Montag, 10. Oktober 2005

Alltagstest - Die erste Woche

Mit kleinen Schritten kleide ich mich von Tag zu Tag weiblicher und merke schon, wie wohl ich mich jetzt in der neuen Rolle als Frau fühle. Die Arbeit fällt mir viel leichter. Mein Denken kreist nicht mehr dauernd darum, dass ich doch viel lieber als Frau leben würde, denn das tue ich jetzt ja. Hurra!

Ich gehe seit meinem Outing wieder richtig gerne zum Dienst und die Arbeit macht mir wieder Spaß. Das Glücksgefühl ist stark genug, um jedes Gefühl von Peinlichkeit zu überdecken, das in mir sonst vielleicht aufkommen könnte.

Immerhin bin ich hier 20 Jahre lang als Mann zum Dienst gegangen. Die Umstellung ist für die Kollegen sicher schwer und meine Fantasie reicht aus, um mir die abfälligen Bemerkungen über mich vorstellen zu können.

Es ist total schwer, erstmal einen eigenen Style zu entwickeln. Ich bin noch immer ein Mann in Frauenkleidern. Hoffentlich kriege ich das bald besser hin. Leicht ist es nicht. Den rosa Strickblazer habe ich bei Tchibo gekauft, ich fand ihn chick. Ich bin einfach noch zu unerfahren darin, mir ein gutes weibliches Outfit zusammenzustellen und ich wüßte auch nicht, wen ich fragen kann. Mist, dann muß ich das wohl alles selbst herausfinden.

Mittwoch, 5. Oktober 2005

Alltagstest - Tag 1

Alltagstest TransgenderHeute ist der erste Tag, an dem ich nach meinem Outing in der neuen Rolle als Frau zum Dienst gehe. Ich bin total aufgeregt, denn natürlich sehe ich noch immer aus wie ein Mann. Von außen sieht ja keiner, dass ich innerlich schon mein ganzes Leben eine Frau bin.

Was mir aber vorher niemand gesagt hatte: bei extremen Hüfthosen hat man dauernd das Gefühl, dass sie einem gleich vom A.... rutschen :-)
Und meine braunen Pumps waren zuhause auf dem Teppichboden noch total unauffällig und leise, aber in den langen Gängen des LKA klackern sie wie verrückt und sind furchtbar laut.

Jetzt gehe ich jeden Tag in weiblichen Sachen zum Dienst. Mit kleinen Babyschritten will ich langsam immer weiblicher werden und versuchen, meine Kollegen mit dem Tempo der Entwicklung nicht zu überfordern.

Welch ein besonderer Tag für mich. Nur wer selbst transgender ist, wird verstehen, welches Glücksgefühl diese Entwicklung heute für mich bedeutet. Endlich, endlich! Oh, ist das spannend und oh, Girl, bin ich glücklich :-))))

Dienstag, 4. Oktober 2005

Outing auf der Dienststelle..

Heute habe ich mich auf der Arbeit geoutet. Wir sassen wie jeden Morgen zusammen mit sechs Leuten in der Frühbesprechung und ich habe einfach erzählt, was mit mir los ist. Fiel mir nicht ganz leicht, aber dann hatte ich es hinter mir. Die Reaktion der Kollegen war einfach klasse und so, wie man es sich nur wünschen kann.
Angezogen war ich an diesem Tag noch fast 'jungshaft', wenn man die Jeans mit Strass und die Strassturnschuhe und..
nein, Quatsch, das waren schon eher Girl's Clothes :-)

Samstag, 24. September 2005

Maikes Party


Auf Ankes Geburtstag hat uns ihre beste Freundin Maike zu einer Party am kommenden Samstag eingeladen. Ich war total happy über die Einladung. Nach der Trennung von Tina konnte ich jede fröhliche Abwechselung gebrauchen und Maike ist wirklich nett und Anke sowieso :-)

Jedenfalls war ich die ganze Woche über aufgeregt und bin dann Samstag in diesem Outfit zu Anke nach Itzehoe gefahren. Dort haben wir noch schön gegessen und sind später weiter nach Hamburg gedüst.

Was soll ich sagen? Es war eine super Party und ich hatte einen richtig lustigen Abend. Ich hab' sogar getanzt, holy Molie!

Donnerstag, 22. September 2005

Leben Sie es, ohne sich weh zu tun

Nach 30 Jahren x-dressing gehe ich heute endlich zum ersten Mal zu einem Arzt mit meinem 'Problem'. Herr Sigurd Junge in Kiel gilt als einer der führenden Spezialisten in Norddeutschland bei der Beurteilung von Transgendern. Die Praxis liegt mitten in Gaarden und ich halte es für eine gute Idee vor dem Termin einmal über den Vinetaplatz zu stöckeln direkt zwischen einer Gang junger Türken hindurch. Das war schon ein echter 'Danger-Seeker', aber ich hab' die gröhlenden Prolls einfach gar nicht weiter ignoriert :-)

Ich erzähle dem Doc rundheraus, dass ich ein Mann bin, der schon seit dem 8. Lebensjahr den Wunsch hat, lieber eine Frau zu sein. Ich sage: "Doktor, wie kann es sein, dass ich als kerngesunder Mann dieses unbezwingbare Verlangen habe, lieber als Frau zu leben? Ich kann es nicht mehr länger zurückhalten."

Herr Junge erklärt mir auf seine ruhige, freundliche Art ein paar grundlegende Wahrheiten über meine Andersartigkeit, die ich vorher nicht gewusst habe:
  • es ist keine Krankheit,
  • es ist nicht heilbar, aber
  • man MUSS es leben, sonst geht man kaputt. Nur durch das Leben und Nachgeben
    diesem Verlangen kann es überhaupt eine Entwicklung geben.
Na, wenn das so ist: der Doc hat gesagt ich soll :-)

Dann höre ich den wichtigsten Satz überhaupt, der für die nächsten Jahre zu meiner Leitlinie werden soll:


"Leben Sie es, ohne sich wehzutun."

Ach ja, in diesem Outfit war ich beim Doc und bin gerade völlig verzweifelt mit meinen kurzen (männlichen..) Haaren :-)

Samstag, 17. September 2005

Ankes Party

Heute bin ich zu Ankes Geburtstag nach Itzehoe gefahren. Ich hab mir 'Jungssachen angezogen', bis auf die schwarzweissen Venice Sneaker vielleicht und mich ein bischen geschminkt. Ich fühlte mich superklasse und es wurde eine tolle Party. Ich stach schon ganz schön heraus aus den anderen Gästen, aber alle waren supernett zu mir und ich hab' mich auch sehr wohlgefühlt. Danke Anke, Ilka, Maike, Easy und alle anderen Girls :-)
Auf dem Foto seh' ich total versoffen aus, ist aber direkt nach der Dusche frisch und ausgeschlafen aufgenommen. Ich guck' wohl immer so blöd, wenn ich fotografiert werde (Selbstauslöser)

Samstag, 20. August 2005

Umzug in die eigene Wohnung


Fünf Tage vor unserem elften Hochzeitstag ziehe ich zu Hause aus. Aus dem Riesenhaus mit 260 m² auf neun Zimmern in das möblierte 1-Zimmer Apartment in Kiel.

Das liest sich völlig Mitleid erheischend, ist aber gar nicht so gemeint. Mein Apartment ist klein, aber fein. Fertig möbliert bringe ich nur noch meinen Ohrensessel, meinen PC und Svenjas Klamotten mit. Viele, viele Schuhe, Hosen, Röcke, Stiefel, Strumpfhosen, Schminkzeug und tausend andere Sachen, die Frau so braucht. Endlich kann ich es leben.

Donnerstag, 4. August 2005

Vor der Trennung

Auf dem Rückweg von meiner Motorradtour durch Schweden habe ich ziemlichen Herzschmerz wegen der bevorstehenden Trennung. Matina hatte mir einen Tag vor meiner Abreise gesagt, dass ich zu Hause ausziehen solle. Sie liebt mich nicht mehr.

Dieses Foto hat ein Motorradkumpel auf der Fähre von Schweden zurück nach Deutschland aufgenommen. Da bin ich noch so richtig Svenduro Sven und sehe wegen der bevorstehenden Trennung ziemlich kaputt und traurig aus.