Säcke mit Zement für Båtsfjord, eine LKW-Ladung Bier nach Kirkenes, eine Palette Kekse für Hammerfest und am Niedergang zur Kombüse stehen drei Wannen voller Rindfleisch.
Gerade werden an der Reling zwei große Treckerreifen als Decksfracht verzurrt, während ein roter Toyota Gabelstapler auf dem Kai die nächste Palette ans Schiff heranfährt.
Es ist unglaublich, wieviele verschiedene Güter unser kleiner Deckskran an Bord hievt. Die MS Lofoten ist in erster Linie ein Postschiff und erst danach eine Touristenattraktion.
Die Postschiffe der Hurtigruten sind eine wichtige Lebensader entlang der norwegischen Küste bis hinauf in die Arktis, denn viele der kleinen Häfen sind auf dem Landweg wirtschaftlich kaum zu erreichen.
Gerade werden an der Reling zwei große Treckerreifen als Decksfracht verzurrt, während ein roter Toyota Gabelstapler auf dem Kai die nächste Palette ans Schiff heranfährt.
Es ist unglaublich, wieviele verschiedene Güter unser kleiner Deckskran an Bord hievt. Die MS Lofoten ist in erster Linie ein Postschiff und erst danach eine Touristenattraktion.
Die Postschiffe der Hurtigruten sind eine wichtige Lebensader entlang der norwegischen Küste bis hinauf in die Arktis, denn viele der kleinen Häfen sind auf dem Landweg wirtschaftlich kaum zu erreichen.
Wir
liegen heute vormittag im Hafen von Trondheim und haben das Schiff fast
für uns alleine. Die meisten anderen Passagiere nehmen an einem
Stadtrundgang teil, nur wir nicht. Claudia kennt die Stadt wie ihre
Westentasche, ich mag nicht latschen und Pieps will die Kombüse nicht
aus den Augen verlieren, seit in Ålesund eine halbe Palette Eiscreme an
Bord gehievt wurde.
Zum
Mittag gibt es wieder ein erstklassiges Buffet, in dem
Sättigungsbeilagen, wie Nudeln und Reis, nicht vorkommen und selbst
Salat nicht so penetrant in den Vordergrund missioniert wird, wie es
manchmal üblich ist. Allenfalls für Diabetiker und Magenkranke wird
dezent etwas davon bereitgehalten.
Zum zweiten Mal auf dieser Reise gibt es neben Fischgerichten auch mein absolutes Lieblingsessen (außer Ente),
nämlich Entrecote. Ich häufe mir den Teller voller Rindfleisch und nehme
sogar drei Kartoffelspalten und einen Löffel Gerstengraupen dazu. Die
einen, weil sie farblich gut zum Fleisch passen und die anderen, weil
sie mich an Haggis erinnern.
Für
Pieps gibt es Erdbeerkuchen, Eiscreme und ein großes Stück Haut, dass
ich für die kleine Maus extra vom Vanillepudding abrollen musste.
Den
Nachmittag verbringe ich mit dem Kindle in der Lounge. Wie hingegossen
liege ich in meinem grauen Kleid und den schwarzen Overknees von Buffalo Girl in einem der tiefen, weichen Clubsessel. Vermutlich bin ich die
einzige an Bord, die nichts von Fjällräven oder Wolfskin im Schrank hat
und die außerdem zu jeder Tageszeit ein vollständiges MakeUp trägt.
Die
meisten anderen Passagiere, außer Pieps und Claudia, tragen Jeanshosen,
Fleecepulli und sehr gerne diese unsäglichen Plastikcrocs. Ich habe das
Gefühl, dass niemand diese Kreuzfahrt wirklich ernst nimmt und stelle
mir vor, wie Kate in Crocs und Bequemhosen im Rettungsboot der Titanic
sitzt, während Leonardo einen roten Fleecepulli trägt, der mit einem
albernen Elch bestickt ist. Der Film hätte sicher keine elf Oskars
bekommen.
Sollten
wir also untergehen, was mir nach der letzten Nacht nicht mehr völlig
ausgeschlossen erscheint, dann will ich wenigstens gut aussehen dabei
und hoffe, dass die Kamera auf mich hält.
Während
ich von diesem Gedanken noch ganz hingerissen bin, kommt ein junges
Pärchen in die Lounge. Es sind Fahrgäste, die in Trondheim zugestiegen
sind und vermutlich bis Rørvik mitfahren werden.
Der Stretchrock dieser Tussi ist unverschämt kurz und wir tragen fast die gleichen Overkneestiefel. Sicher ist sie nicht einmal halb so alt wie ich, sieht umwerfend aus und sogar ihr Freund sieht ganz ok aus. Für einen Mann.
Ich kann beide auf Anhieb nicht leiden und hoffe, dass sie nach dem ersten Kind aufgeht wie ein Hefekuchen, während er früh eine Glatze kriegt. Den Rest des Tages habe ich miese Laune.
Der Stretchrock dieser Tussi ist unverschämt kurz und wir tragen fast die gleichen Overkneestiefel. Sicher ist sie nicht einmal halb so alt wie ich, sieht umwerfend aus und sogar ihr Freund sieht ganz ok aus. Für einen Mann.
Ich kann beide auf Anhieb nicht leiden und hoffe, dass sie nach dem ersten Kind aufgeht wie ein Hefekuchen, während er früh eine Glatze kriegt. Den Rest des Tages habe ich miese Laune.
Gegen
Abend habe ich ein echtes Tief. Während wir zu Abend essen, werden wir
Folda überqueren und es ist mit rauher See zu rechnen.
In der Ferne sieht man die ersten Brecher an den Klippen zerschellen und weiße Gischt spritzt meterhoch in den dunklen Abendhimmel. Ich habe mir schon einen Fluchtplan überlegt, falls mir schlecht werden sollte. Mir ist schon den ganzen Nachmittag über ein wenig flau und ich esse sogar ein Stückchen trocken Brot, was ich sonst niemals tue.
In der Ferne sieht man die ersten Brecher an den Klippen zerschellen und weiße Gischt spritzt meterhoch in den dunklen Abendhimmel. Ich habe mir schon einen Fluchtplan überlegt, falls mir schlecht werden sollte. Mir ist schon den ganzen Nachmittag über ein wenig flau und ich esse sogar ein Stückchen trocken Brot, was ich sonst niemals tue.
Der
erste Gang ist eine sensationelle Blumenkohlsuppe und schon nach den
ersten Löffeln geht es mir besser und das flaue Gefühl ist verschwunden.
Ich bin so happy, dass ich nicht übel Lust hätte, ein paar Schritte zu tanzen. Das war also keine Seekrankheit, sondern mir war einfach nur
schlecht vor Hunger. Ab jetzt kann ich den Seegang genießen.
Gerade
als die geräucherte Lachsforelle aufgetragen wird, verlässt der junge
Hühne vom Nebentisch fluchtartig den Saal, ohne die verführerisch
glänzende Fischhaut eines zweiten Blickes zu würdigen. Er wurde bis zum
Ende der Mahlzeit nicht mehr gesehen. Ebensowenig wie die beiden
Ehepaare am Fenster, die nach einem kurzen Blick auf den Fisch wie auf
ein geheimes Zeichen hin gemeinsam aufstehen und den Saal verlassen,
während am Nebentisch die ersten Gläser umstürzen.
Am
Fisch kann es nicht liegen, denn der schmeckt köstlich. Gerade als ich
überlege, ein paar der stehengelassenen Lachsforellen einzusammeln, wird
bereits der dritte Gang aufgetragen, eine fette Süßspeise aus
norwegischer Dickmilch.
Ganz überraschend wird das Licht im Saal gedämpft und Charlotta, eine
der Kellnerinnen und ein wunderhübsches Mädchen, singt a capella ein
Lied für uns "Fields of Gold". Ich bin nach den ersten Zeilen so berührt,
dass mir die Tränen in die Augen schießen und nur mein wasserfestes
MakeUp das Schlimmste verhindert. Ich habe Mühe, meine Fassung zu
finden, bevor das Licht im Saal wieder angeht.
"Heuls
du, Tzwännja....?! Wieso heuls du jetz ei'ntlich...?" kräht Pieps
fröhlich in den Saal und informiert die umsitzenden Passagiere über
meinen Gemütszustand. Oh, ich liebe Kinder...