Transsexuell ist nicht sexuell"Wie? Du stehst nicht auf Kerle? Das versteh ich nicht. Ich denke du bist jetzt eine Frau, da mußt du doch auf Männer stehen?" sagt der Typ am Tresen neben mir und sieht mich dabei aus glasigen Augen verständnislos an.

"Oh, Mann", denke ich. Nicht nur BILD-Leser halten Transsexuelle noch immer für einen Haufen bunter Schwuler in Frauenkleidern. Welch ein Unsinn. Transsexualität beschreibt die Identität eines Menschen und nicht seine Sexualität.

Das deutsche Wort Transsexualität führt thematisch in die Irre. Der Begriff beruht letztlich auf einem ärgerlichen Übersetzungsfehler des englischen Wortes transsexual. Im Englischen steht das Wort Sex für Geschlecht, männlich oder weiblich und damit gerät alles durcheinander, denn Sexualität ist hier nicht gemeint. Deshalb setzt sich der Begriff Transgender immer mehr durch. Gender beschreibt das soziale, das gelebte Geschlecht eines Menschen.

In einem Kommentar auf ein früheres Posting hat mir ein Ralf geschrieben, er könne mich nicht ernstnehmen, weil ich auch weiterhin auf Frauen stünde. Und transsexuell UND lesbisch sei ja wohl ein bisschen sehr unwahrscheinlich, oder?!

Das ganze Schubladendenken aus lesbisch und schwul führt bei Transgendern völlig in die Irre. Manchmal komme ich selbst durcheinander. In meinem früheren Leben als Mann, Ehemann und Vater war ich rein heterosexuell und auch heute als Frau stehe ich ausschließlich auf Frauen. Wie kann ich lesbisch geworden sein, ohne dass sich meine sexuelle Orientierung verändert hat? Das geht doch gar nicht.

Ihr seht schon wohin das führt. Die üblichen Schubladen funktionieren nicht mehr und die Begriffe widersprechen sich teilweise gegenseitig. Man kann nur fragen: "Stehst du auf Männer, oder stehst du auf Frauen? Oder sind dir beide Recht?"

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen gynophilen (mag Frauen) und androphilen Transsexuellen (mag Männer). Leider habe ich keine verlässlichen Zahlen über die Häufigkeiten gefunden. (Über Hinweise auf statistische Erhebungen zur Verteilung Gynophiler und Androphiler würde ich mich sehr freuen. Bitte mit Quellenangabe.)

Fazit: Transsexuelle können als Sexualpartner sowohl Männer als auch Frauen bevorzugen, wobei manche überhaupt keine sexuelle Präferenz haben. Am ehesten gerecht wird man Transgendern, wenn man ihre Andersartigkeit nicht auf den sexuellen Aspekt reduziert. Das ist nämlich mit Sicherheit falsch.

Kommentare:

Bea hat gesagt…

Ich frage mich schon seit vielen Jahren, warum immer alles irgendwie "zugeordnet" werden muss. Und ob Schubladendenken irgendwann mal der Vergangeheit angehören wird? Ist das eigentlich "typisch deutsch"?

Sonne hat gesagt…

Der Mann am Thresen hätte sich eben weniger Konkurrenz gewünscht. ;-)

regenrot hat gesagt…

@ Bea: eher typisch "menschliche Psyche". Kategorien ermöglichen es, in neuen Situationen schnell Orientierung zu finden. Ob die nun richtig ist, sei dahingestellt...

Chrisi hat gesagt…

Ich finde es ja auch doof, aber ohne "Schubladen" kommen die Menschen wohl nicht aus. Wobei es ja ein paar seltene Exemplare geben soll, die kein Schubladenschrank im Kopf haben.

bini. hat gesagt…

mir ist die sexuelle ausrichtung eines jeden menschen völlig egal, es soll jede/r so leben wie sie/er glücklich ist.

und schubladen - ich kämpfe selbst gegen diese an, wenn auch in einem anderen maße als du jetzt - aber ich hasse sie und kann mich selbst nicht davon freisprechen, selbst welche zu verteilen. aber ich arbeite dran :)

herzliche grüße

bini.

Michaela hat gesagt…

Klasse Posting. Besser kann man es gar nicht erklären, finde ich.

Liebe Grüße vom Bodensee,

Michaela

Bad hair days hat gesagt…

Hallo Svenja.

Eine der aussagekräfigsten Umfragen könnte die auf Souled sein:
http://www.souled.in/foren/showthread.php?t=1871

Damit befindest du dich in der Mehrheit. Die sexuelle Orientierung variiert unter transsexuellen Menschen deutlich mehr als unter nicht Betroffenen (übrigens gilt das selbe bei intersexuellen Konditionen)

Verantwortlich ist der Bereich INAH 3 im Hypatalamus. Dessen Grösse bestimmt die sexuelle Orientierung, seine Neuronendichte ist an der Steuerung der Identität beteiligt. Wahrscheinlich werden beide Eigenschaften zu unterschiedlichen Zeiten bestimmt.

REBELL hat gesagt…

@ Bea, ich glaube, so "einfach" kann man das auch gar nicht schreiben...leider wird man ja durch die Gesellschaft - schon als Kind - regelrecht in das Schubladendenken hereingespresst...es bleibt also jedem selbst überlassen, inwieweit er seinen Geist erweitern möchte...und wenn wir es so wollen, kein Mensch ist perfekt...wer nicht fragt, der nicht gewinnt...aber es sollte immer mit Respekt geschehen oder auch wirklichem Interesse am Menschen selbst. Das denke ich, ist wichtig.

Eine Freundin von mir ist Transgender (schönes Wort übrigens!) - von Mann auf Frau - und sie weiß selbst noch gar nicht, was sie überhaupt will...daher kann man pauschal solche Aussagen des Wirtes gar nicht sooo bewerten...wenn sie denn im richtigen Ton gestellt ist ;)

@ Swenja, ist übrigens sehr schön geschrieben!! Es ist nun mal ein komplexes Thema und ich lese hier immer wieder gern :)
Sollte ich irgend etwas nicht ganz so verstanden haben, immer her mit dem Stoff...ich hab dich übrigens angezwitschert ;)

Bea hat gesagt…

regenrot und REBELL,
danke für die Erklärungen. Mir ist es irgendwie zu anstrengend, Menschen in Schubladen zu packen und dann, falls man sich mal geirrt hat, wieder alles umzusortieren. Ich bin auch sehr stark in diese Richtung geprägt worden, konnte mich aber als Jugendliche zum Glück daraus befreien. Zumindest weitestgehend. So ganz schafft man das wohl nie.
Ich hoffe, auch weiterhin möglichst schubladendenken- und vorurteilsfrei leben zu können. Es reicht doch, wenn ich weiß, dass alle Männer, die Schnauzbart und Ohrring rechts tragen, schwul sind, oder? :-)

brunos hat gesagt…

Ja , ja da kann man es mal wieder sehen. Ich habe mir diese Frage zwar auch schon gestellt, aber mich nicht getraut es dich zu fragen. :-))
Aber wenn du als Mann auf Frauen gestanden hast, warum sollte sich daran etwas ändern, wenn du jetzt eine "Frau " bist. Männer müssen ja auch nicht auf frauen stehen nur weil sie Mäner sind.

Svenja-and-the-City hat gesagt…

@Bea: Du bist aber auch besonders frei und unabhängig in deinen Gedanken, Baby. Nein, typisch Deutsch ist das eher nicht. Die ganzen Etiketten gibts ja auch in anderen Sprachen.

@Sonne: lach ... Darauf bin ich noch gar nicht gekommen.

@Regenrot: Ja, Schubladen sind hilfreich. Man muß nur wach bleiben, um zu bemerken, wenn eine Schublade nicht (mehr) passt und sich was Neues überlegen.

@Chrisi: stimmt, siehe oben.

@Bini: Na klar ist das so, da hast du Recht. Dennoch verwechseln viele trans mit sexuell

@Michaela: Danke Michaela, du weißt genau wovon ich rede.

@Badhairdays: Danke für den interessanten Hinweis, den schaue ich mir in Ruhe an.

@Rebell: Viele wissen anfangs nicht wohin die Reise geht. Ich war auch gar nicht verstimmt über die Frage am Tresen, sondern mir wurde klar, wieviel Information noch nötig ist, um nicht ein Vorurteil stehen zu lassen.

@Bea: Wenn nicht du, wer dann?

@Brunos: Doch, das kann man ruhig fragen. Auf den Ton kommt es an und es ist immer schlecht, eine Unterhaltung mit einer Intimfrage zu eröffnen. Und mit dem Übrigen hast du natürlich völlig Recht.

istschonzeit hat gesagt…

ist natürlich immer etwas schwierig, weil die allgemeine Erziehung ein schwarz/weiß Muster nach wie vor beinhaltet. Was nicht weiß ist muss zwangsläufig schwarz sein. Schattierungen gibt es da nur selten. Das wird bei der Sexualität natürlich immer wieder am deutlichsten.

Katrin hat gesagt…

Huhu Svenja!

Ich habe dir auf meinem Blog einen Award verliehen! Würde mich freuen, wenn du ihn an nimmst!

Viele Grüße und schönen Sonntag noch!
Katrin

Perle hat gesagt…

Mir persönlich ist es komplett egal, ob jemand männlich, weiblich, homo, hetero, bi oder was auch immer ist.
Es ist mir auch egal, ob die Leute sich gegenseitig an die Betten fesseln, sich dort schlagen, kratzen, beißen, Tiernamen geben, verkleiden, sich gegenseitig anpinkeln oder sonstige Absonderheiten favorisieren.
Hauptsache, ich muss dabei nicht mitmachen.

Ich vertrete den Standpunkt, dass jeder doch bitte das sein (oder leben) soll, was er will, solange er/oder sie (um mal politisch korrekt zu sein) mich auch einfach sein lässt.

Man darf dabei nur nicht außer acht lassen, dass jedermanns Freiheiten genau da aufhören, wo die des anderen anfangen.

Ich habe mir mit Sicherheit im Laufe meines Lebens auch einige Schubladen angeeignet, in die ich meine Vorurteile stecke, aber bislang bin ich ziemlich gut damit gefahren, (wirklich) jedem erst einmal eine ehrliche Chance zu geben-vorurteilsfrei.

lavendelina hat gesagt…

Dieses Thema hast Du wirklich sehr schön erläutert. Ich denke, daß diees Thema einfach noch zu schwammig für die breite Masse ist. Die meisten Leute verbinden mit diesem Thema doch höchstens das, was im TV läuft und das sind allerhöchstens eine Hand voll Travestie-Stars wie Lilo Wanders oder Mary... also schwule Männer im Frauenfummel! Den Unterschied zwischen Travestie und Transexualität kennen wahrscheinlich die Wenigsten. Umso wichtiger finde ich es, zur Aufklärung bei zu tragen und mit Deinem Blog leistest Du dazu einen wirklich wertvollen Beitrag!

Svenja-and-the-City hat gesagt…

@istschonzeit: Wichtig ist mir, dass ich darüber informiere: Transsexuelle sind keine Schwulen in Frauenkleidern. Punkt. Die Schubladen sind dann ein Nebenschauplatz, der aber in vielen Lebensbereichen den klaren Blick trübt. Auch meinen natürlich.

@Katrin: Oh, wow. Danke schön. Ich freu mich. Das schau ich mir jetzt gleich einmal an.

@Perle: Es ist schön, dass du das so siehst. Ich wollte trans nur gerade aus der sexuellen Ecke herausholen. Transsexuell ist eben nicht sexuell. Und weil das so oft falsch interpretiert wird, deshalb dieses Posting. Vor Schubladen ist niemand gefeit, sie machen das Leben übersichtlicher. Weniger Graustufen eben.

@Lavendelina: Du nennst zwei gute Beispiele. Es sind Künstler, aber sie beanspruchen für sich nicht, transsexuell zu sein. So wie Luise Kuschinski das vermutlich auch nicht tut.
Das Thema: Unterschied zum Transvestismus habe ich mir für demnächst schon notiert. Danke schön.

Lily hat gesagt…

Und da sag mal einer was gegen Fremdworte. Ich empfinde "transgender" auch als erhellender als "transsexuell", vor allem nach der einleuchtenden Erklärung.
Und was die Sexualität betrifft, so denke ich, dass man auch da die Schubladen zu fest geschlossen hält, und die Etiketten außen an den Dingern leider auch immer schwarz oder weiß hält. Gegen eine Einsortierung ist doch gar nichts einzuwenden, wenn sie denn a) das Einsortierte nicht herabsetzt oder in den Himmel hebt und b) nicht zwangsläufig eine Zuordnung auf Lebenszeit bedeutet.

Svenja-and-the-City hat gesagt…

@Lily: Das hast du gut ausgedrückt mit den Schubladen. Natürlich sind sie hilfreich und sollen nicht herabsetzen. Ganz schlimm empfinde ich es nur, wenn ich in eine falsche Schublade gesteckt werde. Das hat so etwas von Ungerechtigkeit, selbst wenn es keine Wertung enthält.
Falsche Schublade ist eben ganz schlecht.

M.i.M. hat gesagt…

Okay... ich habe mich noch nie mit dem Thema beschäftigt, aber wie ich sehe, ich lerne immer wieder dazu.

Michaela hat gesagt…

Danke für deinen informativen Post.

Wenn man selbst nichts oder wenig mit dem Thema zu tun hat, weiß man einerseits sehr wenig darüber, man kann andererseits auch keine Wertung abgeben. Toleranz ist hier das einzigste, was ich mitbringe. Deshalb bin ich über jeden aufklärenden Artikel dankbar.

Liebe Grüße vom Bodensee

die andere Michaela

Trude hat gesagt…

also jetzt hast du die Schubladen in meinem Kopf aber ganz schön durcheinander gebracht-----die waren einfach da--und durch deinen Post ist es mir aufgefallen-----hab´mich aber auch mit diesen Themen noch nie so befasst-----Werd´die Laden mal neu sortieren----Jeder so wie er mag!!!!Gruß Trude

ToWi hat gesagt…

Ganz ehrlich, ich verstehe nicht was Geschlecht und sexuelle Präferenz miteinander zu tun haben sollen.

Es ist ja genau das, was du mit dem Posting klarmachen willst.

Bin nur etwas irritiert, da mir das dadurch aufgefallen ist, das etwas, das ich als selbstverständlich voraussetzte offensichtlich garnicht so verbreitet ist.

strange world.

Anonym hat gesagt…

Hallo Svenja :),
ich lese deinen Blog sehr gerne mit und deine Sicht der Dinge ist oft erfrischend. Aber eine Frage drängt sich mir immer wieder auf. Sie ist sehr persönlich und ich kann gut verstehen, wenn du aus vielerlei Gründen lieber verzichtest darauf zu antworten, aber wie ist es mit deinen Kindern? Haltet ihr den Kontakt und haben sie sich an deine neue Identität gewöhnt? Das stelle ich mir nämlich als wahnsinnig schwierigen Punkt beim Outing vor.
Mit herzlichen Grüßen,
Clara

chiefjudy hat gesagt…

Das ist wirklich sehr interessant, auch wenn es mich nicht überrascht. Ich wußte das schon, aber ich glaube, sehr viele Menschen denken eben in diesen Schubladen. Aber eben auch, weil es ihnen keiner erklärt...

Svenja-and-the-City hat gesagt…

@M.i.M.: Manchmal sind ein paar einfache Erklärungen wirklich hilfreich. Es vermeidet Missverständnisse.

@Michaela: Oh, danke. Es macht mir Freude, wenn ich ein paar Missverständnisse ausräumen kann und ein bisschen meine kleine Welt erklären kann.

@Trude: Oh, wie schön. Ich denke, dass viele Menschen, das falsch eingeschätzt haben.

@ToWi: Das war auch mein Fehler. Ich dachte immer, das sei allen klar, weil es mir selbst so klar war. Ist es aber nicht und ich freu mich über jeden Leser, der den Artikel gelesen hat.

@Clara: Oh, das ist meine Lindenblattstelle. Darüber würde ich gerne schreiben, aber ich traue mir das nicht zu. Es ist zu emotional und außerdem schneide ich dabei nicht gerade gut ab. Hier habe ich wirklich versagt.

@Chiefjudy: Ich habe mir schon beinahe gedacht, dass du das schon vorher gewußt hast. Außerdem bist du ja durch deinen Beruf ohnehin sehr gut informiert "über so Sachen".

Spottdrossel hat gesagt…

Liebe Svenja,
ich habe Deinen Blog erst letzte Woche entdeckt und auf der Stelle komplett durchgelesen. (Wobei das der erste Blog war, in dem es auch um Klamotten ging und ich es trotzdem gelesen habe, ich habe das Gefühl, Du kannst auch mal über Dich selber grinsen und das macht es so angenehm zum Lesen). Ich glaube nicht, daß Du (oder auf jeden Fall nicht Du alleine) bei dem Punkt Familie "versagt" hast. Während andere Elternteile sich auch mal sang- und klanglos verdrücken, wolltest Du ja weiter für Deine Kinder da sein, und obwohl verständlich ist, daß die Familie erstmal überfordert war, könnte man meiner Meinung nach ab einem gewissen Alter auch von den Kindern erwarten, daß sich da eine Basis für einen Kontakt entwickelt. Eine neue beste Freundin der Mutter wäre doch auch problemlos in der Familie willkommen gewesen, als eine Art Nenntante, oder? Nur weil Du jetzt anders aussiehst, hast Du doch noch denselben Charakter, es gibt gemeinsame Erinnerungen, warum sollst Du dann plötzlich nichts mehr wert sein? Irgendwie habe ich das Gefühl, Dir wird da der schwarze Peter zugeschoben, weil es für die Familie einfacher ist, Dich als Egoisten hinzustellen, der die Familie auf dem Gewissen hat, statt mal mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen und zu sagen, ok, es ist erstmal ein Schock, danach zumindest ungewöhnlich, aber mit gutem Willen von allen Seiten ist es zu schaffen.
Zumindest frage ich mich, wieweit es mit der Zuneigung in dieser Familie bestellt war, wenn von jemandem erwartet wird, lebenslang unglücklich zu sein, aber Hauptsache, er spielt die Rolle, die von ihm erwartet wird.

DeserTStorM hat gesagt…

Nur mal ausnahmsweise ein bisschen Klugscheißen: Auch im Deutschen hat Sexualität in erster Linie nichts mit Sex zu tun... Also auch kein Übersetzungsfehler. Eher ein Fehler dessen, was die Menschen mit dem Wort Sexualität verbinden. Nämlich den Sex :-)

Aber eine Frage hätte ich jetzt dann, schon ernst, wenn auch mit einem leichten Grinsen :-)

Wenn jetzt ein Mann Sex mit dir hat, ist er dann eher den Schwulen zuzuordnen? Oder wenns eine Frau ist, ist diese dann Lesbisch? :-)

Svenja-and-the-City hat gesagt…

@Spottdrossel: Danke für deinen tief empfundenen Kommentar. Nein, ich kann keine beste Freundin für meine ExFrau werden. Die Abneigung gegen meine Andersartigkeit ist so tief und grenzt so sehr an Abscheu und Verachtung, dass es da so schnell keinen Weg zurück geben wird. Wie sagte sie immer: „Ach Du, mit deinem Tuntenscheiß!“
Andererseits zerreißt es mir das Herz, weil ich noch immer derselbe Mensch bin. Ich seh nur anders aus. Für viele Menschen gibt es nichts Entwürdigenderes, als einen Mann, der freiwillig auf seine Männlichkeit verzichtet und zur Frau werden möchte. Merkwürdigerweise empfinden das sogar viele Frauen als verwerflich und moralisch abstoßend. Das wirft ein ganz eigenartiges Licht auf der Wert von Frauen an sich. Mich erschreckt das.

@Desertstorm: Ein Mann Sex mit mir? Dazu wird es never kommen, soviel ist sicher! Ich dachte, diese Frage hätte ich gerade beantwortet? Diese Schubladen funktionieren nicht.

Anonym hat gesagt…

Danke für diesen post, das bringt etwas licht in mein grübeleien. es gibt einen transsexuellen mann, den ich mag, aber ich trau mich nicht ihn zu fragen, ob er gynophil oder androphil ist, weil ich ihm nicht vor den kopf stoßen wollten (sodass er dann antworten würde: "Hey, ich bin transsexuell, ist doch klar, dass ich nur auf Männer stehe" bzw. "Hey, ich bin immer noch ein Mann und stehe deshalb auf Frauen").

Svenja-and-the-City hat gesagt…

@Anonym: Wenn man sich ein bisschen besser kennt, kann man die Frage danach sicher ganz einfach stellen. Aber manchmal hat man vielleicht Angst vor der Antwort. Das kann ich gut verstehen.

die kleine Frau hat gesagt…

Abgesehen von den Schubladen (zu denen ja schon reichlich gesagt wurde), frage ich mich immer wieder, ob die Fragenden/Schreibenden mal einen Moment Luft geholt und nachgedacht haben.
Ihr - reales oder virtuelles - Gegenüber hat schließlich "nur" sein Geschlecht gewechselt und nicht seine ganze Person. Und wenn man schon immer auf Geschlecht a oder b oder a+b stand, wird sich das nicht plötzlich ändern, bloß weil man jetzt Unterhemden mit Spitze, statt Schießer Feinripp trägt.

Svenja-and-the-City hat gesagt…

@Die kleine Frau: Perfekt. Genau das ist es. Du hast es auf den Punkt gebracht. Danke dir.

Anonym hat gesagt…

Hmm, nur mal so und ziemlich spät..
Das Wort Transsexualität ist eine deutsche "Erfindung" von Hirschfeld und kommt vom lateinischen Wort sexus, was auf deutsch Geschlecht heisst. Der Begriff ist also medizinisch gesehn schon richtig und kein ärgerlicher Übersetzungsfehler :)

Svenja-and-the-City hat gesagt…

@Anonym: Das habe ich nicht gewusst. Dennoch führt der Begriff nach heutigem Sprachverständnis auf die völlig falsche Fährte und führt zu machem Missverständnis.

Corinna hat gesagt…

Hallo Svenja,

transsexuell und lesbisch ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, habe da am Montag bei einem Vortrag ein paar interessante Zahlen gehört. MzF präferieren nach der Transition im Verhältnis 2:1 weibliche Sexualpartner, wobei das bei spät transitionierten (also so Alter 45+) sehr viel ausgeprägter ist als bei jüngeren. Da mag natürlich auch eine bestehende Partnerschaft eine wichtige Rolle spielen.

Ich finde das auch gar nicht sonderlich verwirrend dass aus ehemals heterosexuell orientierten "Männern" nun lesbische Frauen werden, wäre es nicht viel verwirrender wenn sich auf Grund rein körperlicher Angleichungen die doch im Kopf verankerte sexuelle Orientierung ändern würde?

Noch etwas mehr zu dem Vortrag und auch über den von anonym erwähnten Magnus Hirschfeld der wohl DER deutsche Pionier auf dem Gebiet der Sexualforschung war findest du hier.

LG Corinna ;)

Svenja-and-the-City hat gesagt…

@Corinna: Danke dir herzlich für die Info. Es bestätigt mich in meinem bisherigen Denken. Letztlich stimmt die Überschrift dann ja doch: Transsexuell ist nicht sexuell. Danke, Corinna.

sabo2706 hat gesagt…

Danke für die Erklärung. Genau die hat mir nämlich völlig gefehlt, warum Du nun eine Frau bist, aber auf Frauen stehst. Mir ist gerade ein Kronleuchter aufgegangen! Aber einfach ist das bestrimmt auch nicht. *PUH*

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