Posts mit dem Label Blogging werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Blogging werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 16. Februar 2018

Morgens im Bloggercafé

Mein freier Tag. Kurz vor Acht. Ich packe das MacBook ein, stecke das Moleskine mit den Reisenotizen in die Tasche und ziehe die Reißverschlüsse meiner langen Stiefel hoch. Gleich macht das Mmhio auf. In allerbester Ich-hab-heute-frei-Laune stiefele ich die Beamtenlaufbahn hoch, an der Blume vorbei, über den Campus der Kunsthochschule, die Ampel am Knooper Weg und schon bin ich da. Es sind nur dreihundert Meter.



Das Mmhio und ich. Das war keine Liebe auf den ersten Blick. Der Laden ist vegetarisch bis vegan und ich ganz sicher nicht. Trotzdem gibt es eine Menge Dinge, die ich hier mag, wie den Filterkaffee, die fetten, butterigen Croissants und die leckeren Quiches. Inzwischen habe ich gelernt, dass nicht alles, was bio ist, automatisch fade und langweilig schmeckt. Manches ist sogar ziemlich ok.

Am meisten mag ich die Atmosphäre: Eine Halle voller alter Möbel, ein derber Holzfußboden, Teelichter, leise Folkmusik, es duftet nach Zimt. Die meisten Besucher sind Studenten der Kunsthochschule. Ich liebe diesen Laden. Nirgends kann man besser sitzen und schreiben. Die Tische stehen weit auseinander und niemand stört sich an Bloggern, die endlos sitzen, Kaffee trinken, sich ab und zu was vom Tresen holen und ansonsten gedankenverloren auf ihre Laptops starren.

Ich besorge mir am Tresen einen großen Kaffee mit zwei Croissants und wandere mit der Beute hinüber zu meinem Lieblingsplatz, dem wurmstichigen Holztisch neben dem Mate Automaten. 

Sie haben freies WLAN im Mmhio, aber ich spanne meinen eigenen Hotspot auf und logge mich darin ein. Ich könnte zuhause sitzen und schreiben, aber ich mag es, im Café zu sitzen und zu bloggen. Manchmal schreibe ich für Svenja-and-the-City, aber heute arbeite ich an meinem Reisebericht über Italien für meine Svendura Seite.

Ich schlage das Moleskine auf, klemme die Seiten fest, damit es nicht wieder zuklappt und vertiefe mich in den Text. Für mich hat das Bloggen noch immer seinen Wert. Als ich vor dreizehn Jahren damit anfing, war es Das große neue Ding im Internet. Inzwischen ist die Karawane längst weitergezogen zu Youtube, Instagram und anderen Diensten, die eingängiger und leichter zu konsumieren sind.

Italien, das Lieblingsreiseland der Deutschen. Wie schreibt man darüber? Wie so oft bin ich hin- und hergerissen zwischen Meinung und Fakten, zwischen Ehrlichkeit und dem inneren Zensor.

Das Schöne ist immer leicht zu beschreiben, es macht Spaß zu loben, aber wie beschreibt man das, was man blöd fand, was einem nicht gefallen hat? Am liebsten schreibe ich offen und ehrlich, ohne zu beschönigen, aber manchmal fehlt mir dazu der Mut. Dabei weiß ich, wie es mich selbst nervt, wenn Reiseführer und Reiseberichte nur eine Tonart kennen: Dur in höchsten Tönen, alles und jedes entzückend finden. Wie dankbar ich bin für Grautöne, die mir sagen, wie es wirklich ist.

Fazit: Die Antwort habe ich mir gerade selbst gegeben. Ich liebe es zu bloggen und ich schreibe weiter so, wie ich persönlich es erlebt und empfunden habe. Kritik muss ich aushalten, so wie mein Reiseland auch. Heute ist das nicht schwer, denn Tag 4 der Italienreise war ausnahmslos ein schöner. Bis auf die Sache mit Pieps und dem Streukäse, aber dafür konnte keiner was. Wenn die Maus niesen muss, dann muss sie eben niesen.


Samstag, 20. August 2011

Happy Anniversary, Svenja

Svenja and the CityHeute ist einer von diesen Tagen: Am 20. August 2005 bin ich mit acht Umzugskartons, ein paar blauen Müllsäcken voller Kla­mot­ten und meinem geliebten Oh­ren­­sessel in ein kleines, möb­liertes Einzimmer­apartment nach Kiel gezogen.

Seitdem wohne ich auf den Tag genau sechs Jahre hier und ebensolange gibt es meinen Blog, Svenja-and-the-City. Anfangs hieß er noch Svenjas Tagebuch und war nicht schwarz, sondern girly whirly rosa.


Ich habe einmal gelesen, die Vergangenheit sei wie ein Theaterstück, zu dem der letzte Vorhang längst gefallen ist. Nur, dass ich die doofe Senfnase bin, die seit sechs Jahren im dunklen Zuschauerraum sitzt und noch immer auf den Vorhang glotzt. Vielleicht öffnet er sich ja wieder...

Nein, das tut er nicht, weil Vorhänge das niemals tun und das ist gut so, denn inzwischen haben alle Akteure längst ihren Text vergessen.

Fazit: Der 20. August ist ein wunderbarer Tag, ist ein doofer Tag, ein glücklicher Tag, ein trauriger Tag und manchmal alles zugleich. Ob ich glücklich bin? Ja, das bin ich. Beinahe jedenfalls. Und wenn es mir einmal nicht so gut gehen sollte, dann habe ich immer noch meinen Freund, Herrn Owusu...

Happy Anniversary, Svenja.

Freitag, 4. Februar 2011

Trans ist nicht mein Hobby

Svenja - trans ist nicht mein HobbyIch wundere mich über mich selbst. So viele Jahre lang war mein Blog für mich unbe­schreib­lich wichtig. Im ersten Jahr war er der einzige Freund, dem ich mich überhaupt anvertrauen konnte. Aber schon seit einiger Zeit mag ich nicht mehr schreiben. Warum ist das so?

Ich glaube, ich weiß, weshalb das so ist. Der Leidensdruck ist weg. Trans bestimmt nicht länger mein Leben. Inzwischen bin ich eine ganz gewöhnliche, handelsübliche Frau, wie man sie an jeder Ecke trifft. Oder an beinahe jeder Ecke.

Jetzt weiß ich fast nicht mehr, worüber ich noch schreiben soll, denn man darf nicht vergessen: Trans ist nicht mein Hobby! Trans ist eine Entwicklungsphase, so ähnlich wie die Pubertät. Aufregend, neu, nach vorne gewandt und manchmal sehr schmerz­haft und emotional, aber irgendwann ist man durch damit.

Jetzt kann ich mich wieder meinen Hobbies widmen und trans ist mit Sicherheit keines davon. Ich möchte nicht nur auf dieses eine Thema reduziert werden. Motorrad­reisen, Endurowandern, Zelten, Computer, Bloggen, WebDesign, Mode, kochen und tausend schöne Dinge, alles das sind meine Hobbies. Aber trans? Ganz sicher nicht.

Und so wie ich irgendwann durch war mit meiner Pubertät, der Jagd nach Mädchen, Motorrädern und dem nächsten Abenteuer, bin ich auch mit trans im Grunde genommen durch. Nur manchmal beschäftigt es mich noch, denn ein paar Stellen, an denen nicht alles völlig  glatt verläuft,  wird es immer geben. Wenn mich das belustigt, überrascht, oder ärgert, dann blogge ich darüber.

Viele Menschen schreiben mir. Einige stecken selbst in der trans Pubertät, manche mailen mir schnell ein paar anerkennende Worte und andere erhoffen sich Rat oder Zuspruch. Ich freue mich über die vielen E-mails, aber noch lieber ist es mir, wenn ich sie als Kommentare im Blog bekomme, wo die Beantwortung mir besonders viel Freude bereitet. Deshalb seid bitte nicht entäuscht, wenn ich persönliche E-mails oft nur mit ein paar kurzen Sätzen beantworte und vor allem niemals auf Unterleibsfragen reagiere.

Transsexualität ist kein HobbyImmer wieder werde ich nach Hormonen gefragt, aber dazu könnt ihr von mir keine seriöse Antwort erwarten. Was verstehe ich denn davon? Ich bin Polizistin, keine Ärztin und habe null Ahnung von Medizin. Nach einem Jahr Alltagstest bin ich zum Doktor gegangen, habe mich untersuchen lassen, mir Hormone verschreiben und die Dosierung einstellen lassen und freue mich seitdem jeden Tag über die aufregenden Veränderungen, die mit mir geschehen sind. Aber jemand anderen beraten? Nein, das kann ich nicht. Dafür sind Ärzte da.

Zu Mode und Passing gebe ich allerdings gerne Tipps, obwohl ihr selbst Schuld sein, wenn ihr mir vertraut. Ich mag es nun einmal auffällig, flashy und immer einen Tick zu kurz. Und wusstet ihr, dass ich niemals Hosen trage? Ich mag die Biester nicht. Und so jemandem würdet ihr in Sachen Mode vertrauen? Holy moly...

Nein, ihr werdet euren eigenen Style entdecken müssen und auf dem Weg dahin habt ihr hoffentlich jede Menge Spaß und leistet euch auch ein paar absolute Fashion Disasters. Man muss sich auf jeden Fall erst ein paarmal richtig zum Löffel machen, bevor man endlich seinen eigenen Look gefunden hat. Glaubt mir, ich weiß alles darüber und den Rest kann Claudia euch erzählen.

Wer ernsthaft etwas für sein Passing tun möchte, sollte sich meine Passing Serie genau durchlesen. Sie kann euch dabei helfen, möglichst schnell den Charly‘s Tante Look loszuwerden.

Seid nicht entäuscht, wenn sich in Zukunft weniger Beiträge um das trans-Thema drehen, oder wenn ich seltener schreibe. Letztlich hat jedes Posting hier etwas mit trans zu tun, denn schließlich schreibe ICH die Beiträge und ich war ja früher selbst einmal trans. :-)

Fazit: Ich habe mich verändert und auch mein Blog Svenja-and-the-City hat sich verändert. Heute bin ich bloß noch Svenja, die Frau mit dem verrückten Motorradhobby, die es liebt, an ihrer Enduroseite zu basteln, sich gerne flippig anzieht, leidenschaftlich Single ist, viel zuviel Geld für Klamotten ausgibt und zwischendurch die fettesten Essen der Welt kocht. Ein besseres Leben kann ich mir gar nicht vorstellen.

Samstag, 27. November 2010

Woher kommen deine Bilder?

Svenja-and-the-City auf Fotosafarin in Kiel"Claudia?", trompete ich fröhlich ins Telefon. "Kannst du in zehn Minuten bei mir sein? Wir müssen Fotos machen. Ich habe tausend neue Ideen für den Blog."

Schweigen am anderen Ende der Leitung.

"Claudia? Bist du da?" 

"Sag mal, Tinky Winky, weißt du eigentlich wie spät es ist?" 

"Keine Ahnung. Gleich Mittag schätze ich. Ich habe mir gerade so ein XXL-Schnitzel von ALDI gemacht." 

"Es ist ZEHN nach ACHT! Du rufst mich Samstag früh um zehn nach acht an, weil du Fotos machen willst?" 


"Nein, natürlich nicht. DU sollst doch die Fotos machen. Habe ich den Meisterbrief als Fotografin, oder du?", gebe ich leicht zickig zurück. "Ich liege aber noch im Bett und schlafe."

"Na und? Dann stehst du eben auf. Oder willst du dein ganzes Leben im Bett verbringen? Ich steh hier schon im Mantel und hab alles genau geplant. Wir müssen heute die Schulfotos machen. Eins vor Haupt und eins vor Gymi. Und ich brauch noch ein Bild, wo ich vor einer Apotheke stehe. Und wenn wir damit fertig sind, gehen wir zu ALDI. Du musst ein Foto von mir machen mit Einkaufswagen vor ALDI.

Und danach fahren wir zu mir und bauen die Studioblitzanlage auf. Ich brauch noch jede Menge Fotos. Mir gehen allmählich die Bilder für neue Postings aus. Wann kannst du ungefähr hier sein?"

Schweigen in der Leitung.

"Claudia? Bist du wieder eingeschlafen? CLAUDIA!" 

"Hmmm, was...? Oh, entschuldige. Ja, ist gut, Tinky Winky, ich zieh mich eben an und komm dann zu dir rüber." "Ja, ok, aber versuch dich ein bisschen zu beeilen, ja?" Zum Glück kann sie nicht sehen, wie ich dabei mit den Augen rolle.

Meine Güte, sind eure Freunde auch so verschlafen? Ich bin nun wirklich ein geduldiger Typ, aber Claudia schafft mich immer wieder. Sie hat echt totales Glück, dass sie gerade mich zur Freundin hat. 

Fazit: Die Fotos für meinen Blog entstehen auf ganz unterschiedliche Weise. Manche Bilder sind Schnapp­schüsse, die ich unterwegs mit dem Selbstauslöser der kleinen Lumix mache und für andere Fotos spreche ich Passanten an: "Entschuldigung, können Sie bitte mal ein Foto von mir machen, wie ich hier so stehe und total süß dabei aussehe? Und jetzt nochmal von weiter weg. Und nochmal mit Blitz und nochmal ohne und..." Erstaunlich, wie geduldig manche Menschen sind.

Doch viele Aufnahmen für den Blog macht meine beste Freundin Claudia, die tatsächlich einen Meisterbrief als Fotografin hat (und mich dabei mit ihrem Langmut und ihrem Perfektionismus regelmäßig zur Weißglut treibt).

Samstag, 21. August 2010

Kiel bloggt

Svenja am Stand der Kieler Nachrichten
"Das ist doch ein ganz toller Artikel, den die Kieler Nachrichten über dich und deinen Blog geschrieben haben.", trom­petet es aus meinem Telefon.

"Ja, schon.", entgegne ich mit dürren Worten.

"Das ist alles? Obwohl da sogar etwas von charmant und schön ge­schrieben steht? Sonst flippst du doch beim kleinsten Kompliment jedesmal völlig aus? Ich erinnere mich noch an den einen Abend im Theater, als dieser junge Schauspieler zu dir gesagt hat..."


"Es reicht.", unterbreche ich Claudia schnell. Ich kann die alte Geschichte schon nicht mehr hören. "Ich hatte vielleicht ein halbes Glas Sekt zuviel getrunken und mein Heiratsantrag war ja auch nicht wirklich ernst gemeint."

"Ha!", lacht Claudia laut auf, so dass ich mir das Telefon ein Stück vom Ohr weghalten muss: "Das hat seine Frau damals aber völlig anders gesehen. Du hattest Glück, dass sie nur 1,60 war und du mit Pumps fast 1,90. Na gut, lassen wir das. Also, was passt dir nicht an dem Artikel?"

"Charmant und schön, ja ja.", platzt es aus mir heraus. "Das stimmt ja auch alles, aber ich hatte natürlich gehofft, die schreiben vielleicht „total schön“, oder wenigstens "sehr schön". Und nicht ein Wort von meiner ganzen Bescheidenheit und auch nicht darüber, wie schlau ich bin und dass ich irre viel Ahnung von Motorrädern hab und auch noch total gut kochen kann.

Und außerdem hatte ich es so verstanden, dass ich auf der Titelseite bin und nicht erst auf Seite 20 kurz vor den Todesanzeigen. Wer hat denn je eine Zeitung bis Seite 20 gelesen? Der ganze Artikel klingt überhaupt so, als wenn ich eine von diesen oberflächlichen Elsen bin, die immer nur geschminkt und schön sein wollen, oder?"
Schweigen in der Leitung.
"Claudia? Hast du gehört, was ich gesagt habe?"
"Äh, ja."
"Na und?"
"Aber nein, Tinky Winky.", versichert Claudia mit gequälter Stimme. "Du bist nun wirklich keine von diesen oberflächlichen Elsen, denen es nur auf ihr Aussehen ankommt."

Svenja in den Kieler Nachrichten Serie KN Kiel bloggtFazit: Ich finde es klasse, dass die Kieler Nachrichten unter der Überschrift "Kiel bloggt" eine Serie über die Kieler Bloggerszene aufgelegt haben. Hoffentlich werden noch viele weitere Kieler Blogger vorgestellt.

Ein wenig schade ist es, dass die Serie in den Kommentaren der Onlineausgabe bislang noch so wenig Resonanz findet.


Ganz nebenbei wird mir beim Lesen des Artikels bewusst, dass ich diesen Monat ein kleines Jubiläum feiern kann.

Fünf Jahre ist es her, dass ich wieder nach Kiel gezogen bin und kurz darauf den Switch von Sven zu Svenja gewagt habe und ebenso lange gibt es meinen Blog, Svenja-and-the-City. Puh, das war ein weiter Weg von hier bis heute.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Der 7. Sinn mit Svenja

Svenja putzt ihre Motorradstiefel„Du machst W-A-S?“, fragt Claudia ungläubig, als ich ihr von meinem neuesten Projekt berichte.

„Ich geb denen in meinem Blog jetzt immer ganz tolle Tipps, weil die sich ja nicht so gut auskennen wie ich.“, erwidere ich und klinge dabei so be­scheiden, wie nur möglich.

„Womit kennst DU dich denn gut aus?“, fragt Claudia und denkt wahrscheinlich, dass ich den spöttischen Unterton nicht bemerke. Ich bemerke ihn aber sehr wohl.

„Na mit fast allem. Mit Motorrad­fahren und mit Auto­fahren und mit Computern und so. Und mit Kochen natürlich auch.“, schiebe ich eilig hinterher.


Und als Hochbegabte darf ich ja nicht auf die Leute runtergucken, sondern soll denen lieber was von meinem Wissen abgeben. Die können ja nichts dafür, dass sie...“
„...doof sind?“
, beendet Claudia meinen Satz.
„Nein, nicht doof. Jedenfalls nicht richtig. Die kennen sich eben nur nicht so gut aus mit allem."

„So gut wie DU, meinst du? Aber nein, natürlich nicht. Wie sollten sie auch?“, fragt Claudia und ich merke, dass sie jetzt erst verstanden hat worum es mir geht. Manchmal hat sie wirklich eine ziemlich lange Leitung.

„Das ist aber wirklich sehr großzügig von dir, Tinky Winky, die Menschheit dermaßen selbstlos an deinem ungeheuren Wissensschatz teilhaben zu lassen. Wo du dich doch mit allem so gut auskennst. Und mit Kochen natürlich.“

„Ach das ist doch selbstverständlich.“, winke ich ab. "Man hat ja auch eine Verantwortung.", füge ich hinzu und bemühe mich, meiner Stimme einen feierlichen Klang zu geben. Dennoch merke ich, wie ich ein wenig rot werde vor Stolz über dieses ehrliche Kompliment.

Fazit: In meinem ersten Beitrag zum Thema Sicherheit auf dem Motorrad, ermahne ich euch eindringlich, nur in geeigneter Schutzbekleidung aufs Motorrad zu steigen. Ich appelliere an alle Biker, nicht länger in PeepToes zu fahren. Nicht einmal dann, wenn sie aus echtem Leder sind. Die PeepToes, nicht die Biker.

Svenja tauscht die PeepToes gegen Motocross Stiefel

Freitag, 19. Februar 2010

Abschied in die Normalität

Transsexualität bestimmt nicht länger Svenjas LebenVier Jahre lang hängt dieses Poster jetzt an der Pinwand meines Büros im LKA. Es zeigt eine junge Transsexuelle, die sich in ihrem Klassenzimmer ganz selbstverständlich mit einer Mitschülerin unterhält, die ihr freundlich zulächelt.

"Das ist bloß Disney.", habe ich gedacht. "Soweit kommst DU niemals. Du bist zu alt, du wirst nie so weiblich aussehen und niemals wirst du so selbstverständlich ins Leben passen." Trotzdem hat dieses Transgender Traum Plakat mir Kraft gegeben.

Ich liebe dieses Poster, aber heute nehme ich es von der Wand und verabschiede mich in die Normalität.


Seit einigen Monaten hat sich etwas in meinem Leben verändert. Ich gehe nicht mehr zu Transgender Treffen, ich schreibe nicht mehr in TransForen und ich habe immer weniger das Bedürfnis, mich mit trans auseinanderzusetzen. Ich habe die Hoffnung, dass ich endlich durch bin mit dem Thema. Ich bin zurück im normalen Leben, ohne dass trans darin das Hauptthema ist und ich habe jetzt mehr oder weniger dieselben Alltagsproblemen, wie jede andere Frau auch. Lassen wir Cellulite und Regelschmerzen einmal außen vor :-)

Svenjas Abschied in die NormalitätAlle meine Interessen, meine Hobbys und meine Leidenschaften sind noch da. "Danke Jungs, dass ihr so lange auf mich gewartet habt." Ich träume wieder vom Endurowandern, von Abenteuerreisen mit Zelt und Schlafsack und ich spare wie verrückt auf eine kleine Enduro. Seit Wochen arbeite ich hingebungsvoll an einem Relaunch meiner Svendura Website, die ich so lange vernachlässigt habe, und die gerade tausend Prozent meiner Zeit frißt. Endlich wieder vertrautes Zeugs, das einmal nichts mit trans zu tun hat.
Außerdem koche ich leidenschaftlich gern, ich liebe Bücher, das Theater, die Oper und neuerdings auch das Ballet. Und natürlich liebe ich es, mich schön anzuziehen.

Vier Jahre lang hat die Verwandlung von Sven in Svenja meine ganze Energie gefressen. Die Welt drehte sich um Ärzte und Gutachter, um Laserbehandlung und Hormone, um Klamotten und Passing, um Namensänderung und Gerichtsbeschlüsse und darum, wie ich als transsexuelle Polizistin im Dienst klarkommen würde. Werde ich ausgelacht, links liegen gelassen, oder sogar gemobbt? Dreimal nein. Der Dienst läuft bestens und macht mir mehr Freude, als jemals zuvor.
Endlich bin ich im normalen Frauenleben angekommen und natürlich habe ich jetzt auch ständig irgendwelche wichtigen Frauendinge zu erledigen. Außerdem kann ich als Frau alles das tun, was auch ein Mann tun kann. Aber ich kann das auch auf hohen Schuhen, Baby :-)

Svenja and the City geht weiterDer Blog geht weiter. Er ist längst ein Teil meines Lebens geworden, den ich nicht mehr missen möchte. Meine Güte, was habe ich Tränen vergossen in den letzten viereinhalb Jahren. Soviele Erlebnisse, die ich niemals vergessen werde. Vielleicht werden die Postings etwas seltener, aber das Thema Transgender wird niemals ganz daraus verschwinden, denn dieser Blog handelt von mir und ich bin Svenja, eine ganz normale transsexuelle Frau.

Dienstag, 9. Februar 2010

Die erste Abmahnung

Svenja und ein Glas Blanchet
„...wenden sich mit ihrer Veröffentlichung an einen Personenkreis, der durch eine besondere sexuelle Orientierung gekennzeichnet ist.“ Wie bitte?

Ich versteh nur Bahnhof, aber es wird sogar noch besser: „Eine derartige Rubrizierung stößt die Mehrheit der Besucher ab und veranlasst potenzielle Gäste, den Betrieb meines Mandanten gar nicht erst aufzusuchen.“


Moment mal, das muss ich von Anfang an lesen. Es geht ja gar nicht um meinen Blog Svenja-and-the-City, sondern um meinen Kieler Fremdenführer für Transgender.

In meinem Kieler Stadtführer beantworte ich die Frage, wo kann T-girl hingehen, auch wenn das Passing noch lückenhaft ist? Unter anderem empfehle ich Bars und Kneipen, die ich selbst getestet habe und die ich für besonders tolerant und weltoffen halte. Natürlich nenne ich auch die einschlägigen Szenelokale, wie das Birdcage, erwähne aber ausdrücklich, dass die Kneipe, um die es hier geht, eben kein solches Szenelokal ist, man dort als T-Girl aber dennoch gut aufgehoben ist.

Die Empfehlung dieser speziellen Kneipe steht allerdings schon seit Monaten auf meiner Streichliste, weil das Publikum im vergangenen Jahr ständig prolliger wurde, solange bis ich einmal in eine ziemlich heikle Situation geraten bin. Passing hin, oder her, wenn betrunkene Ausländer merken, dass in ihrer Kneipe Schwuchteln* tanzen, dann wird es gefährlich und so war es auch.

Inzwischen habe ich meinen Kieler Fremdenführer komplett vom Netz genommen, solange bis ich irgendwann Zeit finde, ihn ganz neu zu gestalten. Einige Tipps waren ohnehin veraltet und ich habe auch ein wenig das Sendungsbewußtsein verloren.

Fazit: Niemals habe ich daran gedacht, dass eine Bar, ein Restaurant, oder ein Theater vielleicht gar nicht von mir als besonders tolerant, nett und weltoffen empfohlen werden möchten. Machen wir uns nichts vor, was sollen denn die zahlenden Gäste denken, wenn dort Typen wie ich abhängen...?!

Svenja ist sauer“ border=

*Schwuchteln: Eine Bezeichnung bildungsferner Schichten für jede Erscheinungsform von Transgendern, Homosexuellen und sonstwie verdächtigen Personen. Sehr beliebt ist auch der quer über die Straße gegröhlte Ruf: "Ey, Schwuchtel!"

Freitag, 29. Januar 2010

Was mich glücklich macht

Svenja happy 101 awardVon der lieben Lavendelina habe ich einen Happy 101 Sweet Friends Award in Lieblingsrosa bekommen. Meine Aufgabe ist es jetzt, euch zehn Dinge zu nennen, die mich glücklich machen.

Ich hab gar nicht lange überlegen müssen, was es ist, das mein kleines Herz höher schlagen lässt.
Und weil der Happy 101 zugleich ein Stöckchen ist, reiche ich es hiermit huldvoll weiter an Lily von Blogorrhoe, damit endlich etwas rosa auf ihre Seite kommt. Jetzt bist du dran, liebe Lily ...


Es macht mich glücklich...
  1. gesund zu sein, oder wenigstens schlecht untersucht.
  2. endlich als Frau zu leben, ohne noch dauernd als Transgender erkannt zu werden.
  3. dass meine Eltern mich so lieben wie ich bin.
  4. wenn mir jemand Zuneigung, oder sogar Liebe entgegenbringt.
  5. wenn ich verliebt bin.
  6. wenn mein Leben in Ordnung ist und es keine losen Enden gibt.
  7. gemeinsam mit Freunden zu kochen und dabei dauernd den zu Kochwein probieren.
  8. mit der Enduro zu reisen mit Zelt und Schlafsack hinten drauf.
  9. dass ich schlank bin und mich schön anziehen kann.
  10. in einem freien und liberalen Land zu leben, wo ich so sein darf, wie ich bin.

Samstag, 14. November 2009

Svenja im AppleStore

Svenjas neuer Apple iMacEine solche Anmache hab selbst ich noch nicht erlebt. Was hatte der junge Verkäufer im Kieler Apple Shop gerade mit frechem Grinsen zu mir gesagt? "Das Basismodell hab ich nicht mehr da, aber ich lass Ihnen das Aufsteigermodell mit der besserer Grafikkarte und 1TB Harddisk fast für den selben Preis."

"Wow", denke ich. "Dieser Typ weiß wirklich, wie man ein Mädchen rumkriegt." und überlege keine Millisekunde, bevor ich mit zitternden Fingern die Kohle aus meinem BH fummele.

Nur zwei Minuten später bin ich die stolze Besitzerin eines nagelneuen Apple iMac mit diesem unglaublich guten LED Screen und natürlich mit aller Software, die ich so für meine tägliche Arbeit im Internet brauche. Ich bin so aufgeregt, endlich nach Hause zu kommen, dass ich auf dem Rückweg in der Fußgängerzone nur eine einzige Bratwurst esse. Sogar der indische Wurstverkäufer ist ein bisschen verblüfft, lautet doch sonst die Frage nur: "Zwei, oder drei heute?"

Svenja kauft Apple iMac in Kiel
Fast hatte ich es vergessen, dieses unglaublich schöne euphorische Gefühl, wenn man sich etwas tolles Neues kauft, das man sich schon sooo lange gewünscht hat. Die letzte echte Neuanschaffung liegt schon viele Jahre zurück. Damals hatte mein ExMann Sven mir eine nagelneue KTM Adventure vor die Tür gestellt. Na gut, eine echte Überraschung war das nicht, denn schließlich war ich das ja irgendwie selber, mein ExMann, Sven. Ein ziemlich netter und großzügiger Bursche, übrigens.

Aber das ist lange her und mein Leben gewinnt in letzer Zeit zunehmend an Normalität. Meine Gedanken kreisen schon seit einer ganzen Weile nicht mehr ununterbrochen um Trans, sondern um meinen ganz gewöhnlichen Alltag.

Krieg ich etwa langsam mein normales Leben zurück? Doch wieder MediaMarkt statt Douglas...?
Darüber will ich mehr lesen...