Montag, 20. September 2010

Die Reise, Tag 4 - Hunsrück und Pfälzerwald

Das Frühstücksbuffet im Moselgasthaus ist eine Offenbarung für mich. Soviele leckere Fleisch- und Wurst­sorten aus der eigenen Metzgerei, dass ich mich kaum entscheiden kann. Ich nehme sicherheits­halber einen riesigen Teller doppelt ALLES mit zwei weich­gekochten Eiern und schlinge das Frühstück hungrig in mich hinein.

Bevor ich aber in Oberfell aufbreche, statte ich der hauseigenen Metzgerei noch einen Besuch ab und decke mich reich­lich mit Reiseproviant ein.

Von Oberfell folge ich den Moselschleifen und bin begeistert, die Uferstraße am frühen Sonntagmorgen fast für mich alleine zu haben.


In Treis-Karden verlasse ich die Mosel und biege in den Hunsrück ein. Es ist noch immer trocken und zum ersten Mal traue ich mich, die Kamera während der Fahrt ums Handgelenk zu hängen. Jetzt kann ich unterwegs jederzeit Fotos machen.

Blick bei Alken von der B49 über die Mosel.

MoseluferKaum bin ich von der Mosel abgebogen, gibt es auch schon die erste richtig schöne Kurven­strecke. Das macht auf der leichten, wendigen Enduro total viel Spaß und genussvoll schwingen die cow, Pieps und ich durch den wunder­schönen Hunsrück.

Im Cockpit der Kawa leuchtet plötzlich eine gelbe Warnleuchte auf und "FUEL" blinkt es hektisch im Tacho. Keine Panik, das kenne ich schon. Mit der automatisch umschaltenden Reserve von 2,2 Litern komme ich noch locker 70 Km weit. Nach einem kurzen Zwischenspurt über die Hunsrück­höhen­straße erreiche ich Kirn und die rettende Tankstelle.

Neben den Zapfsäulen steht eine Gruppe von Motorradfahrern, die nach dem Tanken dort Pause macht. Die Frauen in der Gruppe sehen total stylish aus in ihren bunten Lederkombis und fahren Ducati Monster und Suzuki GSX.

Ich versuche ein Gespräch mit den Leuten zu beginnen, aber ich scheitere kläglich. Die Jungs, natürlich alles erfahrene Biker, belächeln meine Regenkombi und teilen mir in leicht spöttischem Unterton mit, dass ich die heute nicht mehr brauchen würde. Artig bedanke ich mich für den guten Rat. (Hey, ihr Dumpfbacken, seid ihr auch hinter Kaiserslautern in den fetten Dauerregen gekommen, oder habt ihr da schon mit Mutti auf dem Sofa gesessen und Sportschau geguckt? Senfnasen, dämliche...)

Die Damen haben für mich und die schlanke 250er Enduro nur einen arroganten Blick übrig und sagen gar nichts. Nach einem Blick auf ihre Kennzeichen und den männlichen Anführer mit Warnweste, denke ich: "Ja, Mädels, dafür traue ich mich aber weiter als 20 Km von zuhause weg und brauche dafür nicht mal einen Tourguide."

Auf einem kleinen Parkplatz irgendwo im Hunsrück

Von Kirn geht es auf Umwegen über kleinste Nebenstraßen bis nach Kaiserslautern. An einer SHELL-Tankstelle lasse ich mir von einer wirklich netten Kassiererin den Weg in den Pfälzerwald erklären. Als Frau kann ich mir so etwas erlauben, ohne dass dadurch meine Ego Schaden nimmt.

Kaum im Pfälzerwald angekommen, beginnt es wieder zu regnen. In Schleichfahrt verschwende ich die schönen engen Kurven. Die grobstolligen Enduroreifen der Kawa haben nämlich einen hohen Unterhaltungswert, wenn man mit ihnen bei Nässe zu schnell in die Kurve geht.

Zu allem Übel ist die schönste Strecke des Pfälzerwalds Sonntags für Motorräder gesperrt. Das glaub ich ja wohl nicht. Da fahre ich auf der cow schon den leisesten Auspuff diesseits von Akrapovic und muss trotzdem draußen­bleiben. Sauer auf das Wetter, sauer auf die Streckensperrer und sauer auf die Knieschleifer, die uns das eingebrockt haben, mache ich mich auf die Suche nach einer Unterkunft für dich Nacht. Mein Zelt entwickelt sich allmählich zum überflüssigsten Gepäckstück dieser Reise.

Die nächsten Stunden sind der reine Frust, als ich ein Hotel nach dem anderen abklappere: Besetzt, zu teuer, nicht für eine Nacht, weiter­fahren. Jedesmal im strömenden Regen das Motorrad abstellen, Helm ab, die klitschnassen Goretexhandschuhe abreißen (wasserdicht, haha), mit glucksenden Stiefeln zur Rezeption watscheln und anschließend entäuscht weiter­fahren. Warum stehen draußen bloß nie die Preise für die Zimmer dran?

Schließlich, als ich schon ganz verzweifelt bin, entdecke ich mitten im Nirgendwo zwischen Deutschland und Frankreich einen blitzsauberen, kleinen Gasthof. Er heißt Waldeslust und liegt in Reisdorf, das ich nicht einmal auf der Karte finden kann. Der Ortsname ist so winzig gedruckt, dass er genau in einer Falte meiner zerfransten Generalkarte verschwindet.

Das Zimmer kostet 36 Euro die Nacht und inzwischen schmilzt meine Reisekasse wie Butter an der Sonne. Ich hatte täglich 10 Euro für Camping eingeplant und noch einmal knappe 10 Euro für ein Kilo Fleisch und Blanchet und stattdessen lebe ich wie eine Fürstin in Hotels und speise in Restaurants. Meine Stimmung ist auf einem erneuten Tiefpunkt angelangt, denn eine Wetter­besserung ist nicht in Sicht.

In meinem Hotelzimmer breite ich deprimiert die nassen Sachen aus. Wie soll ich die nur bis morgen trocken kriegen? Es ist wieder kein Fön im Zimmer und die Heizung ist noch im Sommerschlaf. Meine Stiefel stopfe ich eng gepresst mit Toilettenpapier aus, das müsste ein wenig helfen. Die Regenkombi und die nassen Handschuhe hänge ich in das gekippte Fenster.

Nach einer heißen Dusche gehe ich hinunter ins Restaurant. Es ist gut besucht, aber für meinen Geschmack ein wenig zu fein.

Ich sitze in meinem immer noch etwas zu kurzen Kleid mit Strump­f­hosen und Ballerinas am Katzen­tisch und finde heute nichts deprimierender, als in einem schönen Restaurant alleine zu essen. Ich bin froh, die kleine Pieps bei mir zu haben, die ich sehr zum Missfallen des Obers auf den Tisch direkt neben meinen Teller setze. Es gibt Rahm­schnitzel mit Pfifferlingen. Pieps und ich sind begeistert, auch wenn wir beide nicht ganz satt werden.

Nach dem Essen verziehe ich mich auf mein Zimmer und bin gegen 21 Uhr schon fest eingeschlafen, während Regen und Wind von außen gegen die Fenster klatschen.

Fazit: Der vierte Tag war ziemlich nervig und allmählich schwindet die Hoffnung, in diesem Urlaub noch einmal zelten zu können. Aber morgen geht es nach Frankreich und ich bin neugierig. Was erwartet mich dort?

Samstag, 18. September 2010

Die Reise, Tag 3 - Koblenz und die Mosel

Naturpark Nassau MotorradstreckeBei strahlendem Sonnenschein fahre ich am nächsten Morgen nach Herborn. Dort renne ich auf der Suche nach einem Jeans­­mini­rock eine ge­schlagene Stunde durch die Fuß­gängerzone. Ich will mir mit meinen Leggings und T-Shirts ein etwas unauf­fälligeres Outfit basteln.

Ich finde auch einen Jeansmini, aber der ist so kurz und slutty, dass er das Problem nicht lösen würde. Unverrichteter Dinge verlasse ich Herborn und mache mich auf den Weg nach Montabaur. Es regnet.


Auf der Landkarte habe ich eine Strecke ent­deckt, die total klasse aussieht. Sie führt von Montabaur durch den Naturpark Nassau, ist extrem kurvig und dazu durchgängig mit dem grünen Strich für eine besonders schöne Strecke gekenn­zeichnet. Also auf nach Montabaur.

Gegen Mittag rolle ich auf der green cow in Montabaur ein. Sofort fällt mir ein sehr viel­ver­sprechender Imbiss ins Auge. Er liegt genau an der Abfahrt nach Nassau, dort wo die schöne Straße in den Naturpark beginnt. Ich gönne mir eine leckere Portion Spießbraten und habe kaum einen Blick für das schöne Schloss Montabaur übrig, das oben auf dem Hügel thront.

Als ich in den Naturpark hineinfahre, bricht die Sonne durch die Wolken und der schwarze Asphalt trocknet dampfend ab. Trotz der schönen Strecke fahre ich eher verhalten, denn die Straße ist noch nass und einige Kurven sind tückisch eng. Als ich nach 28 Km Nassau erreiche, bin ich begeistert. Die Strecke war klasse. Leider hat es in der Zwischenzeit wieder angefangen zu regnen.

Nächster Halt Koblenz, Deutsches Eck. Eine Riesen­entäuschung. Baustelle, Zäune, alles aufgerissen. Durch eine Gasse aus Bauzäunen schiebe ich mich Schulter an Schulter mit japanischen Touristen zu der Stelle, wo die Mosel in den Rhein fließt. Es gibt viel zu sehen. Binnenschiffe aller Größen wechseln hier von einem Fluss in den anderen und der rege Schiffsverkehr erinnert mich ein wenig an zuhause, nur dass wir richtige Schiffe haben. Das Wetter wird ungemütlich und so hält es mich nicht lange in Koblenz.

ZIP Diener zweier Herren

Während der ganzen Reise werde ich mich niemals weiter als heute von meiner Kawa ent­fernen. Ich bin eben nicht so der Besichtigungstyp. Ich möchte eigentlich nur Motorrad­fahren, essen und schlafen.

Von Koblenz aus folge ich auf der B49 den Moselschleifen. Ich liebe die Mosel und für mich ist das deshalb eine besonders schöne Strecke, obwohl ich heute ein wenig Pech mit dem Wetter habe, denn es regnet wieder. Es ist jetzt 16 Uhr und ich will mir die schöne Strecke nicht durch den Regen verderben lassen. Deshalb suche ich mir in einem der kleinen Moseldörfer entlang der Route ein Zimmer für die Nacht, auch wenn ich befürchte, diesmal nicht mit 25 Euro für die Nacht auszukommen.

Moselgasthaus Zur Krone OberfellIn Oberfell fahre ich am Gasthaus Zur Krone vorbei, einer großen Metzgerei, so nennen die hier eine Schlachterei, die gleichzeitig ein Gasthaus betreibt. Wenn das nicht eine geniale Kombination ist. Ich wende die cow und bekomme tatsächlich das letzte freie Zimmer für 36 Euro pro Nacht mit Frühstück. Ich wohne in einer Schlachterei, yippieh. Das ist ja fast so schön, wie im Buffalo Shop zu übernachten. Ich bin total begeistert und für eine Weile vergesse ich meinen Regenfrust.

Als ich zwei Stunden später aufgebrezelt und mit einem einfachen Dreischichten-MakeUp ins Restaurant stöckele, fühle ich mich viel wohler, als in der Kneipe gestern abend in Gladenbach. Hier passe ich besser hin. Und außerdem bin ich mit Sicherheit das einzige Girl unter 60, was sehr ange­nehm ist. Heute abend will ich mir als kleinen Ausgleich für die Regenreise etwas Gutes tun, und bestelle ein großes Rahmschnitzel mit Pilzen und dazu einen halben Krug Wein.

Der Ober an meinem Tisch ist ein älterer Italiener und während ich mir noch Gedanken um die P-Frage mache, fängt er bereits hemmungslos zu flirten an. Ob ich hier im Hotel wohne, ob ich ohne Begleitung sei und ob ich nicht einsam sei so ganz alleine. Nein, bin ich nicht.

Beim Servieren stellt er sich ganz dicht schräg hinter mich und ich ahne, wohin sein Blick geht. In diesem Moment kommt es mir zugute, dass ich selbst mal ein Charmeur gewesen bin und alle Tricks und Kniffe kenne. Vor allem aber weiß ich, was ich sagen darf und was ich auf gar keinen Fall sagen darf, um bei ihm nicht das Signal "Leinen los, volle Fahrt voraus!" zu geben. Puh, ist das manchmal kompliziert, eine Frau zu sein.

Italienische Kellner kennen TricksEs ist Samstagabend und im Hotel findet heute eine Veran­staltung mit Musik und Tanz statt. Alle Tische sind reserviert, aber der freundliche Italiener besorgt mir dennoch einen Tisch, indem er einfach das Reserviert Schild von einem der besten Tische am Fenster mit Blick auf die Mosel nimmt und in seiner Jacken­tasche verschwinden lässt. Wie aufmerk­sam von ihm.

Auf dem Weg zu meinem Tisch hat er sich schon vorher als wahrer Gentleman erwiesen, indem er mich bei jeder kleinen Stufe, jeder Biegung, jeder Teppichkante fürsorglich fest­hält. Beschützernummer mit Anfassen. Ich bin ehrlich beeindruckt, denn diese Nummer kannte nicht mal ich in meinem ersten Leben als Sven. Die Italiener haben eben doch ein, zwei Tricks mehr drauf...

Fazit: Es wird ein ganz wunderbarer Abend, besonders nachdem das eigentlich gebuchte Paar für diesen 1a Premium­tisch erscheint und ich großzügig erlaube, dass sie sich dazusetzen. Sie ent­schul­digen sich tausendmal, etwas mit der Buchung sei wohl schief gelaufen. Ich verzeihe huldvoll und genieße den Abend mit bester Unterhaltung. Bevor ich schlafen gehe, beglück­wünsche ich mich insgeheim noch einmal zu meiner Klamottenauswahl für diese Urlaubsreise und denke, wie gut, dass es in Herborn keine Jeansminiröcke gibt...

Freitag, 17. September 2010

Die Reise, Tag 2

EderseeAm nächsten Morgen wache ich nach neun Stunden Schlaf erholt auf. Die Stiefel und Hand­schuhe sind immer noch nass und ich be­ar­beite sie mit dem Föhn, während die Wetter­vorhersage weiteren Regen verspricht.

Ohne mir die Laune vermiesen zu lassen, starte ich nach einem super leckeren Früh­stück mit Eiern, Brötchen und zwei Kännchen Kaffee in bester Urlaubslaune in den Tag.

Auf dem Weg nach Süden komme ich am Edersee vorbei, den ich schon 2007 besucht habe. Damals war es im August brütend heiß und die Strecke so überfüllt, dass ich teilweise stop and go um den Stausee herumgefahren bin. Heute aber habe ich die schöne Kurven­strecke fast für mich allein und nur das Wetter und ein Tempolimit von 60 km/h trüben den Fahrspaß rund um den See. Eine nette Strecke, aber kein "must see" für mich.

Svenja zieht die Regenkombi anVom Edersee fahre ich über Fran­ken­berg nach Biedenkopf, folge ein Stück der Lahn und komme schließlich nach Gladen­bach. Inzwischen bin ich sieben Stunden unterwegs und nur eine Stunde ohne Regenkombi gefahren. Auch die blöden Gore­tex­stiefel sind wieder durchnässt.

Ich habe keine Lust zu zelten und wiederhole in Gladenbach mein Programm von gestern: Ein Zimmer für 25 Euro suchen, duschen, umziehen und runter zum Essen.

Nach außen hin gebe ich die coole Else, aber so richtig wohl fühle ich mich in meiner Haut nicht, denn die Kneipe ist gut besucht, ziemlich laut und für meinen Geschmack ein klein wenig zu prollig. Für einen Moment wünschte ich, dass ich die Motorradsachen angelassen hätte, statt mich in den aufreizenden Fummel mit Strumpfhosen und Ballerinas zu werfen.

Als ich in die Gaststube trete, werde ich von den Anwesenden kurz und gründlich gemustert, bevor sie sich erneut ihren Gesprächen und Kartenspielen zuwenden und die Geräuschkulisse wieder auf das Vorher-Niveau anschwillt. Gladenbach, 19 Uhr, das Passing hält. Puh, mir fällt ein Stein vom Herzen.

Fazit: Auch den zweiten Reisetag verbuche ich unter Anreise. Die Fahrt war verregnet und das Hotel eher drittklassig. Vielleicht nimmt dieser Urlaub ja erst am dritten Tag so richtig Fahrt auf? Ich brauche nur daran zu denken, wie der kleine Italiener ...
Aber das ist Stoff für einen anderen Tag.

Mittwoch, 15. September 2010

Die Reise, Tag 1

Svenja startet 2010 auf ihrer Kawasaki KLX250 nach FrankreichDas wird nicht nur die erste große Tour auf meiner neuen Kawasaki KLX250, sondern zugleich auch meine erste Reise als Frau ins Ausland. Ich will heraus­finden, ob mein Passing als Svenja endlich hält, oder ob ich noch immer als trans auffalle. Außerdem bin ich ge­spannt, wie sich die leichte 250er Enduro auf einer so langen Reise mit Gepäck anfühlt. Macht das überhaupt Spaß?

Um das herauszufinden, habe ich mir einen ganz einfachen Plan zurechtgelegt: Ich fahre von Kiel über das Weser­bergland, Odenwald und den Naturpark Nassau bis an die Mosel, folge dort für ein Weile den Moselschleifen und düse durch Hunsrück und Pfälzerwald weiter nach Frankreich in die Vogesen. Dort gönne ich mir tausend Kurven mit dem Höhepunkt Route des Cretes, bevor ich schließlich auf schönen Umwegen über Schwarzwald, Spessart und Harz zurück nach Kiel fahre.

Als ich am Donnerstagmorgen die Plane von der vollgepackten KLX wegziehe, bekomme ich zuerst einen kleinen Schrecken. Nanu? Das war doch gestern abend noch nicht da. Oh, wie lieb: Meine Nachbarin hat mir eine total süße Gute-Reise-Postkarte ins Kartenfach des Tankrucksacks gelegt. Danke, liebe Frau J.

Ich starte den kleinen Motor und freue mich wie immer über den leisen, geschmeidigen Lauf der Kawa. Ganz anders als der rauhe und laute Einzylinder der KTM. Das wird mir in Titisee sicher noch gute Dienste leisten, wenn ich dort über die Kurpromenade heize.

Auf der Autobahn hänge ich mich hinter einen LKWDie Wettervorhersage ist mies, aber trotzdem hoffe ich auf das Beste und lasse die neue Regenkombi vorerst im Tank­ruck­sack. Über die alte B4 fahre ich parallel zur A7 in Richtung Süden. In Hamburg muss ich dann aber doch für 16 km die Autobahn nehmen, um durch den Elbtunnel zu fahren.

Als ich nach drei Kilometern wieder ans Licht komme, regnet es. Zum Glück habe ich schon in Bad Bramstedt die Regen­kombi über­gezogen. Nach meiner Tauchfahrt 2007 verlasse ich mich nicht mehr allein auf Goretex.

Dieser erste Anreisetag ist wirklich kein Highlight. Der lange Weg durch Schleswig-Holstein, Hamburg und das nördliche Niedersachsen ist total langweilig. Lange, endlos gerade Straßen über flaches Land, die ich nur stumpf absitzen kann.

In Verden an der Aller mache ich eine kurze Tankpause und esse an einem Grillwagen ein knuspriges, halbes Hähnchen im Stehen. Vom Dach des Imbisswagens tropft der Regen unablässig auf den Rücken meiner Kombi. Ich verzichte auf Fotos, weil es einfach zu nass ist und ich Angst um meine schöne kleine Lumix Kamera habe.

Kawasaki KLX250 auf großer Reise im Regen mit Gepäck

Kurz vor Rinteln komme ich versehentlich auf eine 4-spurige Schnellstraße. Es regnet wie die Hölle und ich kann wegen der Leitplanken nirgends anhalten, um mich unterzustellen. In der Zwischenzeit melden meine Füße Wassereinbruch im rechten Stiefel. Das erste Paar Goretex­handschuhe ist ohnehin längst durchnässt, aber aus Erfahrung habe ich zwei Paar Ersatz mit und wechsele in die dicken warmen Held IceBreaker Handschuhe.

Heute wollte ich mein Zelt unterhalb der Trendelburg direkt am Ufer der Diemel aufbauen, aber an zelten ist nicht zu denken. Im Zelt bekomme ich meine Sachen niemals trocken und so mache ich mich nach fast neun Stunden Regenfahrt auf die Suche nach einem günstigen Zimmer für die Nacht. Meine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt und ich brauche jetzt unbedingt eine heiße Dusche und ein leckeres Essens. Und Wein bitte. Kurz vor Höxter rolle ich durch den winzigen Ort Bödexen und kehre im Gasthaus Buch ein, wo ich für 25€ ein günstiges Zimmer für die Nacht finde.

In meiner unförmigen Regenkombi stapfe ich tropfnass wie eine frisch gefangene Makrele die Treppe nach oben auf mein Zimmer und nehme erstmal eine heiße Dusche. Als ich nach einer guten Stunde mit frisch gewaschener Walla Walla Mähne in die Gaststube schwebe, ernte ich einige überraschte Blicke.

Haben die mich als trans erkannt? Nein, das ist es wohl nicht, denn den Anlass für die hochgezogenen Augenbrauen entdecke ich kurz darauf selbst in dem großen Spiegel über der Bar: Das graue Strick­kleid ist eine Idee kürzer, als ich es in Erin­ne­rung hatte. Na prima und das ist das einzige lange Kleid, das ich mit­ge­nommen habe. Svenja bei Familie Buch in BödexenDie beiden anderen sind kürzer. Ich werde ein­fach behaupten, es sei unterwegs im Regen einge­laufen. Wie wollen diese Landeier mir denn jemals das Gegenteil beweisen?

Als kurz darauf das Essen kommt, strahlt die Seele wieder. Das Zwiebelschnitzel ist große Klasse und auch Pieps ist begeistert und latscht zweimal mit den Pfoten voll in die Sauce. Ich bin froh, dass ich die kleine Maus habe und doch nicht ganz alleine bin.

Nach dem Essen setze ich mich zu den Jungs an die Bar und habe noch einen sehr netten Abend. Ich bekomme ein Über­nacht­ungs­angebot, das ich höflich ablehne, Weißwein, den ich gerne annehme und einen total süßen Heirats­antrag, den ich ebenfalls ablehnen muss. Vielleicht ist das Kleid doch gar nicht so schlecht...

Fazit: Der erste Reisetag war ein ziemlicher Reinfall. aber ich lasse mir die Urlaubslaune noch nicht vermiesen. Morgen früh starte ich weiter nach Süden. Wird der zweite Tag besser, oder auch wieder eine fiese Wasserschlacht?

Donnerstag, 9. September 2010

Madame, Madame...

Svenja auf dem Col du Bonhomme an der Route des Crêtes„Madame, Madame.“, ruft eine unbekannte Stimme hinter mir. Es dauert fast einen Tick zu lange, bis mir endlich klar wird, dass nur ich gemeint sein kann. Sonst ist hier nämlich niemand.

Bis vor wenigen Minuten haben wir noch ganz allein auf dem Col du Bonhomme gestanden, die Green Cow, Pieps und ich, als plötzlich dieser riesige gelbe Reisebus auf den Parkplatz rollt. Es steigt aber kaum jemand aus, was bei dem Wetter auch kein Wunder ist. „Heiter bis wolkig.“, wäre eine reine Postkartenlüge, denn seit meinem Start in Kiel vor fünf Tagen hat es fast ununterbrochen geregnet.

Mit einem strahlenden 1000W Lächeln drehe ich mich schließlich um und stehe dem Reiseleiter der fröhlichen Kaffeefahrer gegenüber. Er strahlt colgateweiß zurück und ich lege noch einmal 500W oben drauf. „Soll isch eine Photo machen von Sie?“, fragt er mit breitem, französischem Akzent.

„Oh, ja. Sehr gerne. Danke schön.“, brabbele ich debil zurück und stelle mich dabei in Pose, wie ich das immer tue, wenn ich eine Kamera nur aus der Ferne sehe. Der unbekannte Franzose macht ein Bild, strahlt mich ein letztes Mal an und verschwindet mit einem charmanten „Salut, Madame.“ wieder im Bus, der sich kurz darauf in Bewegung setzt.

Minuten später düse ich auf der kleinen Kawa weiter über die Route des Crêtes und schwebe dabei auf Wolke 7. Für eine Weile stört es mich nicht einmal, dass mir die Wolken eins bis sechs dabei langsam in die Stiefel laufen.

KLX250 und Reisebus auf dem Col du Bonhomme
Diese Reise sollte schließlich mehr werden, als nur eine gewöhnliche Urlaubsreise zu meinem Vergnügen. Schon seit Monaten schwirren mir einige Fragen im Kopf herum, die ich unbedingt beantwortet wissen will:

Fuenf wichtige FragenFrage 1, die P-Frage: Funktioniert das mit dem Passing gut genug, um überzeugend als Frau zu reisen, oder werde ich regelmäßig als „Transe mit Motorrad“ wahrgenommen?
Frage 2: Welche Probleme erwachsen aus dem Einen, wie aus dem Anderen?

Frage 3: Macht mir das Motorradreisen mit Zelt und Schlafsack überaupt noch Freude?


Frage 4: Werde ich endlich lernen, das Alleinreisen zu lieben, oder werde ich auch in Zukunft mit demütigender Verzweiflung nach einem Motorradkumpel (m/w) suchen müssen?

Frage 5: Ist die kleine Green Cow mit ihren 250 Kubik ein Fehlkauf gewesen, oder genau die leichte Enduro, die ich mir gewünscht habe?

Fazit:
Die Antwort auf die P-Frage habe ich schon am ersten Abend bekommen, als mir nacheinander kostenlose Logis, die Ehe und diverse Freigetränke in Aussicht gestellt wurden. Und auch an den anderen Abenden bin ich, soweit ich das überhaupt beurteilen kann, nicht einmal als trans wahrgenommen worden.
PS:
Ich hab dann übrigens doch nur den Wein genommen.

Das „Madame, Madame!“ Erlebnis auf dem Col du Bonhomme war jedoch das Sahnehäubchen, denn ich war nur minimal geschminkt und bin sogar in Motorradsachen von hinten als Frau eingeordnet worden. Für den Rest der Reise war die Spannung aus der P-Frage genommen und ich bin allmählich selbstsicherer geworden.

Ausblick:
Welche lästigen Konsequenzen es aber haben kann, als alleinreisende Frau in einem etwas zu kurzen Kleid unterwegs zu sein, davon berichte ich euch in einem zweiten Teil.

Mittwoch, 25. August 2010

Reisevorbereitungen

Svenja Svendura montiert die Gepäckbrücke an ihrer KLX250Habe ich auch wirklich, wirklich nichts vergessen?

Der 7 Liter Tank der Cow ist rand­voll getankt und auch den neuen Ge­päck­träger habe ich schon an­ge­schraubt. Sogar ohne dabei einen Nagel abzubrechen.

Ich habe mir ein wisch- und wasserfestes MakeUp besorgt und anschließend überlegt, was ich zum Anziehen mitnehmen könnte. Ich möchte schließlich gut aus­sehen auf dem Weg vom Zelt zum Waschhaus.

Jetzt fehlen nur noch die Gast­geschenke für Frankreich. Ich habe kurzerhand die übrig gebliebenen Fanartikel zur Fußball WM­2010 aufgekauft. Einen ganzen Beutel voller kleiner Fähnchen und Deutsch­landschals.


Vielleicht kann ich in Frankreich damit ein wenig Freude bereiten. Was heißt eigentlich auf französisch: „Ihr müsst sehr, sehr stolz sein auf eure Nationalmannschaft.“? Ich habe zwar keine Ahnung, wie die überhaupt abgeschnitten haben, aber so ein Satz kommt doch immer gut an.

Für mich wird es eine ganz besondere Reise. Es ist die erste lange Tour auf der kleinen Cow und es wird hoffentlich die erste Urlaubsreise, auf der mein Passing nicht aufplatzt. Nicht wie bei meiner letzten Reise 2007, als ich in Titisee ganz höflich gefragt wurde, ob ich vielleicht ein Indianer sei?

Doch die wichtigste Frage von allen: Ist dieses neue MakeUp wirklich wischfest, oder bleibt auch diesmal mein Gesicht wieder an der Innenseite des Helms kleben, wenn ich ihn an der Tankstelle abnehme?

Svenja fährt das Motorrad zum tankenMorgen früh starte ich in Kiel und fahre südlich bis in den Pfälzerwald. Von dort nach Frank­reich in die Vogesen und weiter ins französische Zentralmassiv und in die Cevennen. Dort verliert sich meine Spur.

Fahre ich weiter bis nach Spanien? Oder über die sagenhafte Route des Grandes Alpes in die Schweiz und anschließend durch den wunderschönen Schwarz­wald nach Hause? Ich lasse mich treiben und schaue einfach mal, wer zuerst schlapp macht: Mein Dubs, oder die EC-Karte?

Samstag, 21. August 2010

Kiel bloggt

Svenja am Stand der Kieler Nachrichten
"Das ist doch ein ganz toller Artikel, den die Kieler Nachrichten über dich und deinen Blog geschrieben haben.", trom­petet es aus meinem Telefon.

"Ja, schon.", entgegne ich mit dürren Worten.

"Das ist alles? Obwohl da sogar etwas von charmant und schön ge­schrieben steht? Sonst flippst du doch beim kleinsten Kompliment jedesmal völlig aus? Ich erinnere mich noch an den einen Abend im Theater, als dieser junge Schauspieler zu dir gesagt hat..."


"Es reicht.", unterbreche ich Claudia schnell. Ich kann die alte Geschichte schon nicht mehr hören. "Ich hatte vielleicht ein halbes Glas Sekt zuviel getrunken und mein Heiratsantrag war ja auch nicht wirklich ernst gemeint."

"Ha!", lacht Claudia laut auf, so dass ich mir das Telefon ein Stück vom Ohr weghalten muss: "Das hat seine Frau damals aber völlig anders gesehen. Du hattest Glück, dass sie nur 1,60 war und du mit Pumps fast 1,90. Na gut, lassen wir das. Also, was passt dir nicht an dem Artikel?"

"Charmant und schön, ja ja.", platzt es aus mir heraus. "Das stimmt ja auch alles, aber ich hatte natürlich gehofft, die schreiben vielleicht „total schön“, oder wenigstens "sehr schön". Und nicht ein Wort von meiner ganzen Bescheidenheit und auch nicht darüber, wie schlau ich bin und dass ich irre viel Ahnung von Motorrädern hab und auch noch total gut kochen kann.

Und außerdem hatte ich es so verstanden, dass ich auf der Titelseite bin und nicht erst auf Seite 20 kurz vor den Todesanzeigen. Wer hat denn je eine Zeitung bis Seite 20 gelesen? Der ganze Artikel klingt überhaupt so, als wenn ich eine von diesen oberflächlichen Elsen bin, die immer nur geschminkt und schön sein wollen, oder?"
Schweigen in der Leitung.
"Claudia? Hast du gehört, was ich gesagt habe?"
"Äh, ja."
"Na und?"
"Aber nein, Tinky Winky.", versichert Claudia mit gequälter Stimme. "Du bist nun wirklich keine von diesen oberflächlichen Elsen, denen es nur auf ihr Aussehen ankommt."

Svenja in den Kieler Nachrichten Serie KN Kiel bloggtFazit: Ich finde es klasse, dass die Kieler Nachrichten unter der Überschrift "Kiel bloggt" eine Serie über die Kieler Bloggerszene aufgelegt haben. Hoffentlich werden noch viele weitere Kieler Blogger vorgestellt.

Ein wenig schade ist es, dass die Serie in den Kommentaren der Onlineausgabe bislang noch so wenig Resonanz findet.


Ganz nebenbei wird mir beim Lesen des Artikels bewusst, dass ich diesen Monat ein kleines Jubiläum feiern kann.

Fünf Jahre ist es her, dass ich wieder nach Kiel gezogen bin und kurz darauf den Switch von Sven zu Svenja gewagt habe und ebenso lange gibt es meinen Blog, Svenja-and-the-City. Puh, das war ein weiter Weg von hier bis heute.

Sonntag, 15. August 2010

Französisch in 14 Tagen

Zwei Cops bei Hein Gericke in Kiel"Ich will mir eine neue Motorradjacke kaufen. Kommst du mit aussuchen?"

"Wozu brauchst du denn eine neue Jacke? Die orange Endurojacke ist doch noch gut genug für deine Reise nach Masuren und durch Polen."

"Polen, Masuren? Häh? Wovon redest du überhaupt?"

"Na Moment mal. DU hast doch im Internet die große Welle gemacht, weil du wissen wolltest, ob sie dich in Polen verkloppen, wenn die erstmal raus­kriegen, dass du trans bist.
"

"Ach das.", winke ich lässig ab. "Alles Schnee von gestern. Ich habs mir anders überlegt und fahre doch lieber nach Frankreich. Die Vogesen, die Cevennen, gutes Essen, guter Wein und so weiter."

"Frankreich statt Polen. Aha. Sprichst du denn französisch?"
"Nö, kein Wort. Na und? Kann ich ja noch lernen bis dahin. Ich hab ja noch Zeit."
"Du willst in zwei Wochen französisch lernen?"
"Nein, natürlich nicht. Die zweite Woche brauch ich doch, um spanisch zu lernen, falls ich weiterfahre bis in die Pyrenäen. Und außerdem: Wie schwer kann das schon sein?"

Schweigen am anderen Ende der Leitung.
Ich: "Claudia? Bist du noch da und kommst du jetzt mit? Dann hole ich dich gleich ab."
"Wo müssen wir denn überall hin?"
"Zu Polo, Louis, Hein Gericke, Motorrad Ecke, überall eben."

Svenja Svendura bei Detlev Louis in Kiel Motorradsachen anprobieren

"Na gut, ich begleite dich, aber nur wenn du nicht wieder diese blöde Catwalk Show abziehst wie beim letzten Mal, als du den Nierengurt gekauft hast."
Warum muss Claudia nur immer so zickig sein, denke ich. "Das war keine Show. Ich musste doch sehen, ob der Nierengurt richtig sitzt und ob der auch total schön aussieht und alles."
"Und dazu musstest du unbedingt das rote Buffalo Minikleid anziehen und jeden im Laden fragen, ob du mit dem Nierengurt auch nicht fett aussiehst, ob die Farbe zu deinen Haaren passt und ob die Schuhe dazu gut aussehen?"
"Na und? Ich hole eben gerne eine zweite Meinung ein. Und außerdem wollte ich einen guten Eindruck machen, wenn ich mir neue Motorradsachen kaufe. Aber merkwürdig, dass du es erwähnst: Das Kleid habe ich heute nämlich auch wieder an..."

Svenja Svendura bei POLO in Kiel Motorradsachen anprobieren

Fazit: Die Reise nach Polen verschiebe ich. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn nicht mehr jeder CSD von Steinwürfen begleitet wird und selbst die Reiseführer nicht mehr davor warnen müssen, sich wissentlich oder versehentlich zu outen. Das alles verunsichert mich. Stattdessen mache ich eine lange Tour durch Deutschland und Frankreich.

Svenja Svendura bei Hein Gericke in KielVon Kiel durch die Lüneburger Heide ins Weserbergland weiter in den Taunus, dann an der Mosel entlang, weiter über den Hunsrück bis in den Pfälzer Wald zum Kurven fahren. Von dort nach Frankreich in die Vogesen, wo es ein paar tolle Pässe und einsame Schotterwege durchs Gebirge geben soll. Genau richtig zum Endurowandern.

Je nach Wetter und Kondition meiner EC-Karte reite ich dann weiter nach Süden. Mal sehen, wie weit die kleine grüne Cow mich mit ihren 250 Kubik tragen wird. In ein paar Tagen gehts schon los und ich muss vorher noch jede Menge von diesem typischen Bikerzeug erledigen: Kette fetten, volltanken, Augenbrauen zupfen, zwei Sprachen lernen, sowas eben. Und was nehme ich überhaupt an Klamotten mit?

Übrigens habe ich mir letztlich bei Hein Gericke die neongelbe Goretexjacke in Extreme Wet Weather Ausstattung gekauft. Seit meiner letzten Deutschlandreise bin ich nämlich ziemlich misstrauisch geworden...

Sonntag, 8. August 2010

Angst vor Polen?

Svenja an der Landkarte Endurowandern in Masuren oder auf dem FjellOk, das ist heute etwas kompli­zierter, aber ich brauche eure Hilfe. Versucht bitte, euch kurz in meine Situation hinein­zudenken: Seit vielen Jahren bin ich mit dem Motorrad, Zelt und Schlafsack in Europa unterwegs. Zuerst als Sven und seit einigen Jahren als Svenja. Das Enduro­wandern ist mein Hobby und niemals hatte ich irgend­welche Be­den­ken um meine Sicherheit.

Mein diesjähriges Traumreiseziel liegt in Polen. Ich möchte so gerne durch Masuren fahren und mir auf einer großen Polenrundreise auch die polnischen Waldkarpaten ansehen. Polen soll wunderschön sein und ich habe Urlaub genug, um auf meiner nagelneuen grünen Cow in Ruhe durch unser Nachbarland zu reisen.

"Na und?", werdet ihr fragen, "Mach doch." Aber ganz so einfach ist das nicht, denn ich bin transsexuell.

Ein Arbeitskollege gab den Denkanstoß: "Na, ich bin ja mal gespannt, wie die auf dich reagieren werden in Polen. Wenn du da irgendwo vorfährst und den Helm abnimmst (grins).Die sind ja alle erzkatholisch."

Ich war geschockt und verunsichert. Bis zu dieser Minute hatte ich mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Ich bin eine Frau und Polen ist ein modernes Land. Was soll da passieren? Für meinen Kollegen war es offenbar gar nicht vorstellbar, dass irgend jemand mich wirklich für eine Frau halten könnte, während ich daran gar keinen Zweifel hatte. Andererseits darf mein Passing* nicht der einzige Schutz sein. Bin ich nur solange sicher, wie niemand etwas Ungewöhliches an mir bemerkt? Das darf nicht die Lösung sein.

Puh, jetzt heißt es recherchieren, aber schon meine ersten Suchanfragen zur Situation Transsexueller in Polen bringen Unangenehmes zutage. Beim diesjährigen CSD in Polen kam es erneut zu Ausschreitungen gegen die Teilnehmer der Europride. Interessant finde ich, dass dabei immer wieder Rechtsradikale und Katholiken in einem Atemzug genannt werden. In einem Beitrag des Radiosenders Pride1 heißt es: "Rund 2000 Polizisten sollten die Parade schützen – dennoch kam es zu Eier- und Flaschenwürfen von Rechtsradikalen und Katholiken. ... Immer wieder werden Homosexuelle in Polen Opfer von verbalen und/oder körperlichen Anfeindungen."

Einen ähnlichen Hinweis las ich gestern in einem aktuellen Reiseführer über Polen, in dem Homosexuelle ausdrücklich darauf hingewiesen werden, sich keinesfalls zu erkennen zu geben. Und was mache ich? Wie gebe ich mich nicht zu erkennen? Ist mein Passing das Einzige, das mich vor Ärger bewahrt? Und was geschieht, wenn es aufplatzt, wenn jemand Verdacht schöpft, die Stimme, die Größe, die breiten Schultern? Was dann...?

Definition Was ist Passing?Jedenfalls bin ich jetzt total verunsichert, ob meine geplante Motorradtour durch Polen mir ein wunderbares, unbekanntes Land mit traumhaften Landschaften erschließen wird, oder ob es ein unangenehmes Spießrutenlaufen mit unbekanntem Ärger bedeutet, in dem ich in jeder Sekunde um mein Passing besorgt sein muss?

Ich könnte dem leicht ausweichen, indem ich wieder nach Skandinavien fahre, wo die Menschen tolerant und weltoffen sind und wo ich 2007 nicht die geringsten Probleme hatte, obwohl damals noch spätestens zur Mittagszeit mein Bartschatten ganz fies durchs MakeUp wucherte :-)

Fazit:
Ich bin verunsichert und deshalb benötige ich eure Hilfe. Kennt jemand von euch Polen gut genug, um etwas Sinnvolles beisteuern zu können? Die Großstädte meide ich ohnehin und über die üblichen dummen Polenklischees bezüglich Fahrzeugklau ist hoffentlich jeder längst hinweg ...

*Passing: Von anderen nicht als Transsexuelle erkannt zu werden, nennt man gutes Passing.
Meine Tipps zum Verbessern des Passings findet ihr hier... klick

Dienstag, 6. Juli 2010

Ladies only?

Svenja probiert Motorradsachen bei Louis in Kiel"Du musst sofort herkommen!", brülle ich Claudia am Handy ins Ohr. "Und ich brauch die Nummer von Amnesty International. Und die von der EU. Am besten die vom Chef. Und komm schnell, ich warte hier. Ich bin bei Louis in Kiel."

"Immer mit der Ruhe, Tinky Winky. Was ist denn nun schon wieder passiert? Und du darfst mir gerne erst einmal guten Morgen sagen, bevor du mich anschreist."

"Guten Morgen, guten Morgen! Und jetzt komm schnell. Ich bin hier einem ungeheuren Fall von Diskriminierung auf die Spur gekommen. Aber diesmal haben sie einen Fehler gemacht, ich habs nämlich schriftlich. Du musst sofort kommen und deine Kamera mitbringen. Ich brauch Beweisfotos."

"Beweisfotos? Amnesty International? Die EU? Sag mal, bist du betrunken, oder haben dir die Hormone jetzt endgültig das Hirn vernebelt?"

"Entschuldige Claudie. Ich vergess immer wieder, dass du bloß normalbegabt bist und nicht alles gleich kapierst. Also hier die Kurzfassung: Ich bin heute morgen zu Louis und wollte ein paar Motorradhosen anprobieren. Und wie ich die erste Hose so vom Bügel nehmen will, sehe ich plötzlich dieses knallrote Warnschild: Ladies only! Ich dachte, mich trifft der Schlag. Das geht eindeutig gegen Transsexuelle. Aber nicht mit mir. Damit haben wir sie im Sack."

"Sag mal, spinnst du jetzt komplett? Die Schilder bedeuten doch nur, dass die Sachen einen weiblichen Schnitt haben. Sonst nichts. Du bist einfach nur einem blöden Werbespruch aufgesessen. Mit Diskriminierung hat das nichts zu tun. Die Sachen sind nur extra für die weibliche Figur geschneidert und du bist doch eine Frau, oder nicht?"

Spinner in Feinstrumpfhosen"Ja schon, aber meinst du wirklich? Denkst du, ich kann die Hose einfach mal anprobieren, ohne dass es hier gleich einen Riesenärger gibt und die mich im hohen Bogen rausschmeißen?

Sonst hab ich nämlich zur Sicherheit schon daran gedacht, meine ganzen Unterlagen mitzubringen. Die über meine Transsexualität und natürlich auch die Urkunde für die Namensänderung. Und vielleicht noch ein paar leere Hormonpackungen. Das würde ich dann alles an der Kasse auf dem Tresen ausbreiten, damit die gleich sehen, dass ich es ernst meine und nicht nur ein Spinner in Feinstrumpfhosen bin, der mal heimlich Frauensachen anprobieren will.

Dann könnte ich denen hier alles erstmal ganz in Ruhe erklären. Sag mal, meinst du, es reicht aus, wenn ich das nur einem von denen sage, oder soll ich lieber gleich alle informieren? Am besten gehe ich wohl über den Chef, damit der die Angestellten für mich zusammentrommelt.

Hoffentlich kriege ich da Strom für meinen Beamer. Die wissen ja bestimmt alle nicht soviel wie ich." "...weil du ja hochbegabt bist und die nicht?", unterbricht Claudia mich in süffisantem Tonfall. "Ja genau, aber deshalb guck ich ja nicht gleich auf die runter, nur weil die alle ein bisschen dööfer sind als ich. Dafür kann ja schließlich keiner was."

"Nein, dafür kann nun wirklich keiner was.", stimmt Claudia mir zu. "Weißt du was, Tinky Winky? Im Grunde deines Herzens bist du ein richtiger Philantrop."

Ist das nicht total ätzend, wenn Leute Fremdwörter benutzen, die sie gar nicht richtig verstehen, nur weil sie auch mal irgendwas schlaues sagen wollen? Denn was hab ich auf einmal mit Briefmarken zu tun...?

Samstag, 3. Juli 2010

Wenn du mal einen Mann brauchst...

Svenja geht einkaufen und Sven schleppt die Taschen„Wenn du wirklich mal einen Mann brauchst, dann ist natürlich keiner zu sehen.“, fluche ich leise vor mich hin und schleppe bei 31° Wärme meinen Wochenendeinkauf nach Hause.
Deshalb lasse ich heute Sven den schweren Einkauf für mich tragen. Ich habe dafür extra meine bequemen weißen Ballerinas angezogen. Die passen ihm nämlich auch und so bekommt niemand mit, dass es gar nicht Svenja ist, die mit 15 Kilo Bier, Blanchet, T-Bone Steaks und einem Hochleistungshirn beladen, den Knooper Weg entlang nach Hause stöckelt...

Fazit: Ich habe erst vor kurzem ein zauberhaftes Kompliment bekommen: "Du hast das Mann sein überwunden und zum Frau sein weiterentwickelt." Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn das ist es, was ich immer versucht habe. Und dennoch: Manchmal ist so ein eingebauter ExMann ganz schön praktisch, oder?!

Mittwoch, 30. Juni 2010

Meine blonden Momente - Wo ist das Auto?

Svenja bei PLAZA in Kiel"Weiiiiiber!", lache ich höhnisch. Manchmal sind die sogar zu dämlich, um vorm Supermarkt ihr eigenes Auto wiederzufinden. Wie blöd kann man eigentlich sein?!

Allerdings erinnere ich mich in diesem Moment selbst nicht mehr so ganz genau daran, wo ich vorhin mein Auto abgestellt habe.

Sicher hat mein Hochleistungshirn beim Einparken wieder Nichtlineare Gleichungen berechnet und war dadurch abgelenkt. Manchmal tut es das nämlich
, um sich nebenbei ein wenig zu beschäftigen. Deshalb kann man in meinem Fall auch nicht von Dämlichkeit reden. Außerdem ist dieser PLAZA Parkplatz wirklich ganz schön groß...

Glücklicherweise verfüge ich als Hochbegabte automatisch auch über die kognitiven Fähigkeiten, um jeden Gegenstand alleine durch die Kraft meiner Gedanken wiederfinden zu können. Das ist natürlich das Gute an so einem HighSpeed hirn. Also, ganz systematisch: Als ich hier raufgefahren bin, hat Britney Spears im Radio gerade gesungen: "I'm not a Woman." Das ist doch schon mal eine prima Spur.

Und genau vor mir hat diese dicke Frau in rosa Crocs ihren Einkaufswagen vorbeigeschoben. Sie hatte eine Kiste Cola und Kartoffelchips im Wagen. Ich weiß noch ganz genau, dass das Chio Chips waren. Und das ich sie angehupt habe, weil sie so langsam geschoben hat. Sie hat dann noch gewunken. Das ist eine weitere erstklassige Spur.

Svenja sucht ihr Auto

Beim Aussteigen habe ich mich dann total über die weißen Striche gewundert und warum die schräg unter meinem Auto vorkommen. Vermutlich alle schief aufgemalt. Manche Leute sind einfach sowas von unfähig. Und da steht mein Auto auch schon. Man muss einfach nur ein bisschen nachdenken.

Fazit: Manchmal ist es schon total super, wenn man hochbegabt ist und alles schnell wiederfinden kann. Und manchmal ist es auch super, bequeme Schuhe anzuhaben, um diesen verdammten PLAZA Parkplatz zweimal komplett hoch und runter zu stöckeln auf der Suche nach dem eigenen Auto :-(
Passieren eigentlich nur mir solche Dinge?

Samstag, 12. Juni 2010

Die Notlüge

Claudia sitzt auf der Kawasaki KLX125"Gestern habe ich ein Motorrad gesehen, das sieht fast genau so aus wie deines, nur kleiner. Das war so eine 125er. Die hat sogar dieselbe Lack­ierung wie deine KLX250.", berichtet Claudia.

Was will die Frau nur von mir? Seit wann interessiert die sich für Motor­räder?

"
Ja? Und?", gebe ich langsam zurück und ziehe die Worte dabei mißtrauisch in die Länge.

"Weißt du, welchen Führerschein man für so eine 125er braucht?", fragt Claudia neugierig.

Mir schwant Schreck­­liches, aber mein Hoch­leistungs­gehirn hat innerhalb von Nano­­sekunden einen erstklassigen Notfall- und Rettungs­plan parat: „Da braucht man diesen neuen EU Führer­schein X3. Der soll aber irre schwer sein. Bei den Ausbildungs­fahrten gab es schon mehrere Schwer­verletzte und bei dem einen wissen sie nicht einmal, ob er überhaupt durchkommen wird.", behaupte ich wichtigtuerisch.

"Oh, das klingt ja schrecklich.", erwidert Claudia mit Bestürzung in der Stimme. „Ja, total schrecklich. Und stell dir vor: die Prüfung muss man sogar direkt in Brüssel machen vor der EU und immer bei Regenwetter. Ist das nicht eine Frechheit?“, lege ich sicher­heits­halber noch einen drauf.

"Eine Frechheit ist nur, dass du mich so unverschämt anlügst.", entrüstet sich Claudia. "Ich habe mich nämlich genau erkundigt: Ich darf die 125er mit meinem ganz normalen Führerschein Klasse 3 fahren."

„Ich lüge niemals!“ gebe ich aufgebracht zurück. „Es kann in diesem Fall höchstens sein, dass ich da mal was verwechselt habe mit so einer ganz neuen Gesetzesvorlage, die erst noch kommen soll.“, lüge ich frech weiter. Ich hasse es, wenn Claudia mich beim Überarbeiten der Wahrheit erwischt und dann stundenlang darauf herumreiten muss. Ist sowas nicht total ätzend?

„Ich brauche lediglich ein paar Fahrstunden zur Auffrischung zu nehmen.“, freut Claudia sich.

"Wofür zum Geier brauchst du denn Auffrischungsstunden?", gebe ich muffelig zurück.

Gehirnrechnung vergessen zu bezahlen„Sag mal, Tinky Winky, hast du diesen Monat vergessen, deine Gehirn­rechnung zu bezahlen? Du bist ja heute so schwer von Begriff.

Während du nämlich in der Werkstatt deine großen Reden an das Volk der Mechaniker geschwungen hast, habe ich im Verkaufsraum eine nagelneue Kawasaki KLX125 bestellt und die will ich nächste Woche abholen. Fährst du mich bitte nach Neumünster?“

Fazit: Hochleistungshirn hin, oder her... Diesmal bin ich sprachlos. Die Abenteuer zweier junger Frauen im besten Alter, zusammen gerade einmal 116 Jahre alt, die auf zwei Motorrädern mit immerhin 375 ccm auf Reisen gehen. Was sagt man dazu?

Montag, 7. Juni 2010

Germany's Next Kawasaki Girl

Svenja Svendura auf Kawasaki KLX250„Fährst du mich nachher kurz mal nach Neumünster?“, frage ich Claudia am Telefon.

„Erstens heißt das 'BITTE' und zweitens hast du doch selbst ein Auto? Und sag bitte nicht, dass du schon wieder zu Kawasaki willst und jetzt eine Dumme suchst, um die Fotos zu machen, während du wieder deine große Show abziehst.“

„Ich ziehe überhaupt keine Show ab. Das tue ich niemals.“ zicke ich beleidigt zurück. „Ich will nur Verbindung aufnehmen.“

„Verbindung aufzunehmen? Mit wem nimmst du denn Verbindung auf?
„Ich nehme Verbindung auf mit der kleinen grünen Kawasaki, die da steht.“


„Oh nein, nicht schon wieder. Das heißt, falls die da überhaupt noch steht. Wahrscheinlich haben sie die längst im Schuppen versteckt, weil sie die Nase voll haben von deinen Auftritten und dir erzählen sie, dass sie verkauft ist. Das ist zwar ein Showroom, aber für MOTORRÄDER und nicht für irgendwelche durchgeknallten Mofa-Girls.“

„Das mit dem verkauft kann schon sein.“ erwidere ich süffisant und mache total auf geheimnisvoll. „Und zwar an M-I-C-H.“ „Du hast WAS? Ein Motorrad gekauft? Wovon denn? Du hast doch nie einen Pfennig auf der Naht und bist dauernd pleite. Wovon solltest DU dir ein Motorrad kaufen können?“

Meine Güte, hat diese Frau eine lange Leitung. Vielleicht kommt es mir aber auch nur so vor, weil ich hochbegabt bin und sie nicht. Für mich spielt sich so eine Diskussion quasi in Zeitlupe ab, weil mein Gehirn die Informationen ja viel schneller verarbeiten kann.

„Gespart.“, gebe ich einsilbig zurück. „Vom Munde abgespart.“ „Ach! DESHALB muss ich also schon seit Wochen Sonntags das Frühstück bei Tackmann alleine bezahlen. Von wegen dein Portmonee vergessen. Du hast dir das Motorrad von m-e-i-n-e-m Munde abgespart.“
„Meine Güte, wie kann man wegen einer Tasse Kaffee so einen Film drehen. Davon kriegt man noch lange kein Motorrad.“, gebe ich beleidigt zurück.

Tinky Winkys Tuningtipps sind nicht willkommen„Eine Tasse? Literweise hast du das Zeug getrunken und dich dazu mit Eiern, Mett und Schinken vollgestopft. Die Leute haben schon rübergeguckt, was das für eine verfressene Else ist.“, regt Claudia sich immer weiter auf. „Ich bin keine verfressene Else.“, verteidige ich mich. „Hast du überhaupt die geringste Ahnung davon, wieviele Kalorien so ein Hochleistungsgehirn beim Denken verbraucht? Also fährst du mich jetzt, oder nicht?“

„Na gut, ich fahre dich. Schon damit du dort keinen Blödsinn machst.“, seufzt Claudia resigniert. „Aber unter einer Bedingung: Du gibst den Männern in der Werkstatt keine guten Tipps mehr, Tinky Winky. Als du letztes Mal in deinem Minikleid mit Peeptoes nach hinten in die Werkstatt gestöckelt bist und da deinen Vortrag über Die Grundlagen der Motorentechnik gehalten hast...“

„Wieso, was war denn damit?“ „Nun ja, ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich so gut angekommen ist, wie du glaubst. Einige von den Gesellen haben ziemlich bissig geguckt und der Meister sah nicht amüsiert aus. Und deine tollen Tricks, mit denen du 1976 deine Kreidler frisiert hast, die wollte auch niemand hören. Vielleicht funktionieren die ja bei der neuen 200PS Ninja gar nicht?"

„Natürlich würden die funktionieren. Ist doch dasselbe Prinzip. Die waren doch nur beleidigt, weil ein Mädchen viel mehr Ahnung von Motorrädern hat, als die selber.“

„Ja, das wird es wohl gewesen sein. Die waren nur beleidigt, weil du so "total viel Ahnung" von Motorrädern hast, Tinky Winky. Und von Kochen natürlich. Ich hol den Twingo und dann können wir los.“

Bedienungsanleitung Kawasaki KLX250 Enduro“ border=

Mittwoch, 2. Juni 2010

Der 7. Sinn mit Svenja

Svenja putzt ihre Motorradstiefel„Du machst W-A-S?“, fragt Claudia ungläubig, als ich ihr von meinem neuesten Projekt berichte.

„Ich geb denen in meinem Blog jetzt immer ganz tolle Tipps, weil die sich ja nicht so gut auskennen wie ich.“, erwidere ich und klinge dabei so be­scheiden, wie nur möglich.

„Womit kennst DU dich denn gut aus?“, fragt Claudia und denkt wahrscheinlich, dass ich den spöttischen Unterton nicht bemerke. Ich bemerke ihn aber sehr wohl.

„Na mit fast allem. Mit Motorrad­fahren und mit Auto­fahren und mit Computern und so. Und mit Kochen natürlich auch.“, schiebe ich eilig hinterher.


„Und als Hochbegabte darf ich ja nicht auf die Leute runtergucken, sondern soll denen lieber was von meinem Wissen abgeben. Die können ja nichts dafür, dass sie...“
„...doof sind?“
, beendet Claudia meinen Satz.
„Nein, nicht doof. Jedenfalls nicht richtig. Die kennen sich eben nur nicht so gut aus mit allem."

„So gut wie DU, meinst du? Aber nein, natürlich nicht. Wie sollten sie auch?“, fragt Claudia und ich merke, dass sie jetzt erst verstanden hat worum es mir geht. Manchmal hat sie wirklich eine ziemlich lange Leitung.

„Das ist aber wirklich sehr großzügig von dir, Tinky Winky, die Menschheit dermaßen selbstlos an deinem ungeheuren Wissensschatz teilhaben zu lassen. Wo du dich doch mit allem so gut auskennst. Und mit Kochen natürlich.“

„Ach das ist doch selbstverständlich.“, winke ich ab. "Man hat ja auch eine Verantwortung.", füge ich hinzu und bemühe mich, meiner Stimme einen feierlichen Klang zu geben. Dennoch merke ich, wie ich ein wenig rot werde vor Stolz über dieses ehrliche Kompliment.

Fazit: In meinem ersten Beitrag zum Thema Sicherheit auf dem Motorrad, ermahne ich euch eindringlich, nur in geeigneter Schutzbekleidung aufs Motorrad zu steigen. Ich appelliere an alle Biker, nicht länger in PeepToes zu fahren. Nicht einmal dann, wenn sie aus echtem Leder sind. Die PeepToes, nicht die Biker.

Svenja tauscht die PeepToes gegen Motocross Stiefel