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Freitag, 16. Februar 2018

Morgens im Bloggercafé

Mein freier Tag. Kurz vor Acht. Ich packe das MacBook ein, stecke das Moleskine mit den Reisenotizen in die Tasche und ziehe die Reißverschlüsse meiner langen Stiefel hoch. Gleich macht das Mmhio auf. In allerbester Ich-hab-heute-frei-Laune stiefele ich die Beamtenlaufbahn hoch, an der Blume vorbei, über den Campus der Kunsthochschule, die Ampel am Knooper Weg und schon bin ich da. Es sind nur dreihundert Meter.



Das Mmhio und ich. Das war keine Liebe auf den ersten Blick. Der Laden ist vegetarisch bis vegan und ich ganz sicher nicht. Trotzdem gibt es eine Menge Dinge, die ich hier mag, wie den Filterkaffee, die fetten, butterigen Croissants und die leckeren Quiches. Inzwischen habe ich gelernt, dass nicht alles, was bio ist, automatisch fade und langweilig schmeckt. Manches ist sogar ziemlich ok.

Am meisten mag ich die Atmosphäre: Eine Halle voller alter Möbel, ein derber Holzfußboden, Teelichter, leise Folkmusik, es duftet nach Zimt. Die meisten Besucher sind Studenten der Kunsthochschule. Ich liebe diesen Laden. Nirgends kann man besser sitzen und schreiben. Die Tische stehen weit auseinander und niemand stört sich an Bloggern, die endlos sitzen, Kaffee trinken, sich ab und zu was vom Tresen holen und ansonsten gedankenverloren auf ihre Laptops starren.

Ich besorge mir am Tresen einen großen Kaffee mit zwei Croissants und wandere mit der Beute hinüber zu meinem Lieblingsplatz, dem wurmstichigen Holztisch neben dem Mate Automaten. 

Sie haben freies WLAN im Mmhio, aber ich spanne meinen eigenen Hotspot auf und logge mich darin ein. Ich könnte zuhause sitzen und schreiben, aber ich mag es, im Café zu sitzen und zu bloggen. Manchmal schreibe ich für Svenja-and-the-City, aber heute arbeite ich an meinem Reisebericht über Italien für meine Svendura Seite.

Ich schlage das Moleskine auf, klemme die Seiten fest, damit es nicht wieder zuklappt und vertiefe mich in den Text. Für mich hat das Bloggen noch immer seinen Wert. Als ich vor dreizehn Jahren damit anfing, war es Das große neue Ding im Internet. Inzwischen ist die Karawane längst weitergezogen zu Youtube, Instagram und anderen Diensten, die eingängiger und leichter zu konsumieren sind.

Italien, das Lieblingsreiseland der Deutschen. Wie schreibt man darüber? Wie so oft bin ich hin- und hergerissen zwischen Meinung und Fakten, zwischen Ehrlichkeit und dem inneren Zensor.

Das Schöne ist immer leicht zu beschreiben, es macht Spaß zu loben, aber wie beschreibt man das, was man blöd fand, was einem nicht gefallen hat? Am liebsten schreibe ich offen und ehrlich, ohne zu beschönigen, aber manchmal fehlt mir dazu der Mut. Dabei weiß ich, wie es mich selbst nervt, wenn Reiseführer und Reiseberichte nur eine Tonart kennen: Dur in höchsten Tönen, alles und jedes entzückend finden. Wie dankbar ich bin für Grautöne, die mir sagen, wie es wirklich ist.

Fazit: Die Antwort habe ich mir gerade selbst gegeben. Ich liebe es zu bloggen und ich schreibe weiter so, wie ich persönlich es erlebt und empfunden habe. Kritik muss ich aushalten, so wie mein Reiseland auch. Heute ist das nicht schwer, denn Tag 4 der Italienreise war ausnahmslos ein schöner. Bis auf die Sache mit Pieps und dem Streukäse, aber dafür konnte keiner was. Wenn die Maus niesen muss, dann muss sie eben niesen.


Samstag, 3. Dezember 2011

After Work Svenja Style

Jeden Tag derselbe Rhythmus: Auf­stehen, anziehen, zum Dienst, nach Hause, einkaufen, Haus­ar­beit, essen, schlafen und am näch­sten Morgen dasselbe von vorn. Dabei mag ich meine Arbeit und gehe ausge­sprochen gerne zum Dienst, aber manchmal ist mir das allein zu wenig.

Ich könnte zu einer der After Work Partys gehen, auf denen sich moderne Menschen aus Werbung, Beratung und Medien­branche immer wieder donnerstags zum Feiern treffen, nur meistens schlafe ich um diese Zeit schon längst.

Zweimal habe ich es ausprobiert und war einmal sogar naiv genug, bereits um 22 Uhr im Trafo aufzutauchen, wo ich eine geschlagene Stunde allein mit dem Barmann am Tresen saß, bis endlich die anderen Gäste, fröhlich, ausgeruht und perfekt gestylt, aufgetaucht sind.

Heute aber liege ich prima in der Zeit. Es ist erst 16 Uhr, als ich meine Haustür aufschließe, mit etwas Puder das MakeUp ausbessere und sofort wieder losstöckele. So schnell die spitzen Absätze tragen, klackere ich den Knooper Weg hinunter zum Chelsey, wo gleich meine eigene kleine After Work Party stattfindet.

Das Ganze ist wirklich keine große Sache, aber für mich ist es genau so perfekt: Gleich nach dem Dienst treffen wir uns mit zwei, drei Freundinnen, je nachdem wer gerade Zeit hat, und lassen gemeinsam den Arbeitstag hinter uns. Es wird geredet, gelacht und erzählt, wir trinken etwas Wein oder Kaffee und ich esse jedes Mal einen dieser leckeren Tramezzinis mit Thunfisch, die Eddy so unvergleichlich gut hinbekommt.

Fazit: Wenn ich gegen 20 Uhr von meiner kleinen After Work Party nach Hause komme, dann bin ich total ausgeglichen und zufrieden. Ich kicke die Pumps von den Füßen, ziehe meinen Nickianzug an und habe das gute Gefühl, dass ich etwas von meinem Tag hatte und heute nicht nur für die Arbeit gelebt habe. Mich zu unterhalten, gemeinsam etwas zu trinken, zu lachen und einfach eine gute Zeit zu haben, das ist After Work Svenja Style :-)

Sonntag, 30. Oktober 2011

Claudia wird 70

Eine wunderschöne, violette Orchideen­blüte liegt oben auf meinem Salat. "Die ist essbar.", versichert mir der Ober, während er die gebratenen Jacobs­muscheln serviert. Meine Güte, ist das nobel hier.

Heute ist Claudias 70. Geburtstag und sie hat Pieps und mich ins Kieler Schloss eingeladen. 

70? Wenn ich Claudie so ansehe, wie sie mir gegenübersitzt und mit fröhlichem Gesicht und großen, neugierigen Augen die Jacobsmuschel in sich reinmampft, dann kann ich es kaum fassen, dass meine beste Freundin heute 70 wird. Heute werden wir einmal wieder richtig auf den Kaktus hauen, schließlich soll man seine jungen Jahre nutzen.


Als Claudia dem freundlichen Ober vorschlägt, ein paar Fotos von uns zu machen, ist er von der Idee mindestens ebenso begeistert wie wir. Während Claudia ihm die Bedienung der Kamera erklärt, ziehe ich unauffällig mein Kleid ein paar Zentimeter höher. Schließlich sind wir im Schloss und da sollte eine Frau sich von ihrer besten Seite zu zeigen.


Elegant schreiten wir über den dicken roten Teppich, der aber leider nur in die Tiefgarage unter dem Schloss führt, wo Claudias Auto steht. Minuten später zirkelt sie den Twingo geschickt in eine kleine Parklücke direkt vor dem Birdcage.

Aber was ist das? Nur eine Handvoll Schwuler sitzt mit muffigem Blick am Tresen, während auf den Fensterplätzen gelbe Zettel liegen, auf die jemand mit Kugelschreiber "reserviert" geschrieben hat. Ich frage Micha, den Wirt vom Birdy, was denn los sei. Er berichtet uns, dass die Tische für einen Junggesellinnenabschied reserviert sind.

"Yeah!", sagen Claudie und ich fast unisono, denn wir erinnern uns noch sehr gerne an unsere letzte Bachelorette Party. Und jetzt begreifen wir auch, weshalb die Typen am Tresen so muffig aus der Wäsche schauen.

Ich sitze noch an meinem ersten Glas Wein, als plötzlich die Tür aufgerissen wird und ein halbes Dutzend wirklich heißer Girls hereinkommen. Es sind junge Russinen, die als slutty Pirates verkleidet sind und mit der zukünftigen Braut den Abschied aus dem Junggesellinnenleben feiern wollen.

Die Mädchen haben ganz offensichtlich keine Ahnung, wo sie gelandet sind und machen sich mit Begeisterung über drei Jungschwuppen her, die bis dahin still in einer Ecke saßen.

Sie haben zwar mit Girls absolut nichts am Hut, aber für lustige Menschen, Spaß und Tanzen sind sie immer zu haben und machen engagiert mit.

Die älteren Schwulen verziehen dagegen keine Mine und starren weiterhin unbeteiligt und etwas entnervt in ihre Biergläser.

Die Russinen wissen, wie man feiert und wie man trinkt. In kürzester Zeit verwandelt sich das Birdy in einen Hexenkessel aus Discomusik, tanzenden Girls, Heten und Schwuppen, während fortwährend große Tabletts mit Xuxu herumgereicht werden, einem Teufelszeug aus Erdbeer und Vodka, von dem bekannt ist, dass es rauf ebensogut schmeckt wie runter. Ich schaffe es erfolgreich, mir das Zeug vom Leib zu halten und komme mit einem einzigen Shooter davon, während Claudia ohnehin nur Kaffee trinkt, weil sie noch fahren muss.

Auf dem Höhepunkt der Stimmung, als die zukünftige Braut sich in ihrem slutty Pirate Outfit auf die Bar setzt, während der Typ neben ihr nur gequält in die andere Richtung sieht, öffnet sich die Tür und eine zweite, überwiegend blonde, Bachelorette Party schneit herein.

Der Erste, den die Mädchen wahrnehme ist eine von den Jungschwuppen, die mit nacktem Oberkörper tanzt und alles tut, um ihren Waschbrettbauch zur Geltung zu bringen. Die Mädchen sind begeistert und die Braut, die eine pinkfarbene Perücke trägt, winkt den Rest ihrer Braut Zwerge hinein.

Inzwischen ist es brechend voll im Birdy und tanzen kann man nur noch, indem man im Stehen mit den Hüften wackelt, oder wie die russischen Mädchen auf Stühlen und Tischen tanzt.

In dem Moment, als Ruslana mich fragt: "Titten lecken?", weiß ich, dass es Zeit ist, zu gehen. Mit einem lässigen "Später vielleicht, Baby.", vertröste ich sie und bin für einen Moment ganz hingerissen von meiner eigenen Charakterstärke.

Während ich die Mäntel hole, kümmert Claudie sich um die Barrechnung und kurz darauf fahren wir schon weiter durch das nächtliche Kiel. Wir sind uns einig, dass es bis jetzt ein ziemlich gelungener Geburtstag ist.

Wir fahren zu Krauses Gastspiel in die Holtenauer, einer wunderbaren, kleinen Bar direkt neben dem Schauspielhaus, die außerdem für ihre gute Küche bekannt ist. Die ruhige Atmosphäre bei Krause mit leiser Barmusik und sanftem Kerzenschein ist genau das Richige nach dem Hexenkessel im Birdy. Ich trinke noch ein letztes Glas Wein, bevor es Zeit wird, nachhause zu fahren. Als Claudia mich vor meiner Haustür absetzt, bin ich ziemlich erledigt und freue mich auf mein Bett. Welch ein Abend...


Fazit: Ich habe schon an einigen Geburtstagsfeiern zum 70. teilgenommen, aber irgendwie habe ich diese Gerontenpartys ganz anders in Erinnerung, wenn Schwiegereltern, Omis und Patentanten zum Kuchenbuffet geladen hatten. So eine wilde Party, wie zu Claudies Siebzigstem, erlebt man auf vielen Dreißiger Parties nicht. Danke, Claudie, das war eine tolle Party. Mal sehen, was geschieht, wenn wir in ein paar Wochen meinen Fünfzigsten feiern...



Sonntag, 10. Juli 2011

Barfrau für eine Nacht

Svenja im PubWie es dazu kommen konnte, dass ich in einem Pub in Schottland als Barfrau hinterm Tresen stehe? Puh, das ist eine komplizierte Geschichte. Die Kurzfassung könnte ungefähr lauten: "Es hat sich einfach so ergeben."

Dabei fängt alles ganz harmlos an mit einem Bloggertreffen bei Sabine in Dunoon. Jetzt bin ich müde, habe mich nett verabschiedet und stöckele durch die nächtlichen Straßen zurück zu meinem Hotel.  

Als ich dort ankomme, ist die Lobby verlassen und nur das Nachtlicht brennt. In dem kleinen Pub im Erdgeschoss ist aber noch Leben.

Das muss ich mir ansehen. Ich bin total neugierig darauf, wie die Schotten im Pub drauf sind und ob sich die Stimmung wesentlich von der in Eddis Bierschwemme in Kiel unterscheidet.

Ich bin zwar nicht sooo besonders angezogen und mein MakeUp könnte auch eine kleine Auffrischung vertragen, aber für ein letztes Bier vorm Schlafen­gehen und um mich mal kurz in einem Pub umzusehen, wird es wohl reichen.

Mit klackernden Absätzen stöckele ich die wenigen Stufen ins Pub hinunter und setze mich auf einen freien Platz an der Bar, wie ich es schon hundert Mal zuvor an anderen Abenden in anderen Bars getan habe.

Ich bestelle ein Pint of Lager und setze Pieps auf den Tresen neben mein Bier. Sofort komme ich mit Berry, dem Barmann, ins Gespräch, der von Pieps total begeistert ist. Das ist "Mac Pieps the Mouse", stelle ich die kleine Plüschmaus im Kilt vor und schnell nimmt der Abend Fahrt auf.

Endurowandern mit Svenja

Als ich einige Zeit später ein Bitter aus einem der vielen Zapfhähne in ein großes Glas laufen lasse, nehme ich mir fest vor, in Zukunft keine blöden Fragen mehr zu stellen, wie: "What is it like, to work behind a bar with so many different beer taps...?"

Fazit: Diese Reise mit dem Motorrad durch England und Schottland ist wirklich unglaublich. Soviele besondere Erlebnisse in so kurzer Zeit. Wer die ganze Story mit vielen Fotos und allen schmutzigen Details lesen möchte, der findet den Reisebericht auf meiner Motorradseite www.svendura.de.


Donnerstag, 3. März 2011

Svenja blitzt ab

Svenja"Wenn du meinen Vornamen errätst, spendiere ich eine Flasche Champagner.", raune ich der süßen Blonden zu, die auf dem Barhocker gegenüber sitzt und strecke ihr dabei meinen Busen entgegen, damit sie auch ja das Namens­­kettchen bemerkt, worauf in glänzen­dem Sterling­silber "Svenja" steht.

Die Blonde sieht interessiert aus. Ich beuge mich noch etwas weiter zu ihr hinüber, senke die Stimme und füge mit Verschwörer­mine hinzu: "Ich habe da noch eine ganz hervorragende Flasche Asti Spumante bei mir zuhause im Kühlschrank. Ist gar nicht weit von hier..."

Mit langen, weißen French Nails greift sie ihr pinkes Handy, steckt es in eine modische Handtasche aus Knautschlack, steht wortlos auf und geht. Jetzt sieht sie nicht mehr interessiert aus.

"Moment, warte doch!", brülle ich hinterher und versuche zu retten, was zu retten ist: "Das ist nicht irgend so ein Billigzeug, die hat drei Euro gekostet. Überlegs dir...!", aber die blonde Schönheit stöckelt auf dünnen Absätzen davon, ohne sich noch einmal umzusehen.

"Sehr merkwürdig.", denke ich. "Das hat doch früher oft funktioniert...!?" Ich bin leicht verunsichert.

Montag, 13. Dezember 2010

Die Adventsparty

Svenja in Strumpfhosen und Minikleid
„Stil und Blamage trennt oft nur eine hauchdünne Linie.“, sinniert Claudia halblaut vor sich hin und rührt weiter gedanken­verloren in ihrem Kaffee.

„Wie meinst du das?“, frage ich misstrauisch. Wir sitzen zusammen mit Volker und Pieps im Birdcage und feiern in den 3. Advent hinein.

„Nichts. Nur so.“, erwidert Claudia abwesend und rührt weiter in ihrem blöden Kaffee, während ich mir ein weiteres Glas Sekt­sangria aus dem total praktischen Liter­krug nachschenke. 


„Ich dachte schon, du hast wieder irgendwas zu meckern, aber dann ist ja gut.“ 

„Nein, nein, alles in Ordnung.“ Kurze Pause. Und dann: „Hübsches Kleid, aber ziemlich kurz, oder?“

Darum gehts also wieder. Dann kann ich mich ja schon mal auf die komplette Leier gefasst machen:  Blah, blah, Kleid zu kurz, blah, machst dich zum Löffel, Blamage, peinlich, blah. Aber Claudia schweigt.

Ich fühle mich trotzdem angegriffen: „Na hörmal.“, erwidere ich eine Spur zu laut. „Das Kleid besteht mühelos den Bauchnabeltest und eventuell sogar fast den Pobackentest. Wie könnte das also zu kurz sein?“ „Welches Kleid?“, erwidert Claudia trocken. „Ich seh überhaupt kein Kleid. Nur einen schwarzen Pulli.“

So eine Frechheit. Sind eure vermeintlichen Freunde auch so überkritisch und haben ewig was an euch rumzumeckern? Mecker ich vielleicht an Claudia rum, weil sie dieses rote Maxikleid angezogen hat, das fast bis zum Knie geht? Sage ich vielleicht, dass ich dauernd Angst hätte, beim Tanzen da draufzutreten? Nein, sage ich nicht, denn ich bin höflich. Auch wenn der Fummel von der Länge her an ein Hochzeitskleid erinnert. Aber das sage ich ihr natürlich nicht, weil ich eine gute Freundin bin und weil ich eine total gute Erziehung genossen habe.

Zum Glück legt Michael, der Wirt vom Birdcage, in diesem Moment Amy Whinehouse auf und wie auf ein geheimes Zeichen stürzen Claudia und ich zu den ersten Takten von „Valerie“ auf die Tanzfläche. „Pass bloß auf, dass du nicht auf dein Kleid trittst.“, gebe ich Claudia noch fürsorglich einen guten Rat. Ich meine es nämlich gut mit meinen Freunden.

In der Zwischenzeit versucht Volker, den Europarekord im Trinken von alkoholfreiem Weizenbier zu brechen und Pieps frisst sich hemmungslos durch das komplette Bar Food auf dem Tresen.

Nach dem Tanzen bestelle ich einen weiteren Krug Sektsangria. Das ist nicht nur mein Geheimtipp im Birdy, sondern auch die einzige Form, in der ich Obst esse. Da ist Sekt drin, Fanta, weißer Rum, Vodka, Cognac und Früchte. Außerdem löscht die Sangria super den Durst nach dem Tanzen. Man sollte nur darauf achten, genügend Aspirin im Haus zu haben.

Svenja und Claudia im BirdcageAls Claudia und ich später die Eiswürfel in unseren Gläsern klingen lassen, denke ich daran, dass dies die erste lange Partynacht seit meinem unerhörten Auftritt im Krankenhaus ist. Der hat doch viel mehr Energie gekostet, als ich gedacht habe. Und ich muss daran denken, dass nur Claudia im Krankenhaus für mich dagewesen ist und wie sie mich rund um die Uhr versorgt hat und sich irgendwann endgültig geweigert hat, mein Krankenzimmer zu verlassen und einfach nicht mehr nachhause gegangen ist. „Puh, das war eine schwere Zeit. Claudie, das werde ich dir niemals vergessen. Du warst mein Schutzengel im Krankenhaus und die Einzige, die zwischen mir und der weißen Wolke stand. Danke, mein Engel.“

Fazit: Als Pieps und ich gegen halb vier Uhr morgens endlich nach Hause stöckeln, bin ich ziemlich erledigt, aber sehr, sehr glücklich. Ich hatte doch solche Angst vor der Adventszeit und jetzt ist es das wunderbarste Advents­wochenende seit ewigen Zeiten geworden. Ich bin glücklich.

PS:
Wenn ihr wissen möchtet, wie der Abend aus der Sicht von Pieps, der kleinen Maus, ausgesehen hat, dann könnt ihr das im Blog des kleinen süßen Fellkneuls nachlesen. Ich freu mich drauf.

PPS: Wer ist Pieps? Das ist die kleine Stoffmaus, die mich schon auf meiner Motorradreise nach Frankreich begleitet hat, und die ich so sehr in mein Herz geschlossen habe, dass sie als Einzige auch in meinem Bett schlafen darf.

Donnerstag, 24. September 2009

Das Birdcage - Heimatplanet Kieler Transgender

Svenja im BirdcageHeute nacht ist Birdynacht. Nach zwei langen Monaten "Wegen Renovierung geschlossen" findet heute endlich die große Eröffnungsparty Birdcage 2.0 statt und natürlich sind Claudia und ich dabei.

Das Birdcage ist nicht nur DIE Szene-Bar in Kiel für Lesben, Transgender und Schwule, sondern auch Heimatplanet vieler T-Girls in Kiel und Schleswig-Holstein. Von hier aus starten wir unsere Ausflüge in die Nacht. Wir feiern gemeinsam mit Lesben und Schwulen, mit Pärchen, Heten und BioFrauen, oder einfach mit netten Leuten, die die Nacht hereingespült hat.

Ihr dürft euch das Birdcage auf keinen Fall so vorstellen, wie die berüchtigte Blue Oyster Bar aus dem Film Police Academy. Seht euch unbedingt den Filmclip an (ab 1:00 min lach ich mich schlapp). So wie im Blue Oyster ist es dort eben nicht:


- man wird nicht begrabscht (außer man legt wirklich richtig Wert darauf)
- man wird auch nicht verkloppt, bloß weil man nicht ebenfalls schwul, lesbisch, trans, oder sonstwie queer ist
- und einen Darkroom gibt es dort schon gar nicht und auch keine Ledertypen, obwohl auch das sicher ok wäre.

Habe ich irgendein Vorurteil gegen Schwule vergessen?
Das Birdy ist einfach eine nette queere Bar, in der jeder willkommen ist, der sich halbwegs normal benehmen kann. (nur ich darf trotzdem rein :-)



Michael, der BirdyWirt, ist total nett und außerdem einer der besten Barmixer, die ich kenne. Das Birdy ist nämlich eine richtig gute, kleine Cocktailbar und die Drinks dort sind ihr Geld Wert und enthalten tatsächlich richtig Alkohol. Außerdem gibt es Kölsch vom Fass, hausgemachte Frikadellen und ein erstklassiges House Chilly, günstig, scharf und riesengroß. Meine einzige Kritik: Zum Tanzen ist das Birdy zu klein und schon deshalb kriegen wir die Blue Oyster Bar dort nicht nachgespielt.

Eröffnung im Birdcage KielClaudia, beste Freundin und T-Girl wie ich, holt mich um kurz vor neun zuhause ab. Wir haben uns beide ziemlich aufgerüscht, obwohl wir uns das im Birdcage wirklich sparen könnten. Jede neue Frisur, jeder Lidstrich und jedes neue Minikleid, heißt im Birdy Pumps vor die Säue zu werfen. Wir sind einfach nicht die Zielgruppe. Trotzdem führe ich meine neuen lila Pumps im slutty MaryJane Style aus. Zu dem schwarzen Minikleid sehen sie toll aus. Schwarz und lila passen super zusammen.

Wir ergattern einen Parkplatz direkt vor der Tür und unter großem Hallo und mit vielen Über-Die-Schulter-Spuck Küsschen ergattern wir uns einen winzigen Stehplatz in zweiter Reihe an der Bar.
Birdcage Kiel RathausstraßeIch bin begeistert vom neuen Birdcage 2.0. Die Bar hat mindestens ein Jahrzehnt Muff abgeworfen und sieht jetzt moderner und viel edler aus. Die Bauausführung wurde übrigens von einer Transsexuellen geleitet, die ehemals ein Bauarbeiter war. "Toller Job, Tina!"

Michael spendiert uns einen Prosecco und wir finden sogar unseren Blanchet wieder auf der Karte. Puh, muß ich gebettelt haben hartnäckig gewesen sein, damit Micha als Weinkenner den Blanchet auf die Karte genommen hat, aber er ist nunmal das Getränk vieler T-Girls und vor allem meins :-)

Irgendwann gegen Morgen ist der Blanchet alle und es ist Zeit nach Hause zu stöckeln. Meine neuen Pumps bieten plötzlich nicht mehr genügend Halt. Schwimmender Estrich im Birdy? Zum Glück schaffe ich das kleine Stück zu meiner Wohnung auch jetzt noch zu Fuß und hoffe nur, dass mir jetzt nichts von dem Diskothekenvolk aus der Bergstraße entgegenwankt.

Warum schwule lesbische queere BarFazit: Das Birdcage ist DER Ausgehtipp für alle Transgender in Kiel und in Schleswig-Holstein. Nach seiner Renovierung ist es sogar noch besser geworden.

Selbst wenn euer Bartschatten noch fett durchs MakeUp scheint und ihr bei der Klamottenwahl gerne mal so richtig daneben greift, im Birdy ist das ok. Hier könnt ihr ohne jede Bedenken hingehen und an den meisten Abenden werdet ihr dort auch andere T-Girls in verschiedenen Phasen ihrer Verwandlung treffen.
Häufig gehen wir nach dem Treffen unserer Transgender Selbsthilfegruppe noch alle gemeinsam auf ein Glas Wein ins Birdy.

PS: Bitte entschuldigt meine Euphorie. Ich krieg im Birdy nichts billiger und bin auch nicht am Umsatz beteiligt, aber ich liebe den Laden. Es war die erste Bar, in die ich mich in weiblicher Kleidung getraut habe und ich hab mich dort sofort wohlgefühlt. Aber das ist Stoff für eine andere Geschichte ...


Svenja

Freitag, 24. April 2009

After Work Kiel - Non Solo Pane

After Work Non Solo Pane KielEs ist Donnertag abend und ich sitze allein zuhause. "Mensch, ist mir langweilig", denke ich, als mir plötzlich das graue Minikleid ins Auge fällt, mit dem ich gestern im Theater war. Im Non Solo Pane ist heute After Work. Da könnte ich doch ...

Zwanzig Minuten später bin ich schon unterwegs ins Non Solo Pane in der Holtenauer Straße. "Glück muß man haben", denke ich, als ich meinen kleinen schwarzen Seat in die letzte freie Parklücke direkt vor der Bar zirkele. Vor mir ein BMW Cabrio, hinter mir ein SLK. Beide Wagen schwarz, beide Wagen typisch Non Solo Pane.

Es ist kurz nach 21 Uhr und der Laden ist jetzt noch ziemlich leer. Eine Traube von Leuten steht um eine provisorischen Bar direkt auf dem Bürgersteig, wo ein charmanter junger Barmann Prosecco, Wein und Bier ausschenkt. Die Idee finde ich prima. Ich hole mir drinnen einen Becher Kaffee und stelle mich nach draußen zu den übrigen After Workern. Ich kriege sogar einen netten Typen dazu, noch schnell ein Foto von mir zu machen.

Doch irgendwie schaffe ich es heute nicht, mit irgend jemandem ins Gespräch zu kommen. Obwohl ich wirklich viel in Kiel unterwegs bin, sehe ich nicht ein einziges bekanntes Gesicht.

Das Publikum im Non Solo Pane ist eine Mischung aus Yuppies und Wannabes. Letztere besitzen nicht mal den allerkleinsten SLK, während erstere verzweifelt auf der Suche nach einem Parkplatz in Sichtweite ihres Publikums sind. Ich entdecke mindestens zwei Patrick Batemans und sogar einen täuschend echten Paul Allen.

Gegen 22 Uhr wird es langsam voller im Non Solo Pane. Die Tanzfläche ist geradezu einladend leer, aber ich bin nicht mehr in Stimmung zu tanzen und mache mich wieder auf den Heimweg. Ich muß morgen nämlich tatsächlich arbeiten.

Als Transgender könnt ihr dort übrigens bedenkenlos hingehen. Die Gäste verhalten sich politisch korrekt und werden euch ganz sicher nicht dumm ansprechen. Vermutlich werden sie euch nicht einmal bemerken, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.

Fazit: Das Non Solo Pane ist ein nobler, wirklich gut geführter Laden und dabei sogar überraschend preiswert. Es gibt eine Vielzahl einladender Steh- und Sitzplätze drinnen wie draußen. Die After Work fängt rechtzeitig an, ist perfekt durchgestylt und bietet als kleines Highlight sogar eine Außenbar. Doch für meinen Geschmack sind hier zu viele Schlipsträger und Versicherungsbanker à la Patrick Bateman. Da fühle ich mich nicht wohl.

In der nächsten Woche stelle ich euch das Hanging Garden vor, dann erlebt ihr einmal den krassen Gegenpol zum Non Solo Pane :-)

Donnerstag, 9. April 2009

Die Bachelorette Party

"Ok, aber wirklich nur noch einen letzten Absacker", sage ich zu Claudia auf dem Rückweg vom Nightfever. "Und der Laden muß schön dunkel sein, weil mein MakeUp langsam den Geist aufgibt." Was nebenbei bemerkt auch kein Wunder ist um halb vier Uhr morgens.

Alle meine Stammläden in Kiel haben um diese Zeit längst zu. Alle meine Läden? Nein. Claudia kennt da noch eine kleine Bar am Fähranleger, wo es auch jetzt noch gute Musik und einen letzten Drink gibt.

Der Blaue Engel liegt am Kieler Hauptbahnhof direkt neben der Klappbrücke nach Gaarden und in Sichtweite des CAP. Keine besonders gute Gegend, um dort nachts im Minikleid mit High Heels umherzustöckeln. (siehe meinen Beitrag: NoGo Areas in Kiel)

Claudia stellt den kleinen Twingo gegenüber am Bahnhof ab und wir stöckeln das kleine Stück über die Bahngleise zum Blauen Engel. Ausgerechnet jetzt kommen ein paar junge Ausländer vom Ostufer über die Klappbrücke. "Oh, Mann. Warum ziehen sie das Ding nachts nicht einfach hoch?!" Die Jungs beachten uns jedoch gar nicht und steuern zielstrebig auf das CAP zu.

Als ich die Tür zum Blauen Engel aufmache, bin ich total überrascht. Es ist kurz vor 4 Uhr morgens und hier ist noch die Hölle los. Auf der kleinen Tanzfläche neben der Bar drängelt sich ein Dutzend junger Frauen, die lachen, tanzen und feiern was das Zeug hält. Ich komme gar nicht bis zum Tresen, sondern muß sofort mittanzen.

Außer zwei jungen Typen sind wir nur Frauen. Ich bin begeistert und bleibe gleich auf der Tanzfläche. Erst als mir eines der Girls einen breiten goldenen Gürtel verkaufen will, Modell Hauptschule, Hüfthose, Arschgeweih (der Gürtel, nicht die Frau!), merke ich, dass ich mitten in einer Junggesellinnen Abschiedsparty stecke.

Yeah! Eine echte Bachelorette Party. Die wollte ich doch schon immer mal miterleben! Ich erfahre, dass die Verkäuferin Britta heißt und der Gürtel nur 3 € kosten soll. Natürlich kaufe ich ihn sofort. Vielleicht ziehe ich eines Tages ja tatsächlich mal eine Hose an. Dann kann ich so einen Gürtel bestimmt gut gebrauchen. Und die Idee mit dem Tribal am Dubs geht mir auch schon seit längerem nicht aus dem Kopf. Aber das ist Stoff für eine völlig andere Geschichte ...

Leider ist der Vorsprung der Girls im Trinken und Feiern uneinholbar. Unterhalten kann man sich mit ihnen längst nicht mehr. Stattdessen tanze ich ein wenig mit der Braut und überlege, ob ich ihr die Hochzeit noch ausreden kann. Aber sie ist so glücklich, dass ich ihr kein Wasser in den Wein schütten möchte und verzichte auf jeden Versuch.

Ich würde euch gerne noch das abschließende Gruppenfoto zeigen, aber ich glaube, das gehört sich nicht. Trotzdem: tolles Foto. Stattdessen präsentiere ich euch eine leicht übermüdete Svenja an der Bar. Übrigens: So blau wie auf dem Foto war ich in Wirklichkeit nicht :-)
 
Fazit: Jungesellinnen Abschiedsparty? Jederzeit wieder. Der Blaue Engel ist für Transgender Girls sonst nicht unbedingt die erste Adresse. Die Gegend ist nachts einfach nicht so toll und parken kann man da auch nicht. Am besten lässt man sich dort mit dem Taxi absetzen und auch wieder abholen. Dann ist der Platz ok. Das Publikum ist überwiegend studentisch tolerant und die Problemfälle hängen wohl eher im CAP herum.

Samstag, 21. März 2009

Cafe Impresso Chillout Lounge

Cafe Impresso Live MusikEs ist Freitag, es ist Wochenende und endlich Frühlingsanfang. Yipppieh! Ich komme vom Dienst, stelle mein kleines Auto zuhause in die Tiefgarage und stöckel so schnell die Deichmänner tragen durch die Fußgängerzone in den Sophienhof.

In der Buchhandlung Weiland, ganz hinten in der Ecke finde ich das kleine, gemütliche Café Impresso. Von einer Freundin habe ich erfahren, dass hier seit kurzem jeden Freitag nachmittag ein richtig guter Pianospieler auftritt. Und tatsächlich höre ich schon in Höhe der Fantasy Romane aus der Ferne sanfte, weiche Klänge.


Da sitzt ein junger, sympathischer Typ im weißem Oberhemd mit Weste an einem Keyboard und spielt traumhaft schöne Melodien. Später erzählt er mir, sein Name ist Thies, er ist 24 Jahre alt und hat alle Songs selbst geschrieben. Wow, ich bin mehr als nur ein bisschen beeindruckt. Auf meine Frage nach einer CD erfahre ich, dass die gerade produziert wird. Anfang April kommt sie auf den Markt und wird auch hier im Café zu kaufen sein. „Die muß ich haben“, denke ich. „Das ist genau meine Musik zum Entspannen.“

Auf die Frage nach der Stilrichtung ist Thies selbst ein bisschen ratlos. Charmant fragt er die nette Service Crew des Cafés um ihre Meinung. „Filmmusik“, sagt die Eine mit der fröhlichen grünen Tunika. „Chillout Musik“, meint eine andere. „Richtig,“ denke ich. „Das ist es, Chill Out Music.“

Bei diesen Klängen wird das Café Impresso zur Chillout Lounge und bietet einen wunderbaren Start in ein entspanntes Wochenende. After Work mal ganz anders.

Für Transgender ist das Café Impresso ein sicherer und angenehmer Ort, hier fühle ich mich wohl. Das gilt ebenso für die ganze Buchhandlung Weiland. Die Menschen, die mit unserem Anblick so ihre Schwierigkeiten haben und von denen ich manchmal dumme Bemerkungen höre, treffe ich nie in Buchhandlungen und auch nicht in der Stadtbücherei. Gibt es da vielleicht doch einen Zusammenhang zwischen Toleranz und Bildung? Wie ist eure Meinung?

Café Impresso
Im Sophienhof, Querpassage
Mo - Fr 10 - 20 Uhr
Live Musik Freitag nachmittags ab circa 16:00 Uhr

Freitag, 20. März 2009

Svenja-and-the-City goes After Work

"Wann war eigentlich diese Konferenz, auf der alle Bars beschlossen haben, dass After Work Parties erst um kurz vor Mitternacht beginnen dürfen? Und warum immer Donnerstags?"

Dieser Frage will Svenja-and-the-City heute auf den Grund gehen. Als Studienobjekt habe ich mir das Kieler Trafo ausgesucht. Erstens weil ich da zu Fuß hinstöckeln kann und zweitens mag ich im Trafo total gerne tanzen. Ich überlege, was ich anziehen soll und entscheide mich schließlich für ein langes schwarzes Kleid und meine schlichten schwarzen Pumps. Schließlich kann man niemals overdressed sein.

Die After Work heißt im Trafo After Business Party und beginnt jeden Donnerstags um 21:02 Uhr. Zu dieser Zeit, renne ich sonst zuhause schon im Nachthemd durch die Gegend und zähle die Stunden, bis ich um 5:25 Uhr wieder aufstehen muß. Aber heute will ich es wissen und frage Andreas, den Inhaber des Trafo, warum die After Work immer erst so spät startet. Die Party sollte besser schon um 18 Uhr beginnen und dafür um Mitternacht zu Ende sein. Das wäre cool und ich wäre sicher viel häufiger dabei.

"Nein," sagt Andreas, "das funktioniert in Kiel nicht. Die Kieler gehen vor 22 Uhr überhaupt nicht los. Die sitzen eher noch auf dem Sofa und gucken einen Film bevor sie endlich auf die Piste gehen. Hier ist meistens erst ab zehn so richtig was los. In Hamburg gibt es solche echten After Work Parties, die wirklich gleich nach der Arbeit starten. Aber nicht hier in Kiel. Vor zehn ist überall tote Hose."
Ich schaue mich um und gebe Andreas Recht. Sind After Work Parties in Wirklichkeit After No Work Parties für Menschen, die Freitags gar nicht arbeiten? Ich weiß die Antwort nicht, aber fast kommt es mir so vor, denn richtig voll wird die Bar erst gegen elf. Sechseinhalb Stunden noch, dann klingelt schon mein Wecker und ich habe erst ein Glas Wein getrunken und nur zwei Lieder getanzt.

Das Tanzen macht im Trafo übrigens richtig Spaß. Die kleine Tanzfläche mit dem DJ-Pult in der Ecke hat genau die richtige Größe und die Musik ist hier niemals zu laut. Als Transgender Girl falle ich den Leuten natürlich auf. Ich bin einen guten Kopf größer als die BioFrauen um mich herum und blicke selbst auf die meisten Männer herab.

Trotzdem kann man als Transgender beruhigt ins Trafo gehen. Das Publikum ist aufgeschlossen, tolerant und überwiegend älter als 30. Man kommt zwar nicht so leicht ins Gespräch, aber dafür wird man auch nicht belästigt.

Ich gehe gegen 1 nach Hause und stöhne beim Gedanken an das frühe Aufstehen morgen früh. Aber heute muß das reichen. Am nächsten Donnerstag aber, da werde ich alle verblüffen wenn ich erst gegen halb elf auftauche und locker bis morgens durchtanze. Ich nehme einfach den Freitag frei. Früh zu Bett zu gehen ist schließlich nur was für Spießer!

Meine Klamotten an diesem Abend waren fast billiger als die Barrechnung.
Kleid: C&A 19,90 €
Pumps: Charly's 16,90 €
Strumpfhose: eBay 2,90 €
Erst auf dem Foto zu merken, dass die Strümpfe oben zu sehen sind: unbezahlbar!

Dienstag, 3. März 2009

Live Musik im Kieler Trafo

Heute abend gehe ich ins Trafo, dem derzeit angesagtesten Club der Stadt. Die edle Bar mit der coolen Clubatmosphäre hätte gut in eine Folge von Sex-and-the-City gepasst, doch heute reicht es lediglich für eine Episode von Svenja-and-the-City.

Ich habe Glück und ergattere den besten Platz an der Bar direkt vor der Bühne. Andreas Werner, Inhaber und Chefbarmixer der Trafo Bar begrüßt mich freundlich. Seine Idee war es auch, den Dienstag mit einer dreimonatigen Konzertreihe "Trafo unplugged" aufzuwerten.

Den Anfang machen heute Joy Smith and Friends. Friends, das ist an diesem Abend Kaya, die ich bis jetzt nur als Moderatorin der Morning Show auf Delta Radio kenne. Sie hat eine hammer rauchige und total erotische Stimme und ist der einzige Grund, weshalb ich jemals Delta Radio gehört habe.

Als die Band ihren ersten Soundcheck macht und die 18 jährige Joy Smith ein paar Zeilen ins Mikrofon singt, gibt es einen echten Wow-Effekt. Welch eine tolle, kraftvolle Stimme. Die ersten beiden Songs bringen Joy und Marc Smith alleine und das Publikum ist schnell begeistert von dem leidenschaftlichen Musiker und der kleinen Joy aus Neumünster. Als Kaya eintrifft, wird sie sofort auf die Bühne geholt und gemeinsam singen die Beiden mit "Warwick Avenue" einen meiner absoluten Lieblingssongs. Die Beiden sind wirklich klasse.

Wegen meiner Transsexualität gibt es an diesem Abend keine Probleme. Das Publikum im Trafo ist eher ein wenig upper class ohne den sonst üblichen Anteil von Bildungsfernen. Hier kann man auch als Transgender in Ruhe hingehen, ohne belästigt zu werden. Ich muß das Trafo unbedingt in meinen Kiel Führer mit aufnehmen.

Inzwischen geht das Konzert weiter und Kaya gibt eine sagenhafte Interpretation eines Alicia Keys Songs. Die Stimmung ist wirklich gut im Trafo an diesem ersten Konzertabend live and unplugged. Es könnte ruhig noch ein wenig voller sein, auch wenn die Bar ganz gut besucht ist. Schließlich singen Joy und Kaya mit "Let it Rain" von Amanda Marshall für mich den Song des Abends. Nach einer Zugabe geht das Konzert mit reichlich Applaus zu Ende. Als Joy dem Publikum beichtet, dass sie keine weitere Zugabe geben kann, weil ihr Zug gleich fährt, müssen alle zusammen lachen mit der kleinen sympatischen Sängerin aus Neumünster. In den nächsten Wochen ist Joy noch ein paarmal im Trafo zu hören. Der Eintritt für den gelungenen Abend kostet nur 8 € und lohnt sich auf jeden Fall.

Auf dem Weg nach Hause gehe ich noch auf einen letzten Wein in die Chaplin's Bar, bevor ich endgültig nach Hause stöckele. Ein netter Abend und ein neuer Ausgeh Tipp für T-Girls in Kiel.

Sonntag, 23. November 2008

Sonntagskaffee im Cafe Pursche

Wenn es etwas gibt, das wir T-Girls mit älteren Damen gemeinsam haben, dann ist es unsere Vorliebe für Kaffeehäuser. Wir lieben es einfach, in der ruhigen Atmosphäre eines guten Cafés zu sitzen und mit unseren besten Freundinnen über Gott und die Welt zu tratschen. Und über Schuhe natürlich...

Auf meinen Spaziergängen in der Holtenauer Straße bin ich bis jetzt immer im Cafe Fiedler hängen geblieben. Ein wirklich gutes Café mit tollen Torten. (Hallo Ayten!). Alles ist nagelneu eingerichtet, sehr stylish und modern. Und dennoch: Es muss doch auch eine Kaffeehauswelt geben diesseits von Late Machiato, Vanille Moccacino und anderen Lifestyle Getränken.

Und so stöckele ich an diesem Sonntag gemeinsam mit meiner Freundin Claudia achtlos am Café Fiedler vorbei immer weiter die Holtenauer Straße entlang in Richtung Kiel Wik. Gerade als ich mich frage, ob meine 6 cm Pfennigabsätze das durchhalten werden, taucht die alte Café Konditorei Pursche auf.

Lasst euch bloß nicht vom morbiden Charme der 70er Jahre Architektur abschrecken. Das Café ist ein absoluter Geheimtipp. Vorne im Verkaufsraum der Konditorei suchen wir uns jede ein Stück Torte aus - dafür verzichte ich sogar einen Tag mal auf meinen Doc Atkins - und gehen nach hinten in das eigentliche Café. Und hier ist nun wirklich die Zeit stehen geblieben. Kein bisschen Lifestyle, nichts Modernes, dafür aber der unvergleichliche Charme von Plüsch und Resopal. Einfach klasse. Claudia und ich versinken in einem riesigen Plüschsofa und sind sofort begeistert. Hierher kommen wir öfter! Diese Konditorei muss ich unbedingt auch in meinem Kielführer empfehlen. Hier fühlen sich bestimmt auch "neue" und unsichere T-Girls wohl, ohne Angst haben zu müssen. Die lieben Omis am Nebentisch werden bestimmt keine Hauerei mit euch anfangen. :-)

In der kleinen Speisenkarte finde ich sogar einige Klassiker, die aus modernen Cafés schon lange verschwunden sind. Ein Würstchen mit Butterbrot zum Beispiel. Oder noch besser: die gefüllte Blätterteig Pastete mit Frikassee. Und natürlich ein Kleiner Rüdesheimer Kaffee. Ich bin begeistert. Und Kaffee heißt hier tatsächlich noch Kaffee und jeder weiß, was gemeint ist. Auch wenn jemand mit Kugelschreiber den Late Macchiato als erste exotische Spezialität auf die Karte geschrieben hat.

Fazit: Das Café Pursche ist unbedingt einen Besuch wert und ich hoffe inständig, dass es noch lange genau so erhalten bleibt. Bitte, bitte, bloß nichts ändern!
Außer: wenn ihr Rührei hättet, dann würde ich sogar zum Frühstücken hinkommen, versprochen! :-)


Café Konditorei Pursche
Holtenauer Straße 208
24105 Kiel
Tel. 0431/86245
Tägl. von 9.00 - 18.00 Uhr

Samstag, 19. Juli 2008

MTV VIVA Aftershow-Party 2008

An diesem Samstag habe ich eine Einladung zur MTV Aftershow Party nach der Campus Invasion Tour 2008. Jede Menge Leute von VIVA und MTV, Moderatoren, Bild- und Tontechniker, Fernsehjournalisten, Aufnahmeleiter und eine Handvoll Gäste. Location: Die VIP-Lounge der Kieler Maritim Bar. Wow! Die Fernsehleute wissen wo man feiert. Nur eine winzige Kleinigkeit: So richtig eingeladen bin ich bis jetzt noch nicht :-)

Claudia holt mich irgendwann kurz nach zehn in einem schicken neuen Kleid ab. Wie gut, dass ich letzte Woche auch noch ein kleines Schwarzes im Ausverkauf bei H&M ergattert habe. Ein außerordentlich kurzes "kleines Schwarzes" übrigens, so dass ich beschließe die helleren Bars zu meiden. Claudia ist gnädig und parkt den Twingo direkt vorm Birdcage. Die Bar ist um kurz nach zehn schon gerammelt voll. Ein Ausdruck, den ich mir dort sonst verkneife. Ein Magazin für Lesben hat an diesem Abend ein Fotoshooting im Birdcage verabredet. Die Femmes sind in total ausgelassener Stimmung und bestehen darauf, dass Claudie mit auf die Fotos soll. Claudia gibt sich gelassen und cool wie immer, aber ich weiß, dass sie sich gerade fühlt wie ein Zuckerkranker bei Niederegger.

Wir nippen an unserem ersten Cosmopolitan, als Diana in ihrem neuen Outfit ins Birdy vibriert. Sie hat kinderfreies Wochenende und will endlich ihre neuen Stiefel ausführen. Die Biester müssen schließlich eingetanzt werden. Sie hat unser volles Verständnis.

Jetzt sind wir komplett. Einen Drink später beschließen wir, unser Styling nicht länger an die schwule Gemeinde zu verschwenden, sondern woanders noch ein bisschen Spaß zu suchen. Das Birdy ist unser Lieblingsplatz, aber hier kommt man mit Stöckel und Mini nicht weit, sondern nur mit Bizeps und Sixpack und wir sind froh, beides endlich los zu sind.

Zu dritt geht es im Twingo durch die Nacht. Die Straßen sind voll und die Stadt ist eine einzige Party. Was ist in Kiel los? Am Nachtschalter der SHELL-Tankstelle im Knooper Weg stehen die Menschen Schlange, während eine verzweifelte Gaby dabei ist, den gesamten Biervorrat der Tankstelle durch die kleine Sicherheitsschleuse im Panzerglas zu quetschen. Puh, die müssen aber Durst haben, diese Studenten.

Wir fahren weiter ins Kieler Maritim Hotel, wo es eine ganz ausgezeichnete Bar mit tiefen roten Clubsesseln aus Leder, gedämpftem Licht und leiser Barmusik gibt. Man kann dort mit etwas Glück die interessantesten Menschen treffen. An diesem Abend ist alles anders. Von wegen, leise Barmusik. Die Bar ist voll mit Partyleuten und aus der VIP-Lounge im Hinterzimmer dröhnt der Techno bis in die Lobby. Was ist denn nun passiert? Sind alle Geschäftsreisenden von Viagra auf Ecstasy umgestiegen?
Wir werden rasch aufgeklärt; heute war die MTV Campus Invasion an der Uni Kiel. Ein Open Air Konzert mit den Sportfreunden Stiller, Subways, K.I.Z. und andern Namen die ich auch nicht kenne. Alle sind total aus dem Häusschen und jetzt erklärt sich auch die Horde von Partyleuten an der SHELL-Tankstelle.

Die Leute von MTV und VIVA haben zusammen mit ein paar Gästen eine kleine Aftershow Party gestartet und kurzerhand die VIP Lounge des Maritim gemietet. Als der MTV Aufnahmeleiter uns sieht, ist er irgendwie erleichtert und ruft: "Endlich normale Menschen!" Zwei Minuten später sitzen wir in der VIP Lounge mit unserem ersten Drink. Die Campus Tour wird von BECK'S gesponsort und so gehen uns die Getränke heute nacht nicht mehr aus. Die Fernsehleute kommen aus der Bundeshauptstadt und sind fast ein bisschen erschrocken über Kiel. Wie ich heraushöre, soll in Berlin wohl mehr los sein .... Die MTV|VIVA Crew ist in absoluter Partylaune und sehr unterhaltsam. Es tut mir fast ein bisschen leid, dass ich keinen Fernseher habe und nicht ein einzige Sendung kenne, geschweige denn einen der Moderatoren. Nach kurzer Zeit geben sie es auf und finden es erfrischend, dass ich nicht übers Fernsehen mit ihnen reden will. Ohne Fernseher gehöre ich eindeutig nicht zur Zielgruppe.

Nicht nur an der Musik merke ich, dass ich die einzige über 30 bin. Aber das macht nichts. Denn als endlich MegaStar Amy Winhouse "Valerie" singt, bin ich nicht mehr zu halten und tanze, als wenn niemand zusieht.

Irgendwann gegen Morgen, als ich in meinen viel zu hohen Ankle Boots schon nicht mehr tanzen kann, sammele ich Claudia aus einem der tiefen, roten Clubsessel auf. Gemeinsam reißen wir Diana vom Stehtisch, von ihrer zwölften Flasche BECK'S und aus ihrem Gespräch mit Janina heraus. Wir müssen nach Hause. Wow, welch eine abgefahrene Partynacht!

Freitag, 4. Juli 2008

Barhopping - Hotel Birke Kiel

An diesem Abend starten Claudia und ich später als sonst zu unserer "Night of Barhopping". Als Highlight des Abends haben wir das Hotel Birke am Kieler Stadtrand ausgesucht. Bei der "Nacht der Kieler Hotelbars 2007" hatte es einige renomierte Kieler Hotels, wie das Steigenberger und das Maritim mit besserem Service um einige Absatzlängen übertroffen.

Als wir wenige Minuten vor Mitternacht in die Bar kommen, sitzt dort noch eine Reisegruppe ehemaliger EON Mitarbeiter, die sich schon langsam bettfertig macht. Mit ihren Gehhilfen und Rollatoren belegen sie selbstbewusst die besten Plätze der Bar. Ebenso selbstbewusst stöckeln wir freundlich lächelnd durch die Menge und setzen uns dekorativ an die Bar. Wir sind die einzigen EON Betriebsfremden und ernten einige erstaunte Blicke. Hätte ich mir die weißen Stiefel verkneifen sollen, um etwas weniger nach der Hauptschulklasse von 1985 auszusehen? Oder bedrohten Claudies endlos lange Beine die bevorstehende Bettruhe der Präsenilen? Wir werden es nie erfahren, aber ich bringe einen der netten Ruhrpott Jungs dazu, ein Foto von Claudie und mir an der Bar zu machen.

Der Barbetrieb ist an diesem Abend eine Entäuschung für uns. Vom flippigen Charme aus der "Nacht der Kieler Hotelbars" ist nichts übrig geblieben. Der Barmann ist gar keiner, sondern einfach ein Hotelangestellter, der nicht weiß, wie man einen Cosmopolitan mixt. "Wir sind keine Bar", entschuldigt er sich lahm. Ich weiß nicht, wer erstaunter guckt, er oder wir. Mit Weißwein und Apfelschorle helfen wir uns über diesen Aussetzer hinweg und sind doch beide ein bisschen pikiert. Nach einer guten halben Stunde geht uns die Stimmung auf den Geist und wir fahren zurück in die City.

Fazit: Das Hotel Birke ist sicher ein tolles Hotel, gemütlich eingerichtet, mit gutem Service und einem reichhaltigen Angebot. Nur als Station zum Barhopping auf ein paar Cocktails in netter Gesellschaft, dafür ist es nicht geeignet und vermutlich auch nicht gedacht. Schade.

Freitag, 6. Juni 2008

Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz

In dieser Nacht waren wir aufgebrochen, um das Geheimins zu lüften um Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz. Der Name sagte mir anfangs überhaupt nichts, aber Claudia versicherte mir, wir müssten die Ordensschwestern unbedingt kennenlernen. Es würde sich lohnen. Sie seien allerdings nur diesen einen Abend in der Stadt als Vorbereitung auf den Kieler CSD am nächsten Morgen.

Wir hatten keine Ahnung, wo wir die Schwestern an diesem Abend treffen würden, aber wir kannten einige Plätze in Kiel, wo sie im Laufe der Nacht ganz sicher auftauchen würden. Während wir mit Claudias kleinem Renault Twingo durch die Nacht fahren, lerne ich endlich, was es mit den Schwestern auf sich hat. Der Orden The Sisters of Perpetual Indulgence wurde 1979 in San Francisco gegründet und sammelt seit jeher Spenden für sozial schwache Angehörige der Queer Community. In erster Linie werden Spenden für AIDS-Kranke gesammelt und Gratis Kondome verteilt. Aber vor allem machen die Schwestern eine Super Show in ihren tollen Ordenskostümen und werben nicht nur für Toleranz, sondern auch für andauernde Lebensfreude und ewige Ausschweifungen.

Svenja and The Sisters of Perpetual Indulgence

Wir haben das große Glück, den Stadtführer der Nonnen an diesem Abend zu kennen. Es ist Heiko, der direkt dem Film Harold and Maude entsprungen zu sein scheint. Und so haben wir ein gutes Gespür dafür, wo wir in dieser Nacht suchen müssen.

Irgendwann lange nach Mitternacht haben wir Glück und treffen die Schwestern im Harlekin in der Kirchhofallee, wo sie eine außerordentliche Ordensversammlung direkt am Tresen abhalten. Die Ordenstrachten sind ein Knaller und ich überlege ernsthaft, einen Kieler Unterorden zu gründen, nur um solche tollen Klamotten und MakeUp als Dienstkleidung tragen zu können :-)

Claudia und die Schwestern vom Orden der Perpetuellen Indulgenz

Als wir uns gegen Morgen von den Nonnen verabschieden, habe ich eine ganze Menge dazugelernt und bin schwer beeindruckt von den Schwestern. Bei aller Fröhlichkeit darf man das große persönliche Engagement der Schwestern im Kampf gegen AIDS nicht verkennen. Für mich sind die Girls eine queere und fröhliche Ausführung der Heilsarmee. Nur viel hübscher :-)

Sonntag, 31. Dezember 2006

Silvester 2006

Zusammen mit Conny, Petra und Claudie lassen wir die Nacht im Birdy beginnen. Wir bringen uns mit ein paar Shooters langsam in Partylaune. Gegen halb zwölf stöckeln wir zu viert rüber ins Chaplins. Niko, genannt der Letterman hat seine Disco aufgebaut und die Stimmung ist schon ziemlich gut. Wir kriegen den letzten freien Stehtisch. Paolo - der Wirt - ist mächtig in Partylaune und begrüsst jeden weiblichen Gast auf typisch italienische Art: 20sec. Zungenkuss mit Umarmung. Petra wird gleich dreimal begrüßt: "...Senorina, wir hatten noch nicht, oder...?"
"Conny und ich sind die ersten auf der winzigen Tanzfläche. Hätt ich mir nie träumen lassen, dass ich mal freiwillig tanzen würde. Macht aber wirklich Spaß und wir können kaum genug kriegen.
Als weit nach Mitternacht ein besoffener Russe unangenehm auffällt, können wir den freundlichen Rausschmeißer des Chaplins in Aktion erleben:"Richtung die ich meine...." sagt er und fünf Sekunden später fliegt der Russe am Kragen gepackt Richtung Rathausstrasse.Irgendwann gegen Morgen kommt Paolo mit einer Riesenschüssel Tiramisu um die Ecke. Er ist hackenkackendicht und füttert jeden Gast persönlich mit einem Riesenlöffel des klebrigen Zeugs. Einige stören sich daran, dass er nur einen Löffel mithat. Mir doch egal...
Das Foto hat Conny von mir vorm Losgehen gemacht, aber die Buddel haben wir doch nicht mehr getrunken. (sie steht noch heute auf dem Küchenschrank neben der Stereoanlage)

Freitag, 20. Oktober 2006

Ein toller Tag and a girls' night out...

Heute ist ein richtig toller Herbsttag mit strahlendem Sonnenschein und bester Laune. Es ist mein erster Urlaubstag. Ich schlafe erst aus und brezel mich dann auf um ein bisschen shopping zu gehen. Ich zieh' eine dicke braune Strickstrumpfhose an, dazu meinen schokobraunen ESPRIT Cordmini, den bronzenen Gürtel und die passenden Ballerinas. So geh' ich total entspannt und allerbester Laune in die Stadt. Erst in die Fußgängerzone, wo ich ein bisschen mit meiner Lieblings Bratwurstverkäuferin rede und dann in den Sophienhof. Die neue Querpassage ist eröffnet und ich kaufe mir in dem neuen C&A ein paar Stulpen für meine Stiefel.
Bei New Yorker entdecke ich eine total scharfe Bermudajeans. Kann man leider nicht sehen, weil sie noch in der Tüte steckt. Sieht echt geil aus, die geht so knapp bis zum Knie.
Es ist dieses unglaublich erfüllende, glückliche Feeling: ich bin total girly aufgestylt und geh' ganz normal shopping im Sophienhof. Es fühlt sich total warm und wohl an, einfach zufrieden. Kaum jemand schaut mich blöd an. Es ist diese eigene Ruhe und sichere Art aufzutreten und ganz selbstverständlich zu sein. Leider kann ich es nicht besser ausdrücken, aber T-Girls wissen sicher was ich meine?!
Später fahre ich zu Conny und muss bei der Gelegenheit natürlich mein neues Outfit ausführen. Wir haben jetzt gemeinsam Urlaub und gehen abends zusammen ins Birdcage, wo wir noch schnell die Happy Hour mitnehmen und auch gleich Claudia H. aufgablen, bevor wir spätere alle gemeinsam rüber ins Chaplin's stöckeln.

Markus sitzt am Klavier und die Stimmung ist gut wie immer. Wir drei Girls unterhalten uns supergut und haben eine Menge Spaß. Zu vorgerückter Stunde fährt Claudie noch mit uns in die Heinrich Bar. Draussen entdecke ich ein Schild "Drink zum 1/2 Preis: Rusty Nail". Klar, der soll es sein. Die nette Tresenmaus versucht vergeblich, uns den Drink auszureden. Er sei zu stark. Das lockt uns natürlich gerade, aber tatsächlich, das Girl hatte Recht: es ist ein mittleres Wasserglas mit reinem Wisky und drei Eiswürfeln. Puh... das wars. Ich peppe meinen Drink noch mit drei Löffeln Zucker auf aber er bleibt ungenießbar.

So stöckeln wir gegen Ladenschluß zu Claudias Twingo der uns sicher nachhause bringt. Beim Ausziehen mach ich mir noch eine riesen Laufmasche in meine schöne neue Strumpfhose aber irgendwas ist ja immer :-)

Welch ein toller Tag, aber schade, dass nur eine Claudia mit war! Der Freitag morgen war dafür auch nicht so proper, aber mit zwei Aspirin haben wir den Tag dann doch noch gerettet.