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Sonntag, 15. April 2012

Svenjas Haushaltskurs für Spätzünder

Ich stehe am Herd und rühre Meer­rettich in die Sauce für den Tafel­spitz, da klingelt es an meiner Tür. Eine junge Frau, die ich nie zuvor gesehen habe, steht im Flur und sieht mich hilfe­suchend an: "Guten Tag", sagt sie schüchtern. "Können Sie mir bitte helfen? Ich komme nicht an meine Wäsche."

Mir liegt ein wirklich cooler Spruch auf der Zunge, aber erstens bin ich schon über 50 und zweitens redet man neue Nachbarn nicht mit "Baby" an. Jedenfalls nicht beim ersten Treffen. Also sage ich freundlich: "Aber gerne, wo liegt denn das Problem?"

Anja ist meine neue Nachbarin. Sie ist erst letzte Woche eingezogen und hat sich gerade von ihrer Buntwäsche ausge­schlossen. Die Waschmaschine im Keller rückt die 30° Wäsche nicht wieder heraus.

Gemeinsam gehen wir hinunter in die Waschküche, wo der Fehler schnell gefunden ist. Sie hat zu wenig Geld eingeworfen. Nur 20 min. für ein 60 min. Waschprogramm. Typischer Anfängerfehler, denke ich, werfe zwei 50 Cent Stücke nach und die Maschine nimmt sofort wieder Fahrt auf. Anja strahlt, während ich versuche nicht allzu überheblich zu wirken, aber es gelingt mir nicht.

Als Dreingabe erkläre ich meiner Nachbarin auch gleich die Bedienung des Wäschetrockners und würde ihr am liebsten Svenjas kompletten Grundkurs für Hausfrauen verabreichen, aber ich hab einen Tafelspitz auf dem Feuer und muss zurück an meinen Herd.

Was Anja nicht weiß: Als ich 2005 hier eingezogen bin, hatte ich in meinem Leben noch kein Stück Wäsche gewaschen. Warum auch? Ich war schließlich erst 43 und außerdem verheiratet. Und heute, sieben Jahre später, steht eine bezaubernde junge Frau vor meiner Tür und möchte ausgerechnet von mir wissen, ob ich ihr die Waschmaschine erklären kann. Ich fühle mich wie Lena in Oslo. 

Na klar kann ich helfen, denn wer lesen kann, der kann auch Wäsche waschen, ein Unterseeboot fahren und sogar Tafelspitz kochen. Außerdem gibt es nichts, was eine deutsche Kriminal­beamtin nicht kann.

Nachdem ich damals bei meinem ersten Besuch im Waschkeller zweimal sorgfältig die Bedienungsanleitung der Maschinen studiert hatte, angefangen von der Stelle mit "Herzlichen Glückwunsch..." bis dort, wo alles noch einmal auf kisuhaeli steht, konnte ich meine Wäsche selber waschen. Entweder bist du eine echte Vollblut Hausfrau, oder du bist es eben nicht.

Fazit: Ich freue mich, wenn ich helfen kann, aber ich frage mich auch, was das überhaupt für Typen sind, die nicht einmal ihre eigene Wäsche waschen können? Erwachsene Menschen und lassen sich entweder noch von Mama,  oder von ihrem Ehepartner bedienen. Ich finde das beschämend.

PS: Weiß irgend jemand, wie man ein Bügeleisen bedient?

Donnerstag, 2. Februar 2012

Yippie ya yeah, Schweinebacke

"Als ob ich was dafür kann, wenn der Typ keine Ahnung von Autos hat.", entrüste ich mich lautstark. "Ich hab doch nur zu ihm gesagt: 'Pass mal auf, Meister. Entweder du kannst Auto fahren, oder du kannst das nicht.'"

"Der Verkäufer hat doch nur höflich darauf hingewiesen, dass es für den Motor eines solchen Sportwagens besser wäre, ihn erst warm zu fahren und nicht gleich mit quiet­schen­den Reifen aus der Halle zu driften."

"Es ist ja wohl nicht meine Schuld, wenn die sich Omas Badezimmerfliesen in ihren Showroom legen, oder? Da gehören Warnschilder hin, so glatt sind die. Und außerdem war der Motor ja gleich warm. Vorne an der Ausfahrt ist schon der Lüfter angesprungen. "

Claudia schüttelt den Kopf: "Hör mal, Tinky Winky. Du kannst nicht überall in Kiel die größten Schlitten probefahren und dann mit einem charmanten 'Ich überlegs mir noch mal.' im kurzen Rock vom Hof stöckeln. Das gehört sich nicht."

"Und warum heißt das dann wohl Probefahrt?", gebe ich leicht rotzig zurück.

Claudia rollt mit den Augen: "Weshalb muss es überhaupt so ein schwerer Wagen sein? Mein Twingo läuft doch auch prima mit seinen 75 PS."

Diesmal bin ich es, die mit den Augen rollt. "Ja, tolle Maschine.", erwidere ich lahm. "So eine hatte ich in meinem Chevy auch. Um die Sitze zu verstellen..."

Claudia seufzt, wie sie es immer tut, wenn sie merkt, dass ich im Recht bin: "Dann fahr doch nächstes Mal wenigstens so lange vorsichtig, bis wir außer Sicht sind. Und lass die Maschine abkühlen, bevor du den Wagen wieder auf den Hof stellst. Die waren ohnehin sauer, weil du die "kurze Probefahrt" um gute fünf Stunden überzogen hast. Der Meister hatte schon die Polizei in der Leitung, als du mit rauchenden Reifen wieder auf den Hof gefahren bist."

"Die sind doch selbst Schuld. Dann sollen sie eben keine nuschelnden Verkäufer einstellen. Ich hatte echt VIER STUNDEN verstanden und nicht eine Viertelstunde. Und dieser blöde Stau vor Bremen der war im Navi nicht angezeigt."

"Nun reg dich mal wieder ab.", lenkt Claudia ein. "Ich bin doch nur froh, dass in diesem anderen schwarzen Flitzer für über 100.000 € extra Schonbezüge und Gummi­matten lagen. Den hättest du ja sonst nie wieder sauber gekriegt."

"ICH? Wieso denn ICH?", komme ich aus der Höhle. "Den sollen die mal schön selbst wieder sauber machen. Ich hab diesem Dressman gleich gesagt, ich fahr lieber alleine Probe, aber er musste ja unbedingt mitkommen. Ich seh ihn noch vor mir in seiner tutigen Maserati Krawatte, wie er flötet: 'Politik des Hauses. Wir stehen unseren Kunden auch während der Testfahrten beratend zur Seite.' Ist doch nicht mein Problem, wenn der Schlipsträger einen schwachen Magen hat.

Egal, morgen nach Dienstschluss brauche ich dich. Zieh dir was Elegantes an, wir müssen zu Porsche. Das Reden überlässt du mir. Du heißt 'Margery' und hälst dich dezent im Hintergrund. Wenn ich dich anspreche, sagst du nur: "Sehr wohl, Milady." und machst die ganze Zeit total auf etepetete. Morgen müssen wir ein bisschen Eindruck schinden, ich brauch die  Karre nämlich übers Wochenende und die sollen uns nicht für irgendwelche Probefahrt-Parasiten halten."

"Wie könnte jemand auch nur auf diese Idee kommen?", erwidert Claudia und schaut mit ironischem Blick über den Goldrand ihrer Brille. "Außerdem hast du doch selbst ein Auto. Wieso also brauchst du den Porsche?"

"Ich war gestern im Lagezentrum und da habe ich gehört, dass zum Wochenende mal wieder eine Cannonball über die Vogelfluglinie reinkommt. Die fahren in Richtung Schweiz weiter. Dafür brauchen wir ja wohl eine vernünftige Karre, oder meinst du, wir können in deinem Twingo mithalten, wo der doch immerhin 75 PS hat?", erwidere ich mit vor Ironie tropfender Stimme.  "Nein," erwidert Claudia und klingt dabei etwas kleinlaut. "Das können wir dann wohl nicht..."

Fazit: Das Pendel schwingt zurück und die Girly Whirly Phase geht ihrem Ende entgegen. Ich entdecke gerade alte Leidenschaften neu, habe mir einen brandneuen Camaro angesehen, werde eine KTM probefahren und habe mir am Wochenende nach langer Zeit wieder Bruce Willis in "Die Hard" angesehen. 

Das ist gerade sowas von cool: Das Leben ist wieder wie früher, nur eben Svenja. Genau SO habe ich mir das gewünscht. Und jetzt rufe ich noch einmal bei Chevy an. Die sollen rote Nummern an den gelben Camaro schrauben. Yippie ya yeah, Schweinebacke...

Sonntag, 23. Oktober 2011

Irgendwie anders vorgestellt...

Eine Frau zu sein, das heißt für mich auch, Miniröcke und schöne Schuhe zu tragen, exo­tische Cocktails zu trinken und absolut jeden Tag den aller­tollsten Spaß zu haben.


Stattdessen stehe ich hier total shice angezogen mit Motorrad­kla­motten in Schweden und muss diesen dämlichen Fußboden feudeln.

Mein männlicher Begleiter ist natürlich ver­hin­dert. Er muss während­dessen irgend­einen mega wichtigen Jungskram erledigen. Zum Beispiel, mit seiner Enduro ein Stück aus dem Rasen vor der Hütte fräsen, oder mich beim Sauber­machen foto­gra­fieren.

Dabei war das mal genau umgekehrt. Es gab eine Zeit, da habe nämlich ICH die total wichtigen Sachen zu tun gehabt, während meine Freundin sich mit Nebensächlichkeiten beschäftigt hat. Während ich an meinem Computer dabei war, die Welt zu retten, wozu ich ein total wichtiges und mega schwieriges Level erreichen musste, hat Madame sich mit irgendwelchen Lächerlichkeiten, wie Waschen, Putzen und Kochen die Zeit vertrieben.

Fazit: Die Welt ist wirklich total unge­recht, wenn man eine Frau ist. Irgendwie hatte ich mir alles ganz anders vorgestellt, als ich damals rüber­ge­macht habe.  ;-)

Siehe auch: 10 Dinge, die echt klasse sind an meinem neuen Leben.

Und wer wissen möchte, wie es am vierten Tag der Schwedenreise weitergeht, der mag vielleicht auf meine Svendura Seite klicken.

Donnerstag, 3. März 2011

Svenja blitzt ab

Svenja"Wenn du meinen Vornamen errätst, spendiere ich eine Flasche Champagner.", raune ich der süßen Blonden zu, die auf dem Barhocker gegenüber sitzt und strecke ihr dabei meinen Busen entgegen, damit sie auch ja das Namens­­kettchen bemerkt, worauf in glänzen­dem Sterling­silber "Svenja" steht.

Die Blonde sieht interessiert aus. Ich beuge mich noch etwas weiter zu ihr hinüber, senke die Stimme und füge mit Verschwörer­mine hinzu: "Ich habe da noch eine ganz hervorragende Flasche Asti Spumante bei mir zuhause im Kühlschrank. Ist gar nicht weit von hier..."

Mit langen, weißen French Nails greift sie ihr pinkes Handy, steckt es in eine modische Handtasche aus Knautschlack, steht wortlos auf und geht. Jetzt sieht sie nicht mehr interessiert aus.

"Moment, warte doch!", brülle ich hinterher und versuche zu retten, was zu retten ist: "Das ist nicht irgend so ein Billigzeug, die hat drei Euro gekostet. Überlegs dir...!", aber die blonde Schönheit stöckelt auf dünnen Absätzen davon, ohne sich noch einmal umzusehen.

"Sehr merkwürdig.", denke ich. "Das hat doch früher oft funktioniert...!?" Ich bin leicht verunsichert.

Montag, 7. Februar 2011

Svenja muss sparen

Svenja kauft bei ALDI"Wie bitte?", zetert Claudia. "Du hast erst lächer­liche 47,50 EUR gespart für fünf Wochen Urlaub in Schottland? Für Essen und Trinken, Benzin und Über­nach­tung? Und wie kommst du überhaupt auf diese schräge Summe?"

"Weil ich genau soviel Geld gerade im Portmonee habe.", gebe ich zickig zurück. Und nach einer kurzen Pause, um die Wirkung zu erhöhen: "Plus einen Universal­chip für alle Einkaufs­wagen."

Doch das scheint Claudia nicht zu beeindrucken: "Du kannst doch unmöglich schon dein ganzes Weihnachtsgeld verpulvert haben und das, was dein Papa dir zum Geburtstag geschenkt hat?"

"Kann ich wohl!", erwidere ich und ziehe das 'o' dabei etwas in die Länge, damit es trotziger klingt. "Außerdem habe ich das nicht verpulvert, aber was kann ich denn dafür, wenn Buffalo zu Silvester 15 % auf alle PeepToes gibt und ich 10 % bei H&M bekommen habe? Und der fette 10 EUR Gutschein von Zalando? Soll ich das alles verfallen lassen? Weißt du eigentlich, was das für Werte sind? Na, du bist mir ja eine tolle Geschäftsfrau.", stelle ich kopfschüttelnd fest.

Ich wundere mich immer wieder darüber, wie unbedarft Claudia in Geldfragen ist. Sie erkennt überhaupt keine guten Gelegenheiten. Sogar die Gewinne und Kreditangebote, die manchmal in der Post sind, schmeißt sie einfach weg. Kann man sich sowas vorstellen?

Zum Glück denke ich ständig mindestens zwei Schritt voraus und lasse mir keine Gelegenheit zum Sparen entgehen. Wozu habe ich schließlich ein Hochleistungshirn, aber sie versteht es natürlich nicht: "Sag mal, Claudie: Hast du überhaupt die geringste Vorstellung davon, was mir das in der Vergangenheit schon alles eingebracht hat?"

"Ja.", erwidert Claudia trocken: "47,50 EUR."

"Tinky Winky, du musst endlich anfangen, zu sparen. Sonst wird das nichts mit deiner Reise und du stehst nach einer Woche schon wieder vor der Tür. Schuhe hast du doch nun wirklich genug und deine Lebensmittel musst du auch nicht unbedingt im edelsten Feinkostmarkt der Stadt einkaufen. Warum gehst du nicht mal zu ALDI, oder zu LIDL? Mehr Geld kann man doch gar nicht sparen."

Hmm, na gut. Vielleicht hat Claudia Recht, wenn auch nicht in der Schuhfrage. Aber wenn das stimmt, und man bei diesen Discountern wirklich alles billiger bekommt, warum nicht? Ich habe schon mal etwas über diese neuen Märkte gelesen und vielleicht gibts ja sogar hier in Kiel eines von diesen ALDI Geschäften. In Zukunft werde ich also beim Discounter einkaufen. Es ist ja auch völlig egal, wo ich nun meinen Blanchet, die Fuet und den Ofenkäse in den Einkaufswagen lege. Ich kenne da keine Vorurteile. Ich hoffe nur, dass die da Einkaufswagen haben...?

Außerdem finde ich es immer total spannend, eine neue Fleischabteilung auszuprobieren. Und selbst wenn sie kein Charolais Rind haben sollten, dann nehme ich eben Schottisches Angus Beef. Ich bin da nicht so festgelegt, denn wer sparen will, der muss auch mal bereit sein, zu verzichten.

Samstag, 27. November 2010

Woher kommen deine Bilder?

Svenja-and-the-City auf Fotosafarin in Kiel"Claudia?", trompete ich fröhlich ins Telefon. "Kannst du in zehn Minuten bei mir sein? Wir müssen Fotos machen. Ich habe tausend neue Ideen für den Blog."

Schweigen am anderen Ende der Leitung.

"Claudia? Bist du da?" 

"Sag mal, Tinky Winky, weißt du eigentlich wie spät es ist?" 

"Keine Ahnung. Gleich Mittag schätze ich. Ich habe mir gerade so ein XXL-Schnitzel von ALDI gemacht." 

"Es ist ZEHN nach ACHT! Du rufst mich Samstag früh um zehn nach acht an, weil du Fotos machen willst?" 


"Nein, natürlich nicht. DU sollst doch die Fotos machen. Habe ich den Meisterbrief als Fotografin, oder du?", gebe ich leicht zickig zurück. "Ich liege aber noch im Bett und schlafe."

"Na und? Dann stehst du eben auf. Oder willst du dein ganzes Leben im Bett verbringen? Ich steh hier schon im Mantel und hab alles genau geplant. Wir müssen heute die Schulfotos machen. Eins vor Haupt und eins vor Gymi. Und ich brauch noch ein Bild, wo ich vor einer Apotheke stehe. Und wenn wir damit fertig sind, gehen wir zu ALDI. Du musst ein Foto von mir machen mit Einkaufswagen vor ALDI.

Und danach fahren wir zu mir und bauen die Studioblitzanlage auf. Ich brauch noch jede Menge Fotos. Mir gehen allmählich die Bilder für neue Postings aus. Wann kannst du ungefähr hier sein?"

Schweigen in der Leitung.

"Claudia? Bist du wieder eingeschlafen? CLAUDIA!" 

"Hmmm, was...? Oh, entschuldige. Ja, ist gut, Tinky Winky, ich zieh mich eben an und komm dann zu dir rüber." "Ja, ok, aber versuch dich ein bisschen zu beeilen, ja?" Zum Glück kann sie nicht sehen, wie ich dabei mit den Augen rolle.

Meine Güte, sind eure Freunde auch so verschlafen? Ich bin nun wirklich ein geduldiger Typ, aber Claudia schafft mich immer wieder. Sie hat echt totales Glück, dass sie gerade mich zur Freundin hat. 

Fazit: Die Fotos für meinen Blog entstehen auf ganz unterschiedliche Weise. Manche Bilder sind Schnapp­schüsse, die ich unterwegs mit dem Selbstauslöser der kleinen Lumix mache und für andere Fotos spreche ich Passanten an: "Entschuldigung, können Sie bitte mal ein Foto von mir machen, wie ich hier so stehe und total süß dabei aussehe? Und jetzt nochmal von weiter weg. Und nochmal mit Blitz und nochmal ohne und..." Erstaunlich, wie geduldig manche Menschen sind.

Doch viele Aufnahmen für den Blog macht meine beste Freundin Claudia, die tatsächlich einen Meisterbrief als Fotografin hat (und mich dabei mit ihrem Langmut und ihrem Perfektionismus regelmäßig zur Weißglut treibt).

Samstag, 21. August 2010

Kiel bloggt

Svenja am Stand der Kieler Nachrichten
"Das ist doch ein ganz toller Artikel, den die Kieler Nachrichten über dich und deinen Blog geschrieben haben.", trom­petet es aus meinem Telefon.

"Ja, schon.", entgegne ich mit dürren Worten.

"Das ist alles? Obwohl da sogar etwas von charmant und schön ge­schrieben steht? Sonst flippst du doch beim kleinsten Kompliment jedesmal völlig aus? Ich erinnere mich noch an den einen Abend im Theater, als dieser junge Schauspieler zu dir gesagt hat..."


"Es reicht.", unterbreche ich Claudia schnell. Ich kann die alte Geschichte schon nicht mehr hören. "Ich hatte vielleicht ein halbes Glas Sekt zuviel getrunken und mein Heiratsantrag war ja auch nicht wirklich ernst gemeint."

"Ha!", lacht Claudia laut auf, so dass ich mir das Telefon ein Stück vom Ohr weghalten muss: "Das hat seine Frau damals aber völlig anders gesehen. Du hattest Glück, dass sie nur 1,60 war und du mit Pumps fast 1,90. Na gut, lassen wir das. Also, was passt dir nicht an dem Artikel?"

"Charmant und schön, ja ja.", platzt es aus mir heraus. "Das stimmt ja auch alles, aber ich hatte natürlich gehofft, die schreiben vielleicht „total schön“, oder wenigstens "sehr schön". Und nicht ein Wort von meiner ganzen Bescheidenheit und auch nicht darüber, wie schlau ich bin und dass ich irre viel Ahnung von Motorrädern hab und auch noch total gut kochen kann.

Und außerdem hatte ich es so verstanden, dass ich auf der Titelseite bin und nicht erst auf Seite 20 kurz vor den Todesanzeigen. Wer hat denn je eine Zeitung bis Seite 20 gelesen? Der ganze Artikel klingt überhaupt so, als wenn ich eine von diesen oberflächlichen Elsen bin, die immer nur geschminkt und schön sein wollen, oder?"
Schweigen in der Leitung.
"Claudia? Hast du gehört, was ich gesagt habe?"
"Äh, ja."
"Na und?"
"Aber nein, Tinky Winky.", versichert Claudia mit gequälter Stimme. "Du bist nun wirklich keine von diesen oberflächlichen Elsen, denen es nur auf ihr Aussehen ankommt."

Svenja in den Kieler Nachrichten Serie KN Kiel bloggtFazit: Ich finde es klasse, dass die Kieler Nachrichten unter der Überschrift "Kiel bloggt" eine Serie über die Kieler Bloggerszene aufgelegt haben. Hoffentlich werden noch viele weitere Kieler Blogger vorgestellt.

Ein wenig schade ist es, dass die Serie in den Kommentaren der Onlineausgabe bislang noch so wenig Resonanz findet.


Ganz nebenbei wird mir beim Lesen des Artikels bewusst, dass ich diesen Monat ein kleines Jubiläum feiern kann.

Fünf Jahre ist es her, dass ich wieder nach Kiel gezogen bin und kurz darauf den Switch von Sven zu Svenja gewagt habe und ebenso lange gibt es meinen Blog, Svenja-and-the-City. Puh, das war ein weiter Weg von hier bis heute.

Dienstag, 6. Juli 2010

Ladies only?

Svenja probiert Motorradsachen bei Louis in Kiel"Du musst sofort herkommen!", brülle ich Claudia am Handy ins Ohr. "Und ich brauch die Nummer von Amnesty International. Und die von der EU. Am besten die vom Chef. Und komm schnell, ich warte hier. Ich bin bei Louis in Kiel."

"Immer mit der Ruhe, Tinky Winky. Was ist denn nun schon wieder passiert? Und du darfst mir gerne erst einmal guten Morgen sagen, bevor du mich anschreist."

"Guten Morgen, guten Morgen! Und jetzt komm schnell. Ich bin hier einem ungeheuren Fall von Diskriminierung auf die Spur gekommen. Aber diesmal haben sie einen Fehler gemacht, ich habs nämlich schriftlich. Du musst sofort kommen und deine Kamera mitbringen. Ich brauch Beweisfotos."

"Beweisfotos? Amnesty International? Die EU? Sag mal, bist du betrunken, oder haben dir die Hormone jetzt endgültig das Hirn vernebelt?"

"Entschuldige Claudie. Ich vergess immer wieder, dass du bloß normalbegabt bist und nicht alles gleich kapierst. Also hier die Kurzfassung: Ich bin heute morgen zu Louis und wollte ein paar Motorradhosen anprobieren. Und wie ich die erste Hose so vom Bügel nehmen will, sehe ich plötzlich dieses knallrote Warnschild: Ladies only! Ich dachte, mich trifft der Schlag. Das geht eindeutig gegen Transsexuelle. Aber nicht mit mir. Damit haben wir sie im Sack."

"Sag mal, spinnst du jetzt komplett? Die Schilder bedeuten doch nur, dass die Sachen einen weiblichen Schnitt haben. Sonst nichts. Du bist einfach nur einem blöden Werbespruch aufgesessen. Mit Diskriminierung hat das nichts zu tun. Die Sachen sind nur extra für die weibliche Figur geschneidert und du bist doch eine Frau, oder nicht?"

Spinner in Feinstrumpfhosen"Ja schon, aber meinst du wirklich? Denkst du, ich kann die Hose einfach mal anprobieren, ohne dass es hier gleich einen Riesenärger gibt und die mich im hohen Bogen rausschmeißen?

Sonst hab ich nämlich zur Sicherheit schon daran gedacht, meine ganzen Unterlagen mitzubringen. Die über meine Transsexualität und natürlich auch die Urkunde für die Namensänderung. Und vielleicht noch ein paar leere Hormonpackungen. Das würde ich dann alles an der Kasse auf dem Tresen ausbreiten, damit die gleich sehen, dass ich es ernst meine und nicht nur ein Spinner in Feinstrumpfhosen bin, der mal heimlich Frauensachen anprobieren will.

Dann könnte ich denen hier alles erstmal ganz in Ruhe erklären. Sag mal, meinst du, es reicht aus, wenn ich das nur einem von denen sage, oder soll ich lieber gleich alle informieren? Am besten gehe ich wohl über den Chef, damit der die Angestellten für mich zusammentrommelt.

Hoffentlich kriege ich da Strom für meinen Beamer. Die wissen ja bestimmt alle nicht soviel wie ich." "...weil du ja hochbegabt bist und die nicht?", unterbricht Claudia mich in süffisantem Tonfall. "Ja genau, aber deshalb guck ich ja nicht gleich auf die runter, nur weil die alle ein bisschen dööfer sind als ich. Dafür kann ja schließlich keiner was."

"Nein, dafür kann nun wirklich keiner was.", stimmt Claudia mir zu. "Weißt du was, Tinky Winky? Im Grunde deines Herzens bist du ein richtiger Philantrop."

Ist das nicht total ätzend, wenn Leute Fremdwörter benutzen, die sie gar nicht richtig verstehen, nur weil sie auch mal irgendwas schlaues sagen wollen? Denn was hab ich auf einmal mit Briefmarken zu tun...?

Mittwoch, 30. Juni 2010

Meine blonden Momente - Wo ist das Auto?

Svenja bei PLAZA in Kiel"Weiiiiiber!", lache ich höhnisch. Manchmal sind die sogar zu dämlich, um vorm Supermarkt ihr eigenes Auto wiederzufinden. Wie blöd kann man eigentlich sein?!

Allerdings erinnere ich mich in diesem Moment selbst nicht mehr so ganz genau daran, wo ich vorhin mein Auto abgestellt habe.

Sicher hat mein Hochleistungshirn beim Einparken wieder Nichtlineare Gleichungen berechnet und war dadurch abgelenkt. Manchmal tut es das nämlich
, um sich nebenbei ein wenig zu beschäftigen. Deshalb kann man in meinem Fall auch nicht von Dämlichkeit reden. Außerdem ist dieser PLAZA Parkplatz wirklich ganz schön groß...

Glücklicherweise verfüge ich als Hochbegabte automatisch auch über die kognitiven Fähigkeiten, um jeden Gegenstand alleine durch die Kraft meiner Gedanken wiederfinden zu können. Das ist natürlich das Gute an so einem HighSpeed hirn. Also, ganz systematisch: Als ich hier raufgefahren bin, hat Britney Spears im Radio gerade gesungen: "I'm not a Woman." Das ist doch schon mal eine prima Spur.

Und genau vor mir hat diese dicke Frau in rosa Crocs ihren Einkaufswagen vorbeigeschoben. Sie hatte eine Kiste Cola und Kartoffelchips im Wagen. Ich weiß noch ganz genau, dass das Chio Chips waren. Und das ich sie angehupt habe, weil sie so langsam geschoben hat. Sie hat dann noch gewunken. Das ist eine weitere erstklassige Spur.

Svenja sucht ihr Auto

Beim Aussteigen habe ich mich dann total über die weißen Striche gewundert und warum die schräg unter meinem Auto vorkommen. Vermutlich alle schief aufgemalt. Manche Leute sind einfach sowas von unfähig. Und da steht mein Auto auch schon. Man muss einfach nur ein bisschen nachdenken.

Fazit: Manchmal ist es schon total super, wenn man hochbegabt ist und alles schnell wiederfinden kann. Und manchmal ist es auch super, bequeme Schuhe anzuhaben, um diesen verdammten PLAZA Parkplatz zweimal komplett hoch und runter zu stöckeln auf der Suche nach dem eigenen Auto :-(
Passieren eigentlich nur mir solche Dinge?

Montag, 7. Juni 2010

Germany's Next Kawasaki Girl

Svenja Svendura auf Kawasaki KLX250„Fährst du mich nachher kurz mal nach Neumünster?“, frage ich Claudia am Telefon.

„Erstens heißt das 'BITTE' und zweitens hast du doch selbst ein Auto? Und sag bitte nicht, dass du schon wieder zu Kawasaki willst und jetzt eine Dumme suchst, um die Fotos zu machen, während du wieder deine große Show abziehst.“

„Ich ziehe überhaupt keine Show ab. Das tue ich niemals.“ zicke ich beleidigt zurück. „Ich will nur Verbindung aufnehmen.“

„Verbindung aufzunehmen? Mit wem nimmst du denn Verbindung auf?
„Ich nehme Verbindung auf mit der kleinen grünen Kawasaki, die da steht.“


„Oh nein, nicht schon wieder. Das heißt, falls die da überhaupt noch steht. Wahrscheinlich haben sie die längst im Schuppen versteckt, weil sie die Nase voll haben von deinen Auftritten und dir erzählen sie, dass sie verkauft ist. Das ist zwar ein Showroom, aber für MOTORRÄDER und nicht für irgendwelche durchgeknallten Mofa-Girls.“

„Das mit dem verkauft kann schon sein.“ erwidere ich süffisant und mache total auf geheimnisvoll. „Und zwar an M-I-C-H.“ „Du hast WAS? Ein Motorrad gekauft? Wovon denn? Du hast doch nie einen Pfennig auf der Naht und bist dauernd pleite. Wovon solltest DU dir ein Motorrad kaufen können?“

Meine Güte, hat diese Frau eine lange Leitung. Vielleicht kommt es mir aber auch nur so vor, weil ich hochbegabt bin und sie nicht. Für mich spielt sich so eine Diskussion quasi in Zeitlupe ab, weil mein Gehirn die Informationen ja viel schneller verarbeiten kann.

„Gespart.“, gebe ich einsilbig zurück. „Vom Munde abgespart.“ „Ach! DESHALB muss ich also schon seit Wochen Sonntags das Frühstück bei Tackmann alleine bezahlen. Von wegen dein Portmonee vergessen. Du hast dir das Motorrad von m-e-i-n-e-m Munde abgespart.“
„Meine Güte, wie kann man wegen einer Tasse Kaffee so einen Film drehen. Davon kriegt man noch lange kein Motorrad.“, gebe ich beleidigt zurück.

Tinky Winkys Tuningtipps sind nicht willkommen„Eine Tasse? Literweise hast du das Zeug getrunken und dich dazu mit Eiern, Mett und Schinken vollgestopft. Die Leute haben schon rübergeguckt, was das für eine verfressene Else ist.“, regt Claudia sich immer weiter auf. „Ich bin keine verfressene Else.“, verteidige ich mich. „Hast du überhaupt die geringste Ahnung davon, wieviele Kalorien so ein Hochleistungsgehirn beim Denken verbraucht? Also fährst du mich jetzt, oder nicht?“

„Na gut, ich fahre dich. Schon damit du dort keinen Blödsinn machst.“, seufzt Claudia resigniert. „Aber unter einer Bedingung: Du gibst den Männern in der Werkstatt keine guten Tipps mehr, Tinky Winky. Als du letztes Mal in deinem Minikleid mit Peeptoes nach hinten in die Werkstatt gestöckelt bist und da deinen Vortrag über Die Grundlagen der Motorentechnik gehalten hast...“

„Wieso, was war denn damit?“ „Nun ja, ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich so gut angekommen ist, wie du glaubst. Einige von den Gesellen haben ziemlich bissig geguckt und der Meister sah nicht amüsiert aus. Und deine tollen Tricks, mit denen du 1976 deine Kreidler frisiert hast, die wollte auch niemand hören. Vielleicht funktionieren die ja bei der neuen 200PS Ninja gar nicht?"

„Natürlich würden die funktionieren. Ist doch dasselbe Prinzip. Die waren doch nur beleidigt, weil ein Mädchen viel mehr Ahnung von Motorrädern hat, als die selber.“

„Ja, das wird es wohl gewesen sein. Die waren nur beleidigt, weil du so "total viel Ahnung" von Motorrädern hast, Tinky Winky. Und von Kochen natürlich. Ich hol den Twingo und dann können wir los.“

Bedienungsanleitung Kawasaki KLX250 Enduro“ border=

Mittwoch, 2. Juni 2010

Der 7. Sinn mit Svenja

Svenja putzt ihre Motorradstiefel„Du machst W-A-S?“, fragt Claudia ungläubig, als ich ihr von meinem neuesten Projekt berichte.

„Ich geb denen in meinem Blog jetzt immer ganz tolle Tipps, weil die sich ja nicht so gut auskennen wie ich.“, erwidere ich und klinge dabei so be­scheiden, wie nur möglich.

„Womit kennst DU dich denn gut aus?“, fragt Claudia und denkt wahrscheinlich, dass ich den spöttischen Unterton nicht bemerke. Ich bemerke ihn aber sehr wohl.

„Na mit fast allem. Mit Motorrad­fahren und mit Auto­fahren und mit Computern und so. Und mit Kochen natürlich auch.“, schiebe ich eilig hinterher.


„Und als Hochbegabte darf ich ja nicht auf die Leute runtergucken, sondern soll denen lieber was von meinem Wissen abgeben. Die können ja nichts dafür, dass sie...“
„...doof sind?“
, beendet Claudia meinen Satz.
„Nein, nicht doof. Jedenfalls nicht richtig. Die kennen sich eben nur nicht so gut aus mit allem."

„So gut wie DU, meinst du? Aber nein, natürlich nicht. Wie sollten sie auch?“, fragt Claudia und ich merke, dass sie jetzt erst verstanden hat worum es mir geht. Manchmal hat sie wirklich eine ziemlich lange Leitung.

„Das ist aber wirklich sehr großzügig von dir, Tinky Winky, die Menschheit dermaßen selbstlos an deinem ungeheuren Wissensschatz teilhaben zu lassen. Wo du dich doch mit allem so gut auskennst. Und mit Kochen natürlich.“

„Ach das ist doch selbstverständlich.“, winke ich ab. "Man hat ja auch eine Verantwortung.", füge ich hinzu und bemühe mich, meiner Stimme einen feierlichen Klang zu geben. Dennoch merke ich, wie ich ein wenig rot werde vor Stolz über dieses ehrliche Kompliment.

Fazit: In meinem ersten Beitrag zum Thema Sicherheit auf dem Motorrad, ermahne ich euch eindringlich, nur in geeigneter Schutzbekleidung aufs Motorrad zu steigen. Ich appelliere an alle Biker, nicht länger in PeepToes zu fahren. Nicht einmal dann, wenn sie aus echtem Leder sind. Die PeepToes, nicht die Biker.

Svenja tauscht die PeepToes gegen Motocross Stiefel

Sonntag, 30. Mai 2010

Svenja nervt

Svenja träumt von einer Kawasaki KLX250„Ist das nicht ein Mist­wetter?“, schimpft Claudia zur Begrüßung, als sie mir ihre Woh­nungs­tür öffnet.

„Also vorhin in Neu­münster schien die Sonne und es war total schön.“, gebe ich stolz zurück.

„Neumünster? Was hast du denn heute morgen schon in Neu­münster gemacht?“ fragt Claudia und guckt dabei miss­trauisch durch ihre schmale Gold­rand­brille.

Mist, jetzt habe ich mich verplappert: „Ach nichts, ich hab nur jemanden besucht.“

„In Neumünster? Wen kennst du denn in Neu­münster?“


„Niemanden!“, weiche ich aus. „Und kennst du sowieso nicht.“

„Oh nein. Ich ahne etwas. Sag mir sofort, dass du nicht schon wieder in diesem Kawasaki Geschäft warst.“

„Na und? Wenn schon! Ist doch meine Sache.“, fauche ich zickig zurück und ärgere mich, dass ich überhaupt von Neumünster angefangen habe.

„Jetzt hör mir mal zu, Tinky Winky. Du kannst da nicht jeden Samstag auftauchen und stundenlang in deinem Mikromini um dieses Motorrad herumtänzeln. Ich verstehe sowieso nicht, warum du dich dabei immer so aufbrezeln mußt.“

„Ich bin überhaupt nicht rumgetänzelt. Und außerdem hast du absolut keine Ahnung vom Geschäftsleben. Da zieht man sich immer total hübsch an, wenn man Fachgespräche führt. Gerade als Frau. Sonst nimmt einen nämlich keiner richtig Ernst.“

Sonst nimmt eine Frau niemand ernst„Fachgespräche? Was führst du denn für Fachgespräche? Ich hoffe nur, du hast dich diesmal nicht wieder draufgesetzt und Blödsinn gemacht. Die haben dich letztes Mal schon für balla balla gehalten.“

„Das haben die gaaar nicht getan! Und man kann sich da sowieso nicht mehr draufsetzen, weil die Kawa jetzt auf so einem Gestell steht. Der Händler hat gesagt, weil das irgendwie besser ist für die Stoßdämpfer.“

„Oh, nein.“, stöhnt Claudia. „Merkst du denn gar nichts? Besser für die Stoßdämpfer? So ein Quatsch. Du fängst einfach an, denen auf die Nerven zu gehen. Und dann immer deine blöde Fragerei: Passt die auch zu mir? Seh ich gut aus darauf? Bin ich auch nicht zu fett dafür? Gibst die auch mit rosa Sitzbank?“, äfft Claudia meine Stimme nach.

„Also erstens hab ich das mit der Sitzbank diesmal überhaupt nicht gefragt und zweitens haben die Jungs im Laden gesagt, dass ich total schön mit der KLX aussehe. Und die dürfen einen Kunden nicht anlügen, weil das ein offizieller Händler ist und weil man die sonst hinterher bei der EU verklagen kann.“

„Verklagen? Bei der EU?“, Claudia rollt mit den Augen, weil sie natürlich genau merkt, dass ich mal wieder recht habe. "Das hatte ich total vergessen.", gibt sie resigniert auf. "Ach das ist doch nicht so schlimm. Für sowas hast du ja mich.", lenke ich bescheiden ein.

Fazit: Mir macht es nichts aus, wenn ich Claudia immer alles erklären muss und ich bin sogar ein wenig stolz darauf, was sie alles schon von mir gelernt hat. Trotzdem ist es für mich manchmal total anstrengend, wenn Leute so völlig weltfremd sind.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Besuch beim Arzt

Svenja im Minikleid mit Overknee StiefelnHeute habe ich einen Termin beim Doc zur abschließenden Untersuchung, damit ich am Montag endlich wieder zum Dienst stöckeln kann.

Zwei Monate ist es her, dass ich nachts mit Bauch­schmerzen aufgewacht bin. Blind­darm­durchbruch, Krankenhaus, zwei Operation, es ist unglaublich, wie die Zeit vergeht, wenn man sich nur gut unterhält.

Claudia hat angeboten, mich zu fahren und steht morgens pünktlich vor meiner Tür. Ich freu mich schon total auf den kleinen Ausflug, weil mir hier nämlich langsam die Decke auf den Kopf fällt. Aber natürlich muss SIE gleich wieder anfangen rumzustänkern:


„Zieh dich an, damit wir endlich los können.“
„Ich bin angezogen.“, gebe ich verständnislos zurück.
„Du willst doch nicht ernsthaft in diesem Aufzug zum Arzt fahren, oder?“ Was passt ihr denn jetzt schon wieder nicht? Ich versteh nicht mal die Frage.
„Wieso denn nicht?“, zicke ich bissig zurück und ziehe dabei so ganz leicht die Oberlippe hoch, weil es trotziger wirkt.
„Weil das aussieht, als ob da noch zehn Meter Bordstein zugehören.“, belehrt Claudia mich.
„Bordstein? Versteh ich nicht. Das ist meine neue Motorradjacke und die sieht doch total schön aus.“
„Die Jacke mein ich nicht, Tinky Winky, und das weißt du auch ganz genau. Ich mein das T-Shirt.“
„Das ist ein Kleid.", gebe ich beleidigt zurück. "Das hab ich schon ganz lange, aber jetzt passt es mir endlich mal. Ich dachte, damit kommen die zur Untersuchung besser an den Bauch ran. Das spart ja auch Zeit. Und außerdem will ich kein Risiko eingehen. Oder hast du schon vergessen, wie ich aus dem Städtischen rausgeflogen bin, nur weil ich denen nicht hübsch genug war?!
Das Kleid lass ich an, aber über die Schuhe können wir meinetwegen reden. Meinst du auch, ich soll lieber die pinken Buffalo Pantoletten anzuziehen, die unterm Bett stehen? Die kann ich viel schneller ausziehen, wenn ich auf die Untersuchungsliege soll. Das spart ja nochmal Zeit..."
"Mach doch, was du willst, Tinky Winky. Ich bleib diesmal sowieso unten im Auto sitzen."
Meine Güte, kann die Frau zickig sein, denke ich bei mir ...

Fazit: Ich würde mich für einen Arztbesuch natürlich nicht extra aufbrezeln, aber so ein bisschen gepflegte Kleidung, wenn man zum Arzt geht, ist doch ganz normal, oder?

Sonntag, 18. April 2010

Vorfälle im Krankenhaus

Svenja als Transgender im KrankenhausVersucht einmal, euch meine Situation vorzustellen. Ich gehe in die Klinik mit Bauchschmerzen. In der Aufnahme zeige ich meine Versichertenkarte und die Über­weisung vom Hausarzt. Beides auf Frau Svenja ausgestellt.

Natürlich steht da kein Warnhinweis drauf, dass ich als Transgender für zwei, drei kleine Über­raschungen gut bin. Und ich selbst habe überhaupt keine Ahnung, wie ich mich verhalten soll. Muss ich eine Erklärung abgeben? Vielleicht einfach aufstehen, in die Hände klatschen und kurz um Aufmerksamkeit bitten? Ich bin ratlos und tue, was ich in solchen Situationen immer tue, nichts. Die merken im OP noch früh genug, dass bei mir etwas anders ist, als bei handelsüblichen Frauen.

Blende und Schnitt: Eine Stunde später in meinem Krankenzimmer. Eine fröhliche junge Lernschwester hilft mir beim Umziehen in das OP-Hemd. Alleine kriege ich das nicht mehr hin. Im Arztbrief steht später: „Die Patientin erschien bereits in deutlich reduziertem Allgemeinzustand.“ Keine Ahnung, was das genau bedeutet, aber jetzt heißt es, ich brauche Hilfe beim Umziehen.

Ich möchte die junge Schwester nicht schockieren und fühle mich verpflichtet, etwas zu sagen: „Sie wissen ja sicher schon, dass ich die Frau mit dem Geburtsfehler bin. Ich trage die Eierstöcke außen.“ Wir müssen beide lachen. Sie hatte die Story längst brühwarm von der Aufnahme gehört, wo es dem Doc inzwischen unangenehm war, mich nach einer Schwangerschaft gefragt zu haben. Ob er mir zu nahe getreten sei? Aber nein, das war ein total süßes Kompliment. Davon werde ich noch Monate zehren.

Blende und Schnitt: Zehn Tage und zwei Operationen später. Ich beginne mich zu langweilen und gehe auf Patrouille. Vielleicht entdecke ich etwas und kann ein, zwei Anzeigen fertigen und mir später dafür Überstunden aufschreiben. Und tatsächlich, was entdeckt das geschulte Auge des Gesetzes? Mein Bett hat eine TÜV-Plakette und die ist 2007 abgelaufen. Das macht 75 Euro Bußgeld und 2 Punkte in Flensburg. Pro Bett. Ich rechne kurz hoch. Die Klinik hat ca. 640 Betten, das sind 48.000 Euro und 1.280 Punkte. Dafür gibt nicht nur der Verwaltungsdirektor den Lappen ab, sondern auch das gesamte Personal bis runter zu dem Typen, der im Foyer die Brötchen verkauft. Ich bin jedoch in Geberlaune und belasse es bei einer mündlichen Verwarnung.

Zwei Tage später aber geschieht etwas, darüber werde ich nicht hinwegsehen. So eine Frechheit ist mir im ganzen Leben noch nicht passiert. Als Claudia mich kurz darauf besucht, bin ich noch immer völlig außer mir.

Reizlos Narbe heilt gutClaudia: „Guten Morgen, Svenja. Na, wie gehts?“
Ich, ohne auf ihren Gruß einzugehen: „Ich bin noch niemals so beleidigt worden. Stell dir vor, die schmeißen mich hier raus, weil ich den Ärzten auf einmal nicht mehr hübsch genug bin!“
Claudia: „Was ist denn jetzt schon wieder passiert? Nicht hübsch genug? Spinnst du?“

Ich, mit Zittern in der Stimme: „Eben war die weiße Wolke hier zur Visite. Und da hat dieser eine junge Arzt, du weißt schon, der mit den dunklen Haaren, der ganz gut aussieht, gesagt: Darf ich mal einen Blick auf ihren Bauch werfen? Und ich total nett: Aber natürlich, Herr Doktor. Und ziehe voller Vertrauen mein Nachthemd hoch. Schließlich sind das doch Ärzte.
Jedenfalls guckt der Doc auf meinen Bauch, natürlich genau auf die hässliche, frisch zugenähte Narbe und weißt du, was er zu mir sagt?“
Ich kann die Tränen jetzt kaum noch zurückhalten.
„Was denn?“, fragt Claudia mit Ratlosigkeit in der Stimme.
„Reizlos, vollkommen reizlos. Sie können morgen nach Hause gehen.“

Claudia: „Ja, aber...“
„Nichts, ja aber“ unterbreche ich sie wütend. „Können die sich denn alles rausnehmen nur weil das Ärzte sind? Geht es hier jetzt nach dem Aussehen? Ich weiß ja selber, dass ich momentan nicht besonders reizvoll aussehe, aber...“
Claudia: „Jetzt hör doch erstmal zu, Tinky Winky. Der meint doch nicht dein Aussehen, sondern nur deine Narbe. Reizlos heißt doch bloß, dass die gut verheilt und nicht mehr so gerötet ist. Kein Grund zur Aufregung.“

Ich: „Ha, ha. Du hast ja auch nicht sein Gesicht gesehen. So guckt man nicht auf den Bauch einer Frau, die vor einem im Bett liegt und sagt: Reizlos, vollkommen reizlos. Der müsste mich mal am Wochenende im Nightfever sehen in meinen neuen Overknee Stiefeln. Den schwarzen mit den Nieten, du weißt schon, welche ich meine.“
Claudia: „Ja, ja, ich weiß, welche du meinst.“

Reizlos Narbe heilt gutIch: „Das sind jetzt schon drei Vorfälle weshalb ich den Verwaltungsdirektor anrufen werde. Und genau das mach ich auch, verlass dich drauf.“
Claudia: „Drei Vorfälle? Was denn für Vorfälle?“
Ich: „Hörst du mir nie zu? Da war zuerst die Sache mit dem abgelaufenen TÜV von meinem Bett und heute, dass die Ärzte mich zu hässlich finden für die Station. Und dann noch die Sache mit dem Tomatensalat."
„Die Sache mit dem Tomatensalat? Was denn für ein Tomatensalat?“
Ich: „Ganz genau: Was denn für ein Tomatensalat? Der, den ich letzten Dienstag extra auf meinen Essenzettel geschrieben habe und der bis heute nicht gekommen ist. Sollen die denn hier mit allem durchkommen? Ich bin nun echt keine von diesen schwierigen Zicken, die sich dauernd über alles beschweren müssen, aber das geht zuweit. Nur weil ich ein schwaches Mädchen bin...“

„Nein.“
, stimmt Claudia mir zu und verdreht dabei die Augen, weil sie wahrscheinlich glaubt, ich sehe das nicht:
„Du bist nun wirklich keine von diesen schwierigen Zicken.“

Fazit: Einem Blogger kann kaum etwas Besseres passieren kann, als eine Weile im Krankenhaus zu liegen. Mehr Stoff für Postings findet man nirgends. Und sowie der Sinn für Humor wieder größer ist als das Aua, macht es auch Spaß, darüber zu schreiben.

Donnerstag, 15. April 2010

Neulich bei Kawasaki...

Svenja auf Kawasaki KLX 250 EnduroWieso gucken die Landeier so? Haben die noch nie ein Mädchen auf'm Motorrad gesehen? Egal. Ich hab jedenfalls extra meine Motorrad­stiefel und die neue Lederjacke angezogen. Vielleicht darf ich ja 'ne kleine Probefahrt machen.

Ich setz mich im Laden auf die Kawa und bin auf Anhieb begeistert. Die kleine KLX250 wiegt kaum mehr als ich und ist außerdem megaschlank und total hochbeinig. Eine Eigenschaften, die ich überhaupt sehr schätze.

Ich träume gerade so schön von meiner ersten Tour und mache ganz leise Motoren­geräusche nach, da kommt der Verkäufer hinter seinem Tresen hervor und fängt an, mir irgendwelche Neben­­sächlich­keiten an den Kopf zu werfen: "Einspritzer, PS, bla, bla, Newtonmeter, laber, Aluschwinge, bla, Digitalcockpit, laber...".

Was soll sowas? Das interessiert doch keinen normalen Menschen. Ich frage mich ernsthaft, wo solche Verkäufer geschult werden. Im Finanzamt? Zielsicher lasse ich ein paar Fachfragen los, damit er gleich merkt, dass ich selber total Ahnung habe und nicht irgendeine blöde Tusse bin, der man alles erzählen kann: "Gibt es dazu von Kawasaki nicht sogar ein passendes Top mit Spaghettiträgern? Und grüne FlipFlops? Und diese eine total süße Crosshose?"

Svenja sieht nicht fett ausAuch die anderen Kunden im Laden hören jetzt aufmerksam zu. Damit hat natürlich keiner gerechnet, dass ein Mädchen sich so gut mit Motorrädern auskennt. Wahrscheinlich haben die meisten, die hier reinkommen, nicht mal halb soviel Ahnung wie ich.
Die wichtigste Frage von allen habe ich mir extra bis zum Schluss aufgehoben und stelle sie jetzt in die versammelte Runde: "Und ich sehe darauf auch ganz bestimmt nicht fett aus?"
Für einen Moment herrscht Schweigen. Solange bis der Verkäufer mühsam hervorpresst: "Aber nein, überhaupt nicht.", und mich damit vollends von der KLX überzeugt. Ich denke, er sagt die Wahrheit, sonst würde er ja niemals so mit den Augen rollen. Ich mag den Typen, eigentlich ist er gar nicht mal so unsympathisch...

Erst als ich den Kaufvertrag unterschreiben will, fällt mir ein, dass ich bei den ganzen Biker­gesprächen total vergessen habe, nach dem Preis zu fragen...

Svenja auf Kawasaki KLX250 Enduro Probefahrt Motorrad Weber Neumünster

Montag, 22. März 2010

Svenja-and-the-City auf eBay

Svenja im eBay Fotostudio
„Aber nicht die weißen Buffalo Clogs. Die will ich behalten.", nörgele ich und stampfe dabei leicht mit dem Fuß auf, wie ich das gerne tue, wenn ich Claudia die Meinung sage.
„Ich denke du willst jetzt eBay machen und das verd
iente Geld für ein neues Motorrad sparen?" „Ja, schon, aber nicht die Buffies. Und auch nicht die pinken Pantoletten mit der Korksohle."
Claudia verdreht die Augen: „Was willst du denn überhaupt bei eBay reinsetzen?"

„Ich könnte welche von meinen Stiefeln hergeben und auch ein paar Jeansröcke und Ballerinas. Ach ja, und ich hab noch das KTM Zelt und die ganzen alten Motorradsachen. Die kann ich ja wohl schlecht zu der neuen Kawasaki tragen."

„Ja, völlig unmöglich.", stimmt Claudia mir zu und verdreht dabei die Augen: „Alles muss natürlich nagelneu sein. Sag mal, hast du überhaupt eine Vorstellung davon, wieviele Jeansröcke und Ballerinas man verkaufen müsste, damit es für ein neues Motorrad reicht?"

„Keine Ahnung, ist doch auch erstmal egal."
, zicke ich mit meinem Lieblingsargument schlagfertig zurück. Diese negative Haltung hass ich nämlich total an ihr und noch mehr hasse ich es, wenn sie mich dabei so von oben über den Rand ihrer Brille ansieht. Meine Güte, ich bin doch kein Kind. So ein Aufstand, nur weil ich meine Buffalos nicht verkaufen will. Ich denke nämlich immer ein bisschen weiter, als die meisten Menschen und garantiert kommen die irgendwann wieder voll in Mode und dann wollen wir doch mal sehen, ob eine gewisse Frau Jemand immer noch ironisch über ihre Brille hinwegguckt. Aber soweit reicht es bei ihr natürlich wieder nicht.

Gerade habe ich den Studioblitz eingestellt, die Schirme und den Molton platziert, da geht das Gemecker schon wieder los: „Willst du Motorradsachen fotografieren oder Modeaufnahmen für die Bild-der-Frau machen?“

Jetzt bin ich echt sauer: „Wo steht denn bitte geschrieben, dass man sich nicht ein bisschen nett zurechtmachen darf, nur weil man Motorradsachen fotografiert?“
„Nett zurechtmachen? Ein bisschen? Du ziehst doch nicht ernsthaft das kleine Schwarze an, um deine alten MotoCross Handschuhe zu fotografieren?“


Ist sowas nicht absolut ätzend? Wie kann ein Mensch so negativ sein? „Wieso denn nicht? Das sieht doch total gut aus?!“ Claudias Genörgel geht mir voll auf die Nerven und ich merke, wie ich langsam bockig werde, aber jetzt erst Recht: „Und den Helm nehme ich im Bett mit Overknee Stiefeln auf!"

Fazit: Vielleicht kann ich mir ja mit ein paar eBay Auktionen ein bisschen was für mein Motorrad dazu verdienen. Mal sehen, wieviele Ballerinas, Stiefel und Jeansröcke man verkaufen muss, damit es für eine neue Kawasaki reicht. Im Lauf der nächsten Wochen stell ich die Sachen dann nach und nach bei eBay ein.
Und hier findet ihr
Svenja-and-the-City auf eBay.

Dienstag, 9. März 2010

Svenjas Transgender Schnelltest

Svenja Transgender Test in Minirock und Buffalo ClogsLeider gibt es in Apotheken noch keinerlei Teststreifen auf Transsexualität zu kaufen. Damit wäre alles ganz einfach. Du verschwindest für drei Minuten allein im Waschraum und anschließend hast du die Gewissheit: Lohnt es sich die Men's Health zu abonnieren, oder unterschreibst du besser doch bei Bravo Girl.

Aus diesem Grunde hat Svenja-and-the-City, der Blog für die rauhe Wirklichkeit, diesen Test für euch entwickelt.

Transsexualität ist nicht messbar, aber es gibt dennoch einige starke Indizien, die darauf hindeuten können, dass du trans bist. Vielleicht hat sogar dein Umfeld die Frau in dir schon lange bemerkt?



Du bist vielleicht transsexuell, wenn ...
  • ... es dir nie etwas ausgemacht hat, die Kleider deiner großen Schwester aufzutragen, obwohl du strenggenommen ihr Bruder bist.

  • ... du zwar jede Folge von Sex-and-the-City mitsprechen kannst, aber absolut keine Ahnung hast, wer oder was das A-Team ist.

  • ... Passanten dich feiern als hättest du gerade den Nanga Parbat allein mit einem Wurstbrot und einer Wäscheleine bestiegen, obwohl du nur deinen Smart in eine ganz normale Parklücke eingeparkt hast.

  • ... du keine Ahnung hast, wie man eine Krawatte bindet, aber ein perfektes 3-Schichten AbendMakeUp in weniger als 10 Minuten hinbekommst.

  • ... deine Schwester nicht mit dir zum AbiBall gehen will, solange du das gleiche Kleid trägst wie sie.

  • ... du bei Seenotübungen immer als Erster in ein Rettungsboot gesetzt wirst.

  • ... du dich bei Kawasaki für die neue 200 PS Ninja interessierst und der Händler sich die größte Mühe gibt, um dich von den zahlreichen Vorteilen der KLX250 zu überzeugen.

  • ... dich bei Computerproblemen nie jemand um Rat fragt, obwohl alle genau wissen, dass du beruflich eine absolute Expertin auf diesem Gebiet bist.

  • .... du dein Motorrad in die Werkstatt bringst, dem Meister dazu eine perfekte FehlerDiagnose lieferst und er dich mit väterlicher Stimme fragt, ob denn Benzin im Tank sei.

  • ... sich deine Mutter für eine Party megascharf aufgestylt hat und jetzt von dir die passenden Schuhe dazu ausleihen will.

Die Auswertung:

0 Treffer:
Entweder bist du ein schamloser Lügner, oder tatsächlich einer der wenigen NichtTranssexuellen. Aber sicher ist das noch lange nicht...

1 - 2 Treffer:
Noch kein Grund, um sich ernstlich Sorgen zu machen, aber zur Sicherheit stelle ich dir eine Zusatzfrage: Haben deine Mutter, oder deine Schwester jemals ein Kleidungsstück vermisst und nur du wusstest ganz genau, wo sie suchen müssten?

3 - 5 Treffer:
Ein solches Ergebnis sollte bereits für einen Termin beim Endikrinologen ausreichen. In jedem Fall solltest du dein Abo der Men’s Health nicht um ein weiteres Jahr verlängern.

ab 5 Treffern:
Dieses Ergebnis kannst du jetzt ausdrucken und deinem Antrag auf Vornamensänderung beifügen. Das Gericht wird vermutlich kein zusätzliches psychiatrisches Gutachten verlangen.

Fazit: Transsexualität kann man nicht testen und ist nur sehr schwer sicher zu diagnostizieren. Der Psychiater erstellt dazu eine sogenannte Differenzialdiagnose. Im Klartext: Der Doc versucht herauszufinden, ob ihr vielleicht einfach eine Klatsche habt. Wenn er nichts findet, geht er davon aus, dass es Transsexualität ist, die euch zu eurem Verhalten veranlasst.

Transsexualität kann man fühlen, aber man kann sie nicht messen. Wer auf fragwürdige Tests aus dem Internet vertraut, kann auch gleich mit meinem blödsinnigen 10-Punkte TransSchnelltest Vorlieb nehmen. Der ist mindestens ebenso seriös und genauso wissenschaftlich.

Ich selbst komme in diesem Test übrigens auf 7 Punkte und hätte mir die teuren Gutachten sparen können. Los, und jetzt will ich endlich wissen, wie ihr abgeschnitten habt. Aber seid ehrlich...!

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Guten Rutsch

Svenja Glanzleggings Silvester 2009 Schauspielhaus Theater KielHallo, ihr Lieben. Ich wünsche euch von ganzem Herzen einen guten Rutsch ins neue Jahr und natürlich eine fulminante Silvesterparty mit allem, das Spaß macht. Außer mit Kopfschmerzen natürlich.

Silvester werde ich zuhause verbringen und mir mit einer Freundin einen netten Weiberabend machen. Ich hab uns ein paar tolle Frauenfilme besorgt, und sie bringt alles Nötige für ein paar leckere Cosmopolitans mit. Wobei ich hoffe, dass Saw IV als netter Frauenfilm durchgeht. Sonst hab ich auch noch Wrong Turn.

Hauptsache, ich lande nicht später doch wieder ganz woanders. Mein letzter Abend allein zuhause endete schließlich auf so einer verrückten Latina Minirockparty.

Mein Jahresrückblick 2009 erscheint in den nächsten Tagen. Vorab aber zeige ich euch das Skandalfoto, welches einem unverschämten Paparazzi vor zwei Wochen im Kieler Schauspielhaus gelungen ist.

Dienstag, 29. Dezember 2009

Blonde Momente - Glühwein für Togo

Svenja Kiel Weihnachtsmarkt Holtenauer Strasse"Jetzt hör mal zu, Tinky Winky. Komm wieder runter. Das heißt 'zum Mitnehmen' und hat nicht das Geringste mit Togo in Afrika zu tun.", belehrt Claudia mich und guckt dabei missbilligend über ihre dünne Goldrandbrille hinweg.

"Ach, und du hast auf einmal die große Ahnung von der Weltpolitik, oder was? Zufällig bin ich selbst nicht ganz doof und na klar ist das eine Aktion zugunsten von Togo. Sonst müssten die nämlich auf gut Deutsch schreiben: Auch zum TakeAway." Claudia ist sonst echt nicht doof, aber ihr Englisch ist einfach grotte.

Ich bin jedenfalls von der Aktion begeistert und freu mich, dass ich helfen kann. Die Togoer unterstütze ich mit zwei Bechern heißem Glühwein. Natürlich mit Schuss, weil dann noch zwei Euro mehr in die Kasse kommen. Wieviel davon gespendet wird, hab ich leider nach dem zweiten Becher vergessen zu fragen. Aber das find ich auch noch raus.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Shopper from Hell

Svenja als Shopper from Hell bei Achim Freund Kiel Holtenauer StrasseMontag abend. Supermarkt. Tiefkühlabteilung. Ganz langsam schiebe ich meinen Einkaufswagen den Gang hinunter. Links die Fischstäbchen, rechts die Brechbohnen. Unauffällig beobachte ich aus den Augenwinkeln heraus eine junge Hausfrau. Langsam rollt sie in meine Richung und kommt immer näher. Ein wenig gehetzt sieht sie aus so kurz vor Ladenschluss. Ihr Wagen ist schwer beladen mit Getränken und Lebensmitteln. Ich bemerke, dass sie sich beim Schieben anstrengen muss.

„Jetzt bloß nicht die Nerven verlieren.“, denke ich. Es gilt exakt den richtigen Moment abzupassen. Wenn ich auch nur eine Sekunde zu früh dicht mache, kann sie mühelos anhalten und muss nicht ihr ganzes Gewicht aufwenden, um den schweren Trolly zu stoppen. Ich warte. Einen Moment noch, warten, warten… JETZT! Und mit einer lässigen Bewegung schiebe ich meinen Einkaufswagen am gestreckten Arm quer in den Gang. „Darf ich bitte mal durch?“, fragt mich die Shopping Fee. Ich höre die leichte Ungeduld in ihrer Stimme.

Für einen Moment schaue ich sie wortlos an mit meinem neuen Spezialblick: „Schätzchen, wer macht dir bloß die Augenbrauen?“ und denke dabei: „Nein, du dumme Q. Du kommst hier nicht durch. Jahrelang habt ihr mir eure blöden Einkaufswagen immer mitten in den Weg gestellt. Aber heute ist Pay Day. Geh doch einfach anders rum, oder kauf gleich bei ALDI. Da gibts auch Rosenkohl.“

Laut sage ich aber: „Oh, selbstverständlich. Entschuldigung.“, und provozierend langsam ziehe ich meinen Einkaufswagen zur Seite. Gerade eben soweit, dass sie sich mit einem gequälten Lächeln zwischen Einkaufskorb und Fischstäbchen hindurchzwängen kann.

Ich fühle mich wunderbar, frei und stark. Auf einer Woge des Glücks schiebe ich meinen Wagen weiter in den Gang mit den Konservendosen, denn wer da einkauft, bei dem soll es wohl schnell gehen. Aber nicht heute! Denn heute ist Svenja unterwegs und sie hat eine Mission.

Und in der nächsten Woche lernen wir, wie man an der Kasse die Einkäufe mehrerer Kunden vom Laufband zusammenwürfeln lässt, indem man selbst seinen Kram einfach nicht wegräumt. Wir üben das provozierend langsame Einstecken von Wechselgeld, das Nachrechnen endloser Kassenbons und das Verpacken in winzig kleine Rucksäcke. Freut euch auf den zweiten Teil unserer MiniSerie „The Shoppers from Hell“. Guten Abend!

PS: Auf dem Bild seht ihr übrigens meine neuen Lieblingsstiefel. Momentan müssen es flache Absätze sein.