Ich stehe am Herd und rühre Meerrettich in die Sauce für den Tafelspitz,
da klingelt es an meiner Tür. Eine junge Frau, die ich nie zuvor
gesehen habe, steht im Flur und sieht mich hilfesuchend an: "Guten Tag", sagt sie schüchtern. "Können Sie mir bitte helfen? Ich komme nicht
an meine Wäsche."
Mir liegt ein wirklich cooler Spruch auf der Zunge, aber erstens bin ich schon über 50
und zweitens redet man neue Nachbarn nicht mit "Baby" an. Jedenfalls
nicht beim ersten Treffen. Also sage ich freundlich: "Aber gerne, wo
liegt denn das Problem?"
Anja
ist meine neue Nachbarin. Sie ist erst letzte Woche eingezogen und hat
sich gerade von ihrer Buntwäsche ausgeschlossen. Die Waschmaschine im
Keller rückt die 30° Wäsche nicht wieder heraus.
Gemeinsam
gehen wir hinunter in die Waschküche, wo der Fehler schnell gefunden
ist. Sie hat zu wenig Geld eingeworfen. Nur 20 min. für ein 60 min.
Waschprogramm. Typischer Anfängerfehler, denke ich, werfe zwei 50 Cent
Stücke nach und die Maschine nimmt sofort wieder Fahrt auf. Anja
strahlt, während ich versuche nicht allzu überheblich zu wirken, aber es
gelingt mir nicht.
Als Dreingabe erkläre ich meiner Nachbarin auch gleich die Bedienung des Wäschetrockners und würde ihr am liebsten Svenjas kompletten Grundkurs für Hausfrauen verabreichen, aber ich hab einen Tafelspitz auf dem Feuer und muss zurück an meinen Herd.
Als Dreingabe erkläre ich meiner Nachbarin auch gleich die Bedienung des Wäschetrockners und würde ihr am liebsten Svenjas kompletten Grundkurs für Hausfrauen verabreichen, aber ich hab einen Tafelspitz auf dem Feuer und muss zurück an meinen Herd.
Was Anja nicht weiß: Als ich 2005 hier eingezogen bin, hatte ich in meinem
Leben noch kein Stück Wäsche gewaschen. Warum auch? Ich war schließlich
erst 43 und außerdem verheiratet. Und heute, sieben Jahre später, steht eine bezaubernde junge Frau vor meiner
Tür und möchte ausgerechnet von mir wissen, ob ich ihr die Waschmaschine erklären kann. Ich
fühle mich wie Lena in Oslo.
Na klar kann ich helfen, denn wer lesen kann, der kann auch Wäsche waschen, ein Unterseeboot fahren und sogar Tafelspitz kochen. Außerdem gibt es nichts, was eine deutsche Kriminalbeamtin nicht kann.
Nachdem
ich damals bei meinem ersten Besuch im Waschkeller zweimal sorgfältig
die Bedienungsanleitung
der Maschinen studiert hatte, angefangen von der Stelle mit
"Herzlichen Glückwunsch..." bis dort, wo alles noch einmal auf kisuhaeli
steht, konnte ich meine Wäsche selber waschen. Entweder bist du eine
echte Vollblut Hausfrau, oder du bist es eben nicht.
Fazit:
Ich freue mich, wenn ich helfen kann, aber ich frage mich auch, was das
überhaupt für Typen sind, die nicht einmal ihre eigene Wäsche waschen
können? Erwachsene Menschen und lassen sich entweder noch von Mama,
oder von ihrem Ehepartner bedienen. Ich finde das beschämend.
PS: Weiß irgend jemand, wie man ein Bügeleisen bedient?




