Dienstag, 6. Juli 2010

Ladies only?

Svenja probiert Motorradsachen bei Louis in Kiel"Du musst sofort herkommen!", brülle ich Claudia am Handy ins Ohr. "Und ich brauch die Nummer von Amnesty International. Und die von der EU. Am besten die vom Chef. Und komm schnell, ich warte hier. Ich bin bei Louis in Kiel."

"Immer mit der Ruhe, Tinky Winky. Was ist denn nun schon wieder passiert? Und du darfst mir gerne erst einmal guten Morgen sagen, bevor du mich anschreist."

"Guten Morgen, guten Morgen! Und jetzt komm schnell. Ich bin hier einem ungeheuren Fall von Diskriminierung auf die Spur gekommen. Aber diesmal haben sie einen Fehler gemacht, ich habs nämlich schriftlich. Du musst sofort kommen und deine Kamera mitbringen. Ich brauch Beweisfotos."

"Beweisfotos? Amnesty International? Die EU? Sag mal, bist du betrunken, oder haben dir die Hormone jetzt endgültig das Hirn vernebelt?"

"Entschuldige Claudie. Ich vergess immer wieder, dass du bloß normalbegabt bist und nicht alles gleich kapierst. Also hier die Kurzfassung: Ich bin heute morgen zu Louis und wollte ein paar Motorradhosen anprobieren. Und wie ich die erste Hose so vom Bügel nehmen will, sehe ich plötzlich dieses knallrote Warnschild: Ladies only! Ich dachte, mich trifft der Schlag. Das geht eindeutig gegen Transsexuelle. Aber nicht mit mir. Damit haben wir sie im Sack."

"Sag mal, spinnst du jetzt komplett? Die Schilder bedeuten doch nur, dass die Sachen einen weiblichen Schnitt haben. Sonst nichts. Du bist einfach nur einem blöden Werbespruch aufgesessen. Mit Diskriminierung hat das nichts zu tun. Die Sachen sind nur extra für die weibliche Figur geschneidert und du bist doch eine Frau, oder nicht?"

Spinner in Feinstrumpfhosen"Ja schon, aber meinst du wirklich? Denkst du, ich kann die Hose einfach mal anprobieren, ohne dass es hier gleich einen Riesenärger gibt und die mich im hohen Bogen rausschmeißen?

Sonst hab ich nämlich zur Sicherheit schon daran gedacht, meine ganzen Unterlagen mitzubringen. Die über meine Transsexualität und natürlich auch die Urkunde für die Namensänderung. Und vielleicht noch ein paar leere Hormonpackungen. Das würde ich dann alles an der Kasse auf dem Tresen ausbreiten, damit die gleich sehen, dass ich es ernst meine und nicht nur ein Spinner in Feinstrumpfhosen bin, der mal heimlich Frauensachen anprobieren will.

Dann könnte ich denen hier alles erstmal ganz in Ruhe erklären. Sag mal, meinst du, es reicht aus, wenn ich das nur einem von denen sage, oder soll ich lieber gleich alle informieren? Am besten gehe ich wohl über den Chef, damit der die Angestellten für mich zusammentrommelt.

Hoffentlich kriege ich da Strom für meinen Beamer. Die wissen ja bestimmt alle nicht soviel wie ich." "...weil du ja hochbegabt bist und die nicht?", unterbricht Claudia mich in süffisantem Tonfall. "Ja genau, aber deshalb guck ich ja nicht gleich auf die runter, nur weil die alle ein bisschen dööfer sind als ich. Dafür kann ja schließlich keiner was."

"Nein, dafür kann nun wirklich keiner was.", stimmt Claudia mir zu. "Weißt du was, Tinky Winky? Im Grunde deines Herzens bist du ein richtiger Philantrop."

Ist das nicht total ätzend, wenn Leute Fremdwörter benutzen, die sie gar nicht richtig verstehen, nur weil sie auch mal irgendwas schlaues sagen wollen? Denn was hab ich auf einmal mit Briefmarken zu tun...?

Samstag, 3. Juli 2010

Wenn du mal einen Mann brauchst...

Svenja geht einkaufen und Sven schleppt die Taschen„Wenn du wirklich mal einen Mann brauchst, dann ist natürlich keiner zu sehen.“, fluche ich leise vor mich hin und schleppe bei 31° Wärme meinen Wochenendeinkauf nach Hause.
Deshalb lasse ich heute Sven den schweren Einkauf für mich tragen. Ich habe dafür extra meine bequemen weißen Ballerinas angezogen. Die passen ihm nämlich auch und so bekommt niemand mit, dass es gar nicht Svenja ist, die mit 15 Kilo Bier, Blanchet, T-Bone Steaks und einem Hochleistungshirn beladen, den Knooper Weg entlang nach Hause stöckelt...

Fazit: Ich habe erst vor kurzem ein zauberhaftes Kompliment bekommen: "Du hast das Mann sein überwunden und zum Frau sein weiterentwickelt." Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn das ist es, was ich immer versucht habe. Und dennoch: Manchmal ist so ein eingebauter ExMann ganz schön praktisch, oder?!

Mittwoch, 30. Juni 2010

Meine blonden Momente - Wo ist das Auto?

Svenja bei PLAZA in Kiel"Weiiiiiber!", lache ich höhnisch. Manchmal sind die sogar zu dämlich, um vorm Supermarkt ihr eigenes Auto wiederzufinden. Wie blöd kann man eigentlich sein?!

Allerdings erinnere ich mich in diesem Moment selbst nicht mehr so ganz genau daran, wo ich vorhin mein Auto abgestellt habe.

Sicher hat mein Hochleistungshirn beim Einparken wieder Nichtlineare Gleichungen berechnet und war dadurch abgelenkt. Manchmal tut es das nämlich
, um sich nebenbei ein wenig zu beschäftigen. Deshalb kann man in meinem Fall auch nicht von Dämlichkeit reden. Außerdem ist dieser PLAZA Parkplatz wirklich ganz schön groß...

Glücklicherweise verfüge ich als Hochbegabte automatisch auch über die kognitiven Fähigkeiten, um jeden Gegenstand alleine durch die Kraft meiner Gedanken wiederfinden zu können. Das ist natürlich das Gute an so einem HighSpeed hirn. Also, ganz systematisch: Als ich hier raufgefahren bin, hat Britney Spears im Radio gerade gesungen: "I'm not a Woman." Das ist doch schon mal eine prima Spur.

Und genau vor mir hat diese dicke Frau in rosa Crocs ihren Einkaufswagen vorbeigeschoben. Sie hatte eine Kiste Cola und Kartoffelchips im Wagen. Ich weiß noch ganz genau, dass das Chio Chips waren. Und das ich sie angehupt habe, weil sie so langsam geschoben hat. Sie hat dann noch gewunken. Das ist eine weitere erstklassige Spur.

Svenja sucht ihr Auto

Beim Aussteigen habe ich mich dann total über die weißen Striche gewundert und warum die schräg unter meinem Auto vorkommen. Vermutlich alle schief aufgemalt. Manche Leute sind einfach sowas von unfähig. Und da steht mein Auto auch schon. Man muss einfach nur ein bisschen nachdenken.

Fazit: Manchmal ist es schon total super, wenn man hochbegabt ist und alles schnell wiederfinden kann. Und manchmal ist es auch super, bequeme Schuhe anzuhaben, um diesen verdammten PLAZA Parkplatz zweimal komplett hoch und runter zu stöckeln auf der Suche nach dem eigenen Auto :-(
Passieren eigentlich nur mir solche Dinge?

Samstag, 12. Juni 2010

Die Notlüge

Claudia sitzt auf der Kawasaki KLX125"Gestern habe ich ein Motorrad gesehen, das sieht fast genau so aus wie deines, nur kleiner. Das war so eine 125er. Die hat sogar dieselbe Lack­ierung wie deine KLX250.", berichtet Claudia.

Was will die Frau nur von mir? Seit wann interessiert die sich für Motor­räder?

"
Ja? Und?", gebe ich langsam zurück und ziehe die Worte dabei mißtrauisch in die Länge.

"Weißt du, welchen Führerschein man für so eine 125er braucht?", fragt Claudia neugierig.

Mir schwant Schreck­­liches, aber mein Hoch­leistungs­gehirn hat innerhalb von Nano­­sekunden einen erstklassigen Notfall- und Rettungs­plan parat: „Da braucht man diesen neuen EU Führer­schein X3. Der soll aber irre schwer sein. Bei den Ausbildungs­fahrten gab es schon mehrere Schwer­verletzte und bei dem einen wissen sie nicht einmal, ob er überhaupt durchkommen wird.", behaupte ich wichtigtuerisch.

"Oh, das klingt ja schrecklich.", erwidert Claudia mit Bestürzung in der Stimme. „Ja, total schrecklich. Und stell dir vor: die Prüfung muss man sogar direkt in Brüssel machen vor der EU und immer bei Regenwetter. Ist das nicht eine Frechheit?“, lege ich sicher­heits­halber noch einen drauf.

"Eine Frechheit ist nur, dass du mich so unverschämt anlügst.", entrüstet sich Claudia. "Ich habe mich nämlich genau erkundigt: Ich darf die 125er mit meinem ganz normalen Führerschein Klasse 3 fahren."

„Ich lüge niemals!“ gebe ich aufgebracht zurück. „Es kann in diesem Fall höchstens sein, dass ich da mal was verwechselt habe mit so einer ganz neuen Gesetzesvorlage, die erst noch kommen soll.“, lüge ich frech weiter. Ich hasse es, wenn Claudia mich beim Überarbeiten der Wahrheit erwischt und dann stundenlang darauf herumreiten muss. Ist sowas nicht total ätzend?

„Ich brauche lediglich ein paar Fahrstunden zur Auffrischung zu nehmen.“, freut Claudia sich.

"Wofür zum Geier brauchst du denn Auffrischungsstunden?", gebe ich muffelig zurück.

Gehirnrechnung vergessen zu bezahlen„Sag mal, Tinky Winky, hast du diesen Monat vergessen, deine Gehirn­rechnung zu bezahlen? Du bist ja heute so schwer von Begriff.

Während du nämlich in der Werkstatt deine großen Reden an das Volk der Mechaniker geschwungen hast, habe ich im Verkaufsraum eine nagelneue Kawasaki KLX125 bestellt und die will ich nächste Woche abholen. Fährst du mich bitte nach Neumünster?“

Fazit: Hochleistungshirn hin, oder her... Diesmal bin ich sprachlos. Die Abenteuer zweier junger Frauen im besten Alter, zusammen gerade einmal 116 Jahre alt, die auf zwei Motorrädern mit immerhin 375 ccm auf Reisen gehen. Was sagt man dazu?

Montag, 7. Juni 2010

Germany's Next Kawasaki Girl

Svenja Svendura auf Kawasaki KLX250„Fährst du mich nachher kurz mal nach Neumünster?“, frage ich Claudia am Telefon.

„Erstens heißt das 'BITTE' und zweitens hast du doch selbst ein Auto? Und sag bitte nicht, dass du schon wieder zu Kawasaki willst und jetzt eine Dumme suchst, um die Fotos zu machen, während du wieder deine große Show abziehst.“

„Ich ziehe überhaupt keine Show ab. Das tue ich niemals.“ zicke ich beleidigt zurück. „Ich will nur Verbindung aufnehmen.“

„Verbindung aufzunehmen? Mit wem nimmst du denn Verbindung auf?
„Ich nehme Verbindung auf mit der kleinen grünen Kawasaki, die da steht.“


„Oh nein, nicht schon wieder. Das heißt, falls die da überhaupt noch steht. Wahrscheinlich haben sie die längst im Schuppen versteckt, weil sie die Nase voll haben von deinen Auftritten und dir erzählen sie, dass sie verkauft ist. Das ist zwar ein Showroom, aber für MOTORRÄDER und nicht für irgendwelche durchgeknallten Mofa-Girls.“

„Das mit dem verkauft kann schon sein.“ erwidere ich süffisant und mache total auf geheimnisvoll. „Und zwar an M-I-C-H.“ „Du hast WAS? Ein Motorrad gekauft? Wovon denn? Du hast doch nie einen Pfennig auf der Naht und bist dauernd pleite. Wovon solltest DU dir ein Motorrad kaufen können?“

Meine Güte, hat diese Frau eine lange Leitung. Vielleicht kommt es mir aber auch nur so vor, weil ich hochbegabt bin und sie nicht. Für mich spielt sich so eine Diskussion quasi in Zeitlupe ab, weil mein Gehirn die Informationen ja viel schneller verarbeiten kann.

„Gespart.“, gebe ich einsilbig zurück. „Vom Munde abgespart.“ „Ach! DESHALB muss ich also schon seit Wochen Sonntags das Frühstück bei Tackmann alleine bezahlen. Von wegen dein Portmonee vergessen. Du hast dir das Motorrad von m-e-i-n-e-m Munde abgespart.“
„Meine Güte, wie kann man wegen einer Tasse Kaffee so einen Film drehen. Davon kriegt man noch lange kein Motorrad.“, gebe ich beleidigt zurück.

Tinky Winkys Tuningtipps sind nicht willkommen„Eine Tasse? Literweise hast du das Zeug getrunken und dich dazu mit Eiern, Mett und Schinken vollgestopft. Die Leute haben schon rübergeguckt, was das für eine verfressene Else ist.“, regt Claudia sich immer weiter auf. „Ich bin keine verfressene Else.“, verteidige ich mich. „Hast du überhaupt die geringste Ahnung davon, wieviele Kalorien so ein Hochleistungsgehirn beim Denken verbraucht? Also fährst du mich jetzt, oder nicht?“

„Na gut, ich fahre dich. Schon damit du dort keinen Blödsinn machst.“, seufzt Claudia resigniert. „Aber unter einer Bedingung: Du gibst den Männern in der Werkstatt keine guten Tipps mehr, Tinky Winky. Als du letztes Mal in deinem Minikleid mit Peeptoes nach hinten in die Werkstatt gestöckelt bist und da deinen Vortrag über Die Grundlagen der Motorentechnik gehalten hast...“

„Wieso, was war denn damit?“ „Nun ja, ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich so gut angekommen ist, wie du glaubst. Einige von den Gesellen haben ziemlich bissig geguckt und der Meister sah nicht amüsiert aus. Und deine tollen Tricks, mit denen du 1976 deine Kreidler frisiert hast, die wollte auch niemand hören. Vielleicht funktionieren die ja bei der neuen 200PS Ninja gar nicht?"

„Natürlich würden die funktionieren. Ist doch dasselbe Prinzip. Die waren doch nur beleidigt, weil ein Mädchen viel mehr Ahnung von Motorrädern hat, als die selber.“

„Ja, das wird es wohl gewesen sein. Die waren nur beleidigt, weil du so "total viel Ahnung" von Motorrädern hast, Tinky Winky. Und von Kochen natürlich. Ich hol den Twingo und dann können wir los.“

Bedienungsanleitung Kawasaki KLX250 Enduro“ border=

Mittwoch, 2. Juni 2010

Der 7. Sinn mit Svenja

Svenja putzt ihre Motorradstiefel„Du machst W-A-S?“, fragt Claudia ungläubig, als ich ihr von meinem neuesten Projekt berichte.

„Ich geb denen in meinem Blog jetzt immer ganz tolle Tipps, weil die sich ja nicht so gut auskennen wie ich.“, erwidere ich und klinge dabei so be­scheiden, wie nur möglich.

„Womit kennst DU dich denn gut aus?“, fragt Claudia und denkt wahrscheinlich, dass ich den spöttischen Unterton nicht bemerke. Ich bemerke ihn aber sehr wohl.

„Na mit fast allem. Mit Motorrad­fahren und mit Auto­fahren und mit Computern und so. Und mit Kochen natürlich auch.“, schiebe ich eilig hinterher.


Und als Hochbegabte darf ich ja nicht auf die Leute runtergucken, sondern soll denen lieber was von meinem Wissen abgeben. Die können ja nichts dafür, dass sie...“
„...doof sind?“
, beendet Claudia meinen Satz.
„Nein, nicht doof. Jedenfalls nicht richtig. Die kennen sich eben nur nicht so gut aus mit allem."

„So gut wie DU, meinst du? Aber nein, natürlich nicht. Wie sollten sie auch?“, fragt Claudia und ich merke, dass sie jetzt erst verstanden hat worum es mir geht. Manchmal hat sie wirklich eine ziemlich lange Leitung.

„Das ist aber wirklich sehr großzügig von dir, Tinky Winky, die Menschheit dermaßen selbstlos an deinem ungeheuren Wissensschatz teilhaben zu lassen. Wo du dich doch mit allem so gut auskennst. Und mit Kochen natürlich.“

„Ach das ist doch selbstverständlich.“, winke ich ab. "Man hat ja auch eine Verantwortung.", füge ich hinzu und bemühe mich, meiner Stimme einen feierlichen Klang zu geben. Dennoch merke ich, wie ich ein wenig rot werde vor Stolz über dieses ehrliche Kompliment.

Fazit: In meinem ersten Beitrag zum Thema Sicherheit auf dem Motorrad, ermahne ich euch eindringlich, nur in geeigneter Schutzbekleidung aufs Motorrad zu steigen. Ich appelliere an alle Biker, nicht länger in PeepToes zu fahren. Nicht einmal dann, wenn sie aus echtem Leder sind. Die PeepToes, nicht die Biker.

Svenja tauscht die PeepToes gegen Motocross Stiefel

Montag, 31. Mai 2010

Nur für den Fall

Svenja bei der HUK Versicherung in Kiel„Das Auto ist aber zugelassen auf einen Herrn Sven.“, stellt der freundliche Mitarbeiter der HUK Ver­sicherung in nüch­ternem Ton­fall fest.
„Das bin ICH! Oder nein, das bin natürlich nicht ICH.“, ver­bessere ich schnell. „Aber ich war das mal. Ich bin nämlich mein eigener ExMann.“, stelle ich wichtig­tuerisch fest und wedele dem ver­blüfften Sach­bearbeiter dabei mit Svenjas Personal­­aus­­weis vor der Nase herum.


„Und nicht, dass ich später Briefe für Herrn Svenja bekomme, sowas passiert nämlich andauernd.“
, ermahne ich ihn freundlich. „Kein Problem.“, erwidert der Sachbearbeiter und wirkt dabei so lässig, als täte er den ganzen Tag nichts anderes, als die Vornamen und Geschlechter seiner Kunden zu ändern. Fünf Minuten später ist aus Herrn Sven auch für die HUK Versicherung endlich eine Frau Svenja geworden.

„Wow, das ging aber einfach.“, denke ich. „Wieso bin ich für die Vornamensänderung damals nicht gleich zur HUK gegangen?" Und laut sage ich: „Und wenn ich schon einmal hier bin, dann geben Sie mir doch bitte gleich eine Doppelkarte für die eventuelle Zulassung einer Kawasaki mit. Nur für den Fall der Fälle. Man weiß ja nie.“

Sonntag, 30. Mai 2010

Svenja nervt

Svenja träumt von einer Kawasaki KLX250„Ist das nicht ein Mist­wetter?“, schimpft Claudia zur Begrüßung, als sie mir ihre Woh­nungs­tür öffnet.

„Also vorhin in Neu­münster schien die Sonne und es war total schön.“, gebe ich stolz zurück.

„Neumünster? Was hast du denn heute morgen schon in Neu­münster gemacht?“ fragt Claudia und guckt dabei miss­trauisch durch ihre schmale Gold­rand­brille.

Mist, jetzt habe ich mich verplappert: „Ach nichts, ich hab nur jemanden besucht.“

„In Neumünster? Wen kennst du denn in Neu­münster?“


„Niemanden!“, weiche ich aus. „Und kennst du sowieso nicht.“

„Oh nein. Ich ahne etwas. Sag mir sofort, dass du nicht schon wieder in diesem Kawasaki Geschäft warst.“

„Na und? Wenn schon! Ist doch meine Sache.“, fauche ich zickig zurück und ärgere mich, dass ich überhaupt von Neumünster angefangen habe.

„Jetzt hör mir mal zu, Tinky Winky. Du kannst da nicht jeden Samstag auftauchen und stundenlang in deinem Mikromini um dieses Motorrad herumtänzeln. Ich verstehe sowieso nicht, warum du dich dabei immer so aufbrezeln mußt.“

„Ich bin überhaupt nicht rumgetänzelt. Und außerdem hast du absolut keine Ahnung vom Geschäftsleben. Da zieht man sich immer total hübsch an, wenn man Fachgespräche führt. Gerade als Frau. Sonst nimmt einen nämlich keiner richtig Ernst.“

Sonst nimmt eine Frau niemand ernst„Fachgespräche? Was führst du denn für Fachgespräche? Ich hoffe nur, du hast dich diesmal nicht wieder draufgesetzt und Blödsinn gemacht. Die haben dich letztes Mal schon für balla balla gehalten.“

„Das haben die gaaar nicht getan! Und man kann sich da sowieso nicht mehr draufsetzen, weil die Kawa jetzt auf so einem Gestell steht. Der Händler hat gesagt, weil das irgendwie besser ist für die Stoßdämpfer.“

„Oh, nein.“, stöhnt Claudia. „Merkst du denn gar nichts? Besser für die Stoßdämpfer? So ein Quatsch. Du fängst einfach an, denen auf die Nerven zu gehen. Und dann immer deine blöde Fragerei: Passt die auch zu mir? Seh ich gut aus darauf? Bin ich auch nicht zu fett dafür? Gibst die auch mit rosa Sitzbank?“, äfft Claudia meine Stimme nach.

„Also erstens hab ich das mit der Sitzbank diesmal überhaupt nicht gefragt und zweitens haben die Jungs im Laden gesagt, dass ich total schön mit der KLX aussehe. Und die dürfen einen Kunden nicht anlügen, weil das ein offizieller Händler ist und weil man die sonst hinterher bei der EU verklagen kann.“

„Verklagen? Bei der EU?“, Claudia rollt mit den Augen, weil sie natürlich genau merkt, dass ich mal wieder recht habe. "Das hatte ich total vergessen.", gibt sie resigniert auf. "Ach das ist doch nicht so schlimm. Für sowas hast du ja mich.", lenke ich bescheiden ein.

Fazit: Mir macht es nichts aus, wenn ich Claudia immer alles erklären muss und ich bin sogar ein wenig stolz darauf, was sie alles schon von mir gelernt hat. Trotzdem ist es für mich manchmal total anstrengend, wenn Leute so völlig weltfremd sind.

Montag, 24. Mai 2010

Svenja besucht SIE

Svenja und Kawasaki KLX250 und KLX125Jetzt ist aber Schluss mit dem FeiertagBlues! Ich muss endlich etwas unter­nehmen. Vielleicht vermisst SIE mich ja auch und traut sich bloß nicht, den ersten Schritt zu machen.

Ich setzte mich jetzt in mein Auto und fahre zu IHR, um SIE zu besuchen.

Fazit: Das hätte ich schon gestern tun sollen. Der Besuch hat mir sehr, sehr gut getan. Machmal braucht man einfach etwas Mut, um den ersten Schritt zu tun...

Sonntag, 23. Mai 2010

Alpträume

Der härteste Stoff, den der liebe Gott geschaffen hat, ist das Herz einer Frau - Zitat aus Jeremiah JohnsonIch dachte, ich sei ihn endlich los, diesen schrecklichen Alptraum, der mich seit Jahren quält. Fast hatte ich ihn schon vergessen, aber heute nacht war er wieder da. So real und so lebendig, dass ich im Schlaf nicht merke, es ist nur ein Traum. Das Motiv ist stets dasselbe.

Meine Familie und ich zusammen in einem großen Haus. Aber ich wohne dort nicht mehr. Vielleicht bin ich zu Besuch? Die Kinder sind da und SIE ist da. Wenigstens sind heute nacht meine Schwiegereltern nicht dabei, die mir sonst immer ganz besonders einheizen. Es scheint eine Szene unmittelbar nach der Trennung zu sein. Meine eigene Familie. Aber ich gehöre nicht mehr dazu. Zurückweisung, Ablehnung, Brief vom Anwalt, das Sorgerecht. In meiner Verzweifelung fange ich an zu weinen, zu betteln und zu flehen. Ohne Erfolg. Dann wache ich auf und brauche Stunden, um wieder ins Leben zurückzufinden. Puh, war das eine Nacht.

"Der härteste Stoff, den der liebe Gott geschaffen hat, ist das Herz einer Frau."
(Die Antwort Bear Claws, eines alten Trappers, auf die Frage, weshalb er keine Frau habe.
Ein Zitat aus meinem Lieblingswestern Jeremiah Johnson)

Fazit: Ich schaue mir die Bilder an. Auf der rechten Seite sehe ich mich als Sven. Ich bin darauf erst 37 Jahre alt und sehe aus wie das Vorher-Foto einer BurnOut Klinik. Svenja dagegen, die Lady in Red, sieht mit ihren 48 Jahren recht glücklich aus.

Sven und SvenjaEine Faustregel sagt, man benötige die halbe Zeit, die eine Beziehung gedauert hat, um über eine Trennung hinwegzukommen. Dann wäre ich in einem Jahr durch.
Wie lange habt ihr gebraucht, um über eine Trennung, eine Scheidung, einen wirklich schlimmen Schmerz hinwegzukommen? Dauert das denn ewig? Oder glorifizieren wir etwas, das es so niemals gegeben hat?

Montag, 17. Mai 2010

Zurück im Dienst

Svenja ist wieder im Dienst“ border=

Fazit: Mir geht es wieder gut und auch der fiese Blues von gestern abend ist überwunden. Ich war traurig darüber, wer sich alles nicht bei mir gemeldet hat. Weder im Krankenhaus, noch danach. Kein Wort, keine Zeile, kein gar nichts. Das war nicht nett.

Dafür freu ich mich umso mehr über einige ganz überraschende Besuche und Aufmerksamkeiten, mit denen ich never gerechnet hätte. Oder hat euch schon einmal jemand heimlich eine Tüte Lindavia Pflaumensaft mit einer total lieben Notiz auf die Fußmatte gestellt? :-)

Mittwoch, 12. Mai 2010

Besuch beim Arzt

Svenja im Minikleid mit Overknee StiefelnHeute habe ich einen Termin beim Doc zur abschließenden Untersuchung, damit ich am Montag endlich wieder zum Dienst stöckeln kann.

Zwei Monate ist es her, dass ich nachts mit Bauch­schmerzen aufgewacht bin. Blind­darm­durchbruch, Krankenhaus, zwei Operation, es ist unglaublich, wie die Zeit vergeht, wenn man sich nur gut unterhält.

Claudia hat angeboten, mich zu fahren und steht morgens pünktlich vor meiner Tür. Ich freu mich schon total auf den kleinen Ausflug, weil mir hier nämlich langsam die Decke auf den Kopf fällt. Aber natürlich muss SIE gleich wieder anfangen rumzustänkern:


„Zieh dich an, damit wir endlich los können.“
„Ich bin angezogen.“, gebe ich verständnislos zurück.
„Du willst doch nicht ernsthaft in diesem Aufzug zum Arzt fahren, oder?“ Was passt ihr denn jetzt schon wieder nicht? Ich versteh nicht mal die Frage.
„Wieso denn nicht?“, zicke ich bissig zurück und ziehe dabei so ganz leicht die Oberlippe hoch, weil es trotziger wirkt.
„Weil das aussieht, als ob da noch zehn Meter Bordstein zugehören.“, belehrt Claudia mich.
„Bordstein? Versteh ich nicht. Das ist meine neue Motorradjacke und die sieht doch total schön aus.“
„Die Jacke mein ich nicht, Tinky Winky, und das weißt du auch ganz genau. Ich mein das T-Shirt.“
„Das ist ein Kleid.", gebe ich beleidigt zurück. "Das hab ich schon ganz lange, aber jetzt passt es mir endlich mal. Ich dachte, damit kommen die zur Untersuchung besser an den Bauch ran. Das spart ja auch Zeit. Und außerdem will ich kein Risiko eingehen. Oder hast du schon vergessen, wie ich aus dem Städtischen rausgeflogen bin, nur weil ich denen nicht hübsch genug war?!
Das Kleid lass ich an, aber über die Schuhe können wir meinetwegen reden. Meinst du auch, ich soll lieber die pinken Buffalo Pantoletten anzuziehen, die unterm Bett stehen? Die kann ich viel schneller ausziehen, wenn ich auf die Untersuchungsliege soll. Das spart ja nochmal Zeit..."
"Mach doch, was du willst, Tinky Winky. Ich bleib diesmal sowieso unten im Auto sitzen."
Meine Güte, kann die Frau zickig sein, denke ich bei mir ...

Fazit: Ich würde mich für einen Arztbesuch natürlich nicht extra aufbrezeln, aber so ein bisschen gepflegte Kleidung, wenn man zum Arzt geht, ist doch ganz normal, oder?

Sonntag, 18. April 2010

Vorfälle im Krankenhaus

Svenja als Transgender im KrankenhausVersucht einmal, euch meine Situation vorzustellen. Ich gehe in die Klinik mit Bauchschmerzen. In der Aufnahme zeige ich meine Versichertenkarte und die Über­weisung vom Hausarzt. Beides auf Frau Svenja ausgestellt.

Natürlich steht da kein Warnhinweis drauf, dass ich als Transgender für zwei, drei kleine Über­raschungen gut bin. Und ich selbst habe überhaupt keine Ahnung, wie ich mich verhalten soll. Muss ich eine Erklärung abgeben? Vielleicht einfach aufstehen, in die Hände klatschen und kurz um Aufmerksamkeit bitten? Ich bin ratlos und tue, was ich in solchen Situationen immer tue, nichts. Die merken im OP noch früh genug, dass bei mir etwas anders ist, als bei handelsüblichen Frauen.

Blende und Schnitt: Eine Stunde später in meinem Krankenzimmer. Eine fröhliche junge Lernschwester hilft mir beim Umziehen in das OP-Hemd. Alleine kriege ich das nicht mehr hin. Im Arztbrief steht später: „Die Patientin erschien bereits in deutlich reduziertem Allgemeinzustand.“ Keine Ahnung, was das genau bedeutet, aber jetzt heißt es, ich brauche Hilfe beim Umziehen.

Ich möchte die junge Schwester nicht schockieren und fühle mich verpflichtet, etwas zu sagen: „Sie wissen ja sicher schon, dass ich die Frau mit dem Geburtsfehler bin. Ich trage die Eierstöcke außen.“ Wir müssen beide lachen. Sie hatte die Story längst brühwarm von der Aufnahme gehört, wo es dem Doc inzwischen unangenehm war, mich nach einer Schwangerschaft gefragt zu haben. Ob er mir zu nahe getreten sei? Aber nein, das war ein total süßes Kompliment. Davon werde ich noch Monate zehren.

Blende und Schnitt: Zehn Tage und zwei Operationen später. Ich beginne mich zu langweilen und gehe auf Patrouille. Vielleicht entdecke ich etwas und kann ein, zwei Anzeigen fertigen und mir später dafür Überstunden aufschreiben. Und tatsächlich, was entdeckt das geschulte Auge des Gesetzes? Mein Bett hat eine TÜV-Plakette und die ist 2007 abgelaufen. Das macht 75 Euro Bußgeld und 2 Punkte in Flensburg. Pro Bett. Ich rechne kurz hoch. Die Klinik hat ca. 640 Betten, das sind 48.000 Euro und 1.280 Punkte. Dafür gibt nicht nur der Verwaltungsdirektor den Lappen ab, sondern auch das gesamte Personal bis runter zu dem Typen, der im Foyer die Brötchen verkauft. Ich bin jedoch in Geberlaune und belasse es bei einer mündlichen Verwarnung.

Zwei Tage später aber geschieht etwas, darüber werde ich nicht hinwegsehen. So eine Frechheit ist mir im ganzen Leben noch nicht passiert. Als Claudia mich kurz darauf besucht, bin ich noch immer völlig außer mir.

Reizlos Narbe heilt gutClaudia: „Guten Morgen, Svenja. Na, wie gehts?“
Ich, ohne auf ihren Gruß einzugehen: „Ich bin noch niemals so beleidigt worden. Stell dir vor, die schmeißen mich hier raus, weil ich den Ärzten auf einmal nicht mehr hübsch genug bin!“
Claudia: „Was ist denn jetzt schon wieder passiert? Nicht hübsch genug? Spinnst du?

Ich, mit Zittern in der Stimme: „Eben war die weiße Wolke hier zur Visite. Und da hat dieser eine junge Arzt, du weißt schon, der mit den dunklen Haaren, der ganz gut aussieht, gesagt: Darf ich mal einen Blick auf ihren Bauch werfen? Und ich total nett: Aber natürlich, Herr Doktor. Und ziehe voller Vertrauen mein Nachthemd hoch. Schließlich sind das doch Ärzte.
Jedenfalls guckt der Doc auf meinen Bauch, natürlich genau auf die hässliche, frisch zugenähte Narbe und weißt du, was er zu mir sagt?“
Ich kann die Tränen jetzt kaum noch zurückhalten.
„Was denn?“, fragt Claudia mit Ratlosigkeit in der Stimme.
„Reizlos, vollkommen reizlos. Sie können morgen nach Hause gehen.“

Claudia: „Ja, aber...“
„Nichts, ja aber“ unterbreche ich sie wütend. „Können die sich denn alles rausnehmen nur weil das Ärzte sind? Geht es hier jetzt nach dem Aussehen? Ich weiß ja selber, dass ich momentan nicht besonders reizvoll aussehe, aber...“
Claudia: „Jetzt hör doch erstmal zu, Tinky Winky. Der meint doch nicht dein Aussehen, sondern nur deine Narbe. Reizlos heißt doch bloß, dass die gut verheilt und nicht mehr so gerötet ist. Kein Grund zur Aufregung.“

Ich: „Ha, ha. Du hast ja auch nicht sein Gesicht gesehen. So guckt man nicht auf den Bauch einer Frau, die vor einem im Bett liegt und sagt: Reizlos, vollkommen reizlos. Der müsste mich mal am Wochenende im Nightfever sehen in meinen neuen Overknee Stiefeln. Den schwarzen mit den Nieten, du weißt schon, welche ich meine.“
Claudia: „Ja, ja, ich weiß, welche du meinst.“

Reizlos Narbe heilt gutIch: „Das sind jetzt schon drei Vorfälle weshalb ich den Verwaltungsdirektor anrufen werde. Und genau das mach ich auch, verlass dich drauf.“
Claudia: „Drei Vorfälle? Was denn für Vorfälle?“
Ich: „Hörst du mir nie zu? Da war zuerst die Sache mit dem abgelaufenen TÜV von meinem Bett und heute, dass die Ärzte mich zu hässlich finden für die Station. Und dann noch die Sache mit dem Tomatensalat."
Die Sache mit dem Tomatensalat? Was denn für ein Tomatensalat?“
Ich: „Ganz genau: Was denn für ein Tomatensalat? Der, den ich letzten Dienstag extra auf meinen Essenzettel geschrieben habe und der bis heute nicht gekommen ist. Sollen die denn hier mit allem durchkommen? Ich bin nun echt keine von diesen schwierigen Zicken, die sich dauernd über alles beschweren müssen, aber das geht zuweit. Nur weil ich ein schwaches Mädchen bin...

„Nein.“
, stimmt Claudia mir zu und verdreht dabei die Augen, weil sie wahrscheinlich glaubt, ich sehe das nicht:
„Du bist nun wirklich keine von diesen schwierigen Zicken.“

Fazit: Einem Blogger kann kaum etwas Besseres passieren kann, als eine Weile im Krankenhaus zu liegen. Mehr Stoff für Postings findet man nirgends. Und sowie der Sinn für Humor wieder größer ist als das Aua, macht es auch Spaß, darüber zu schreiben.

Donnerstag, 15. April 2010

Neulich bei Kawasaki...

Svenja auf Kawasaki KLX 250 EnduroWieso gucken die Landeier so? Haben die noch nie ein Mädchen auf'm Motorrad gesehen? Egal. Ich hab jedenfalls extra meine Motorrad­stiefel und die neue Lederjacke angezogen. Vielleicht darf ich ja 'ne kleine Probefahrt machen.

Ich setz mich im Laden auf die Kawa und bin auf Anhieb begeistert. Die kleine KLX250 wiegt kaum mehr als ich und ist außerdem megaschlank und total hochbeinig. Eine Eigenschaften, die ich überhaupt sehr schätze.

Ich träume gerade so schön von meiner ersten Tour und mache ganz leise Motoren­geräusche nach, da kommt der Verkäufer hinter seinem Tresen hervor und fängt an, mir irgendwelche Neben­­sächlich­keiten an den Kopf zu werfen: "Einspritzer, PS, bla, bla, Newtonmeter, laber, Aluschwinge, bla, Digitalcockpit, laber...".

Was soll sowas? Das interessiert doch keinen normalen Menschen. Ich frage mich ernsthaft, wo solche Verkäufer geschult werden. Im Finanzamt? Zielsicher lasse ich ein paar Fachfragen los, damit er gleich merkt, dass ich selber total Ahnung habe und nicht irgendeine blöde Tusse bin, der man alles erzählen kann: "Gibt es dazu von Kawasaki nicht sogar ein passendes Top mit Spaghettiträgern? Und grüne FlipFlops? Und diese eine total süße Crosshose?"

Svenja sieht nicht fett ausAuch die anderen Kunden im Laden hören jetzt aufmerksam zu. Damit hat natürlich keiner gerechnet, dass ein Mädchen sich so gut mit Motorrädern auskennt. Wahrscheinlich haben die meisten, die hier reinkommen, nicht mal halb soviel Ahnung wie ich.
Die wichtigste Frage von allen habe ich mir extra bis zum Schluss aufgehoben und stelle sie jetzt in die versammelte Runde: "Und ich sehe darauf auch ganz bestimmt nicht fett aus?"
Für einen Moment herrscht Schweigen. Solange bis der Verkäufer mühsam hervorpresst: "Aber nein, überhaupt nicht.", und mich damit vollends von der KLX überzeugt. Ich denke, er sagt die Wahrheit, sonst würde er ja niemals so mit den Augen rollen. Ich mag den Typen, eigentlich ist er gar nicht mal so unsympathisch...

Erst als ich den Kaufvertrag unterschreiben will, fällt mir ein, dass ich bei den ganzen Biker­gesprächen total vergessen habe, nach dem Preis zu fragen...

Svenja auf Kawasaki KLX250 Enduro Probefahrt Motorrad Weber Neumünster

Sonntag, 11. April 2010

Svenja im Krankenhaus

Svenja im KrankenhausDiese blöden Bauch­schmerzen sind doch gestern abend schlagartig besser geworden. Soll ich überhaupt noch ins Krankenhaus gehen? Die sind doch fast weg. Sicher hat mein Hausarzt recht mit seiner Diagnose einer abklingenden Blinddarm­entzündung. Er schickt mich aber trotzdem in die Klinik zum Ultraschall, weil die Entzündungs­werte über Nacht durch die Decke gegangen sind.

In der Chirurgie kümmert sich ein junger Assistenzarzt um mich. Ich muss mich auf einen schmalen Untersuchungstisch legen. „Machen Sie sich bitte oben herum frei.“ fordert er mich auf. „Oben anfangen ist gut.“, denke ich. „Das ist meine beste Seite.“

Ich glaube nicht, dass der Doc schon etwas ahnt. Er klatscht mir das kalte Ultraschallgel auf den Leib und fängt konzentriert an, meinen Bauch zu schallen.

Wir sind knapp südlich des Bauchnabels. Sicheres Gebiet soweit. „Ziehen Sie bitte die Strumpfhose etwas weiter herunter.“, fordert der Doc mich beiläufig auf. „OK. Doc.“, denke ich. „Noch fünf Zentimeter tiefer und ich hab eine Überraschung für dich.“

Svenja ist ganz sicher nicht schwangerDie Bewegungen des jungen Arztes werden zielstrebiger. Er scheint endlich etwas entdeckt zu haben und kann dabei das Triumpfgefühl in seiner Stimme kaum unterdrücken: „Können Sie sicher ausschließen, dass Sie schwanger sind?“ Ich könnte ihn küssen. Das ist mit Abstand das beste Passingerlebnis, das ich je hatte. „Ja, das kann ich. Wenn ich schwanger bin, dann haben wir innerhalb von drei Stunden die BILD-Zeitung und das Fernsehen hier.“ Der Doc guckt leicht irritiert, versteht meine Anspielung aber nicht.

Die junge Medizinstudentin aber, die an meinem linken Arm Blut abnimmt, kann sich das Grinsen kaum noch verkneifen. Sie hat längst bemerkt, dass ich keine Eierstöcke habe. Jedenfalls nicht innen...

Der junge Arzt hingegen ist ratlos und übergibt mich an den Oberarzt. „Da ist es. Der Blinddarm. Durchgebrochen. Hier sieht man Flüssigkeit. Ausgelaufen. Kein Wunder, dass es Ihnen gestern plötzlich besser ging. Nach dem Durchbruch ist der Druck weg und mit ihm die Schmerzen. Gut, dass Sie gekommen sind. Ohne Behandlung stehen die Chancen, das zu überstehen, bei 50%. Sie müssen gleich operiert werden. Haben Sie heute schon was gegessen?“

Einige Stunden später ist alles überstanden. Die Operation wurde endoskopisch durch zwei kleine Löcher in der Bauchdecke durchgeführt. Dazu wird vorher eine kleine Videokamera durch den Bauchnabel eingeführt, damit der Operateur was sehen kann. Am Abend bin ich schon wieder halbwegs beieinander und ich freu mich, alles so gut überstanden zu haben.

Svenja im Städtischen Krankenhaus Kiel mit Blinddarmdurchbruch

Die nächsten Tage sind dafür gar nicht lustig. Durch zwei fingerdicke Schläuche wird dreimal täglich Wasser durch meinen Bauch gespült. Der Wasserbeutel wird an einen Infusionsständer gehängt und läuft langsam zur einen Bauchseite rein und aus dem Schlauch an der anderen Seite wieder heraus. Die Formel ist einfach: Drei Liter rein, drei Liter raus. Das Ganze hat einen hohen Unterhaltungswert und ist leider ziemlich schmerzhaft.

Claudia ist die Erste, die merkt, dass etwas nicht stimmt. Drei Liter laufen rein, aber nur einer läuft wieder heraus. Dafür muss ich nun dauernd in höchster Not auf den Toilettenstuhl, was mit den ganzen Drainagen, Beuteln und Infusionsschläuchen ganz schön schwierig ist.

Meine Geheimwaffe ist eine kleine Schmerzmittelpumpe, die der nette Anästhesist mir installiert hat. Der Abzug ist an meine Bettdecke geheftet und sieht aus wie ein kleiner Pistolenabzug. Damit kann ich mich jederzeit in süßes Vergessen schießen. „Greifen Sie ruhig zu, es hilft. Sie müssen nicht leiden. Es ist genug da. Wo das herkommt, da ist noch mehr.“, beruhigt mich der nette Doc. „Sie können es auch nicht überdosieren, der Computer rechnet ständig mit.“ Ich bin begeistert und hoffe, dass es kein Windows System ist.

Inzwischen diskutiert die weiße Wolke den mysteriösen Fall der fehlenden Spülflüssigkeit. Sechs Liter sind inzwischen verschwunden und ich ahne, wo die geblieben sind. Das Team ist sich jedoch einig, dass es medizinisch nicht möglich ist, Wasser durch die Bauchdecke direkt in den Darm zu spülen. Entwarnung also. Wenn nur die rechte Drainage nicht so weh täte...

Am Morgen des vierten Tages geht es mir besser. Als die weiße Wolke um 7 Uhr mein Zimmer zur Visite stürmt, bin ich fest entschlossen, nur über meine Entlassung zu verhandeln. Es geht mir gut und Ostern bin ich wieder zuhause.

Die Oberärztin schlägt die Bettdecke zurück, wirft einen Blick auf die Schläuche und ich sehe sofort in ihrem Gesicht, das etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. „Haben Sie heute schon etwas gegessen?“, fragt sie mich.

Der fingerdicke Drainageschlauch hat offensichtlich meinen Dickdarm durchstoßen und das Wasser deshalb an der ganz falschen Stelle wieder herausgespült. Vermutlich habe ich inzwischen den am besten gespülten Dubs von ganz Kiel. Der Gedanke tröstet mich.

Eine Stunde später liege ich bereits wieder in der Schleuse des OP1 und werde für den Eingriff fertig gemacht. Ich habe Angst und mir ist kalt.

Svenja im Städtischen Krankenhaus Kiel

Als ich am frühen Nachmittag in meinem Bett aufwache, geht es mir deutlich schlechter als nach der ersten Operation. Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass ich diesmal eine lange Narbe vom Nabel bis in den Keller davongetragen habe. Dafür nervt mich jetzt so ein blöder Schlauch in meiner Nase. Er reicht bis in den Magen und stört total beim Schlucken. Ich bin wehleidig, ängstlich und genervt. Mit einem kurzen Druck auf den Abzug der Schmerzmittelpumpe verabschiede ich mich erneut in die Schwerelosigkeit.

Vier Tage später geht es mir schon wieder besser und ich freue mich sogar ein wenig auf Ostern. Claudia ist inzwischen in meinem Krankenzimmer eingezogen und geht kaum noch nach Hause. Allerdings habe ich insgeheim den Verdacht, dass sie nur auf ihre drei Mahlzeiten spekuliert, denn die Klinik hat Claudia kurzerhand und unbürokratisch mit in die Verpflegung aufgenommen und das Essen ist überraschend gut.

Svenja im Städtischen Krankenhaus Kiel

Fazit: Nach 13 Tagen werde ich aus der Klinik entlassen. Trotz der kleinen Panne mit dem Drainageschlauch kann ich mich über die Pflege nicht beschweren. Die Schwestern und Pfleger waren nicht nur freundlich und kompetent, sondern haben auch viel menschliche Anteilnahme bewiesen. Danke, ihr Lieben für die gute Pflege und für eure Freundlichkeit.

Und tausend Dank meiner allerbesten Freundin Claudia, die jede freie Minute an meinem Bett Wache gehalten und mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen hat. Ich bin auch nicht mehr sauer wegen dem leergefressenen Osterkorb. Du darfst mir jederzeit jeden Naschkorb leeressen. Versprochen! (Aber lass die Hände von dem Nougat!)

Dieses war außerdem mein erster Aufenthalt als Frau in einer Klinik. In den vergangenen Jahren hatte ich deshalb viele Ängste und Befürchtungen. Was daraus geworden ist, darüber berichte ich euch in einem anderen Posting.